Diskussionsveranstaltung an Freitag Abriss des ehemaligen Hollager Rathauses?

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Von 1966 bis 1972 diente das neue Rathaus der Gemeinde Hollage als Verwaltungssitz, danach noch bis 1995 der Großgemeinde Wallenhorst. Heute ist es als Philipp-Neri-Haus das Pfarr- und Jugendzentrum der katholischen Kirchengemeinde St. Josef. Foto: Archiv Heimathaus Hollager HofVon 1966 bis 1972 diente das neue Rathaus der Gemeinde Hollage als Verwaltungssitz, danach noch bis 1995 der Großgemeinde Wallenhorst. Heute ist es als Philipp-Neri-Haus das Pfarr- und Jugendzentrum der katholischen Kirchengemeinde St. Josef. Foto: Archiv Heimathaus Hollager Hof

Wallenhorst. Seit einem halben Jahr sorgen die Pläne der katholischen Kirchengemeinde St. Josef Hollage, das frühere Hollager Rathaus und jetzige Philipp-Neri-Gemeindehaus durch Umbau, Anbau oder ersetzenden Neubau anders zu nutzen, für kontroverse Diskussionen. Es hat sich eine „Initiative Erhalt des alten Rathauses in Hollage“ gebildet.

Maria Bertke als Sprecherin der Initiative lädt zu einer „Bürgerversammlung“, wie sie es nennt, am Freitag, 29. Juni, ab 19 Uhr ins Gasthaus Barlag, Hollager Straße 123, ein. Pfarrer, Kirchenvorstand, Bürgermeister und Ratsmitglieder aller Parteien werden zu einem öffentlichen Informationsaustausch gebeten, um „somit die Diskussion zu versachlichen“, wie es in der Einladung heißt.

Im Kern geht es darum, dass die Kirchengemeinde ein neues Pfarr- und Jugendheim östlich der Josefskirche in „Pastors Garten“ an der Kurt-Schumacher-Straße errichten möchte. Das dadurch frei werdende Philipp-Neri-Haus (PNH) soll umgebaut oder abgerissen werden, um an der Stelle betreutes Senioren-Wohnen einzurichten. Ein Pfarrheim neben der Kirche böte den Vorteil, dass kirchliche Veranstaltungen im Pfarrheim vor und nach Gottesdiensten leichter erreichbar seien, ohne die vielbefahrene Hollager Straße queren zu müssen, was jetzt beim Aufsuchen des PNH der Fall sei.

Bedarf an betreutem Wohnen

Weiterhin sei bei einem Neubau von einem erheblichen Zuschuss durch das Bischöfliche Generalvikariat auszugehen. Diese Unterstützung werde nicht für Renovierungen und energetische Sanierungen gewährt, die kurz- bis mittelfristig fällig werden, wenn das PNH Pfarrheim bleiben sollte. Schon seit Längerem belasteten Unterhalts- und Energiekosten für dieses mehr als 50 Jahre alte Gebäude den kirchlichen Haushalt überproportional.

Zeitgleich sind Überlegungen für eine alternative Nutzung des Standortes PNH entwickelt worden. Es bestehe wachsender Bedarf an ambulant betreuten Wohngemeinschaften für Senioren. Die Betreuung könnte die Caritas-Sozialstation übernehmen, die in nicht allzu großer Entfernung an der Bergstraße angesiedelt ist. Ob diese angedachte neue Nutzung am zweckmäßigsten durch An- und Umbau oder durch Abriss und Neubau zu bewerkstelligen ist, müssten weitere Beratungen mit Architekten ergeben.

„Kapitalvernichtung“

Die Kritiker der Pläne, die sich in der Initiative zusammengeschlossen haben, sehen in dem drohenden Abriss des PNH eine überflüssige „Kapitalvernichtung“. Das Haus sei „baulich in einem sehr guten Zustand“, die technische Ausstattung entspreche dem heutigen Standard. Und alle Räume seien barrierefrei zu erreichen. Ferner verweisen sie auf die geschichtliche Bedeutung und die „ortsbildprägende Architektur“ des früheren Rathauses: Es wurde 1965 für die Altgemeinde Hollage gebaut und war bis zur Gebietsreform Sitz von Rat und Verwaltung. 1972 stieg es zum Rathaus der Großgemeinde Wallenhorst auf und behielt diese Funktion, bis 1995 das neue Rathaus im Wallenhorster Zentrum bezugsfertig wurde. Für einen „Anerkennungsbetrag“ von lediglich 300 000 DM sei das Haus in das Eigentum der Kirchengemeinde übergegangen, die dann aber sehr tief in sämtliche Taschen griff, um es für 1,8 Millionen DM zum Pfarr- und Jugendzentrum umzubauen. Auch die politische Gemeinde steuerte 330 000 DM bei, verband Verkauf und Zuschuss aber mit der Zweckbindung „Jugendarbeit“.

Kein Denkmalschutz

Um diese Zweckbindung ging es der Kirchengemeinde, als sie Ende April die politische Gemeinde um Zustimmung zu einer Nutzungsänderung bat. Die Verwaltung sprach sich bejahend aus, jedoch kam es noch zu keinem Beschluss im Gemeinderat, weil der Bürgermeister den Beratungspunkt in der vergangenen Ratssitzung von der Tagesordnung nahm. Das hindert die Kirchengemeinde nach eigenen Angaben aber nicht daran, zusammen mit dem Bischöflichen Generalvikariat den Architektenwettbewerb für beide Bauvorhaben vorzubereiten. Ein mögliches Hindernis ist dabei bereits aus dem Weg geräumt: Laut rechtskräftigem Bescheid der Denkmalschutzbehörde kann das PNH nicht unter Denkmalschutz gestellt werden, da es die hierzu notwendigen Voraussetzungen nicht erfülle.


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