Nie ohne einen Kuss das Haus verlassen Hollager Ehepaar feiert eiserne Hochzeit

Feiern am 16. Juni  ihre eiserne Hochzeit: Eva und Alfred Fritsch. Foto: Christina HalbachFeiern am 16. Juni ihre eiserne Hochzeit: Eva und Alfred Fritsch. Foto: Christina Halbach

Wallenhorst. Zu ihrer grünen Hochzeit vor 65 Jahren haben die Hollager Eva und Alfred Frisch für ihre rund zehn Gäste noch selbst gekocht. Die eiserne Hochzeit feiert das Paar am 16. Juni mit 30 Gästen im Gasthaus Lingemann in Rulle.

Am 16. Juni 1953 läuteten für die heute 86-jährigen Eva und Alfred Fritsch die Hochzeitsglocken. Kennengelernt hatten sich die beiden, die seinerzeit noch in Ankum lebten, bereits einige Jahre zuvor: „Bei einer Tanzveranstaltung im Hotel Düker“, erinnert sich Eva Fritsch. Bei einem Walzer oder Foxtrott, die beiden wissen es nicht mehr ganz genau, sei der Funke übergesprungen: „Er konnte super tanzen“, schwärmt seine Frau auch heute noch mit leuchtenden Augen. Die Begeisterung beruhte auf Gegenseitigkeit, denn der junge Galan sicherte sich selbstbewusst auch die weiteren Tänze: „Er hat sich ganz raffiniert hinter meinen Stuhl gestellt und mir vor jedem Tanz auf den Rücken getippt“, weiß seine Frau noch fast 70 Jahre später. Seitdem, sagt sie, seien sie zusammen.

Flucht aus Schlesien

Die beiden verbinden nicht nur ihr gleiches Alter und die Liebe zum Tanzen, sondern auch ihre Herkunft. Beide stammen aus Schlesien; die Flucht hat sie als 14-Jährige nach dem Zweiten Weltkrieg in die Nordkreisgemeinde Ankum geführt, wo sie Arbeit bei Landwirten gefunden hatten. Es war eine harte Zeit, und die beiden jungen Menschen waren alles andere als auf Rosen gebettet: „Als wir heirateten, hatten wir nicht einen Stuhl oder ein Messer“, gibt Alfred Fritsch zu. „Das, was wir haben, haben wir uns selbst erwirtschaftet“, erklärt seine Frau mit spürbaren Stolz.  Ihr Mann fand zunächst Arbeit bei einer Ziegelei in Ankum, dann als Kranführer im Piesberger Steinbruch. Als dort für die Arbeiter Wohnungen gebaut wurden, zog das Paar nach Pye. Eva Fritsch blieb daheim und versorgte die gemeinsamen vier Kinder: Günther, Edith, Roland und Reiner.

Zum Zelten an die Ostsee

Anfang der 60er waren die ersten Urlaubsreisen möglich: Mit einem Ford Taunus 17 M ging es zum Zelten an die Ostsee: „Zunächst in einem geliehenen Zelt“, erinnert sich die heute  63-jährige Tochter Edith. Beim nächsten Mal im eigenen Wigwam und einige Jahre später schließlich im Wohnwagen. „Das war toll“, schwärmt die Zweitälteste. Auch die Ehe ihrer Eltern hat sie immer als etwas Besonderes empfunden: „Beim gemeinsamen Fernsehen haben sie immer Arm im Arm auf dem Sofa gesessen“, erzählt sie. Ihr Vater habe nie das Haus verlassen, ohne ihrer Mutter zum Abschied einen Kuss zu geben. Dem Ehepaar ist die starke Verbindung zwischen ihnen bewusst: „Wir haben in guten und schlechten Tagen zusammengehalten. Wir gehören einfach zusammen“, sagt Eva Fritsch. Sie ist mittlerweile auf den Rollator angewiesen, ihr Mann hört nicht mehr ganz astrein, ihr Leben bewältigen sie trotzdem nahezu in Eigenregie.  „Wir kommen immer noch gut klar“, stellt die Jubilarin fest, die mit ihrem Mann mittlerweile in einer Einliegerwohnung im Haus ihres Sohnes in Hollage wohnt.

Sieben Enkel, sieben Urenkel

Mit sieben Enkeln, deren Partnern und sieben Urenkeln feiert das Ehepaar heute seine eiserne Hochzeit. Das Festessen wird, wie der Blick auf die Speisekarte verrät, etwas üppiger ausfallen als vor 65 Jahren. Nach einem Rezept für das Gelingen einer Ehe gefragt, hat der Jubilar eine einfache Antwort: Gegenseitiges Nachgeben. „Man muss nicht immer auf dem bestehen, was man meint und tut.“


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