Butke-Kreisel wird umgebaut Wallenhorster Rat dreht sich beim Kreisverkehr im Kreis

Von Constantin Binder

Soll sicherer werden: der Butke-Kreisel in Lechtingen. Foto: Constantin BinderSoll sicherer werden: der Butke-Kreisel in Lechtingen. Foto: Constantin Binder

Wallenhorst. Der sogenannte Butke-Kreisel im Wallenhorster Ortsteil Lechtingen wird umgebaut, um die Verkehrssicherheit für Radfahrer zu erhöhen. Das hat der Gemeinderat am Mittwoch beschlossen – nach einer hitzigen Debatte und gegen die Stimmen der CDU.

Der Ratsbeschluss sieht im Wesentlichen vor, die Fahrbahn des Kreisels zu verschmälern, damit Autofahrer ihn nicht mehr so schnell passieren können. Zudem sollen Fahrradfahrer künftig ebenfalls durch den Kreisel geleitet werden, sich die Fahrbahn also mit dem Kraftverkehr teilen. Die bisherigen Fuß- und Radwegübergänge an den einmündenen Straßen werden als „Zebrastreifen“ ausgewiesen und bleiben damit Fußgängern vorbehalten.

Größtmögliche Sicherheit für Radfahrer?

Diese Verkehrsführung entspricht Verkehrsplaner Detlev Gündel zufolge den neuesten Standards und biete allen Verkehrsteilnehmern die größtmögliche Sicherheit – insbesondere den Radfahrern. Denn Auto- und Lkw-Fahrer müssten bei dieser Lösung im Kreisel hinter den Radfahrern fahren; so könnten diese ungefährdet abbiegen und würden an den Ein- und Ausmündungen nicht übersehen, hatte Gündel im Bauausschuss vor drei Wochen erläutert. Sein auf Radverkehr spezialisiertes Büro aus Hannover hatte im vergangenen Jahr eine Bestandsaufnahme zur Radverkehrsführung in den Wallenhorster Kreisverkehren durchgeführt – und nur am Butke-Kreisel zwingenden Handlungsbedarf erkannt. Denn seit Frühjahr 2017 liegt dieser Kreisverkehr innerorts, sodass die früher außerorts geltende Priorisierung des Kraftverkehrs hier keinen Bestand mehr hat.

„Eine Zumutung für den Autofahrer“

Gündels Ausführungen hatten im Ausschuss alle Fraktionen überzeugt – bis auf die CDU. Und die blieb auch im Rat erwartungsgemäß bei ihrer ablehnenden Haltung und attackierte sowohl Konzept als auch Gutachter heftig. Ihre drei Hauptkritikpunkte: Erstens laufe die radverkehrsfreundliche Umgestaltung unter dem Schlagwort „Umsetzung des Klimaschutzkonzeptes“ – für Radfahrer sei allerdings bereits die Fahrradstraße von Lechtingen nach Osnabrück eingerichtet worden, sodass nicht auch an der zweiten Verbindung nach Osnabrück die Radler bevorzugt werden müssten, wie CDU-Ratsherr Dennis Schratz argumentierte. Denn Wallenhorst sei nun mal eine „Autofahrergemeinde“, in der 92 Prozent der Bürger das Auto nutzten, und „so, wie es geplant ist, ist es eine Zumutung für den Autofahrer“, wetterte Schratz. Sabine Steinkamp (SPD) hielt dem entgegen, dieser Wert entstamme dem Einzelhandelskonzept, das nicht das gesamte Mobilitätsverhalten der Wallenhorster abbilde, sondern aussage, wie die Kunden ins Zentrum gelangen.

Zweitens sei die Umgestaltung mit Kosten von rund 125000 Euro schlichtweg zu teuer, befand Schratz; allenfalls für die Einführung der Fußgängerüberwege solle Geld ausgegeben werden: „Das ist der einzig positive Aspekt.“

„Dieser Gutachter ist ein Fahrradlobbyist“

Drittens, und da wurde die Debatte hitzig, stellte die CDU-Fraktion den Gutachter infrage. Schratz tat kund, er habe mit anderen Verkehrsplanern gesprochen, die die vorgeschlagene Lösung für nicht praktikabel hielten; sein Fraktionskollege Michael Riemann unterstellte gar, der Gutachter sei nicht auf dem neuesten Stand: Andere Verkehrsexperten seien längst zu dem Schluss gekommen, dass Kreisverkehre innerorts nicht die sicherste Lösung seien, sagte Riemann, und mehr noch: „Dieser Gutachter ist in meinen Augen ein Fahrradlobbyist.“

Hubert Pohlmann (SPD/FDP-Gruppe) konterte scharf: Er habe Schratz schon im Bauausschuss gebeten, Gündel die anderen Gutachten vorzulegen, dies sei bis heute nicht geschen. „Da frage ich mich schon, wie ernst ist das zu nehmen?“

Antrag auf Ende der Debatte

Endgültig im Kreis drehte sich die Debatte, als Riemann auf die Osnabrücker Römereschstraße verwies („Die haben alles richtig gemacht, denn die haben keinen einzigen Kreisel gebaut“) und Markus Steinkamp (FDP) entgegnete, dort sei auch nie ein Kreisverkehr geplant gewesen, weil er schlichtweg nicht erforderlich sei.

Schließlich wurde es Ludger Meyer (WWG) zu bunt; er stellte den Antrag zur Geschäftsordnung, die Debatte zu beenden. In der abschließenden Abstimmung blieben die acht CDU-Vertreter bei ihrem Veto, die restlichen Fraktionen stimmten erwartungsgemäß für den Umbau.