Drittes Konzert des Kanadiers Ruller Haus wird zu klein für Stargitarrist Calum Graham

Von Markus Strothmann

Der Kanadier Calum Graham ist erst 26 Jahre alt, blickt aber schon auf eine bemerkenswerte Karriere zurück. Graham gewann große nationale Musikwettbewerbe, trat bei den Olympischen Spielen in Vancouver und London auf und hat bereits fünf Alben veröffentlicht. Foto: Markus StrothmannDer Kanadier Calum Graham ist erst 26 Jahre alt, blickt aber schon auf eine bemerkenswerte Karriere zurück. Graham gewann große nationale Musikwettbewerbe, trat bei den Olympischen Spielen in Vancouver und London auf und hat bereits fünf Alben veröffentlicht. Foto: Markus Strothmann

Wallenhorst. Beim mittlerweile dritten Konzert des kanadischen Fingerstyle-Gitarristen Calum Graham am Samstag im Ruller Haus reichen die Sitzplätze nicht mehr aus. Ein Teil der Zuschauer verfolgte den Auftritt des 26-jährigen Virtuosen im Stehen.

Peter Kroll-Ploeger bringt immer wieder internationale Akustikgitarren-Chefs ins Ruller Haus, außerdem macht er bei deren Konzerten üblicherweise den Opener. Am Samstag geriet der Start hektischer als gewohnt: Wegen miesen Verkehrs kamen Kroll-Ploeger und Calum Graham erst eine Stunde vor Beginn an, mussten dann noch die Anlage aufbauen und Soundcheck machen. Dazu mehr Leute als Stühle und infolgedessen eine allseits etwas aufgekratzte Stimmung.

Technik macht Probleme

Trotzdem ging es planmäßig los. Kroll-Ploeger eröffnete gewohnt virtuos mit zwei Stücken, während Calum Graham nebenan noch ein schnelles Abendbrot verdrückte. Der Kanadier ist erst 26 Jahre alt, blickt aber schon auf eine bemerkenswerte Karriere zurück. Graham gewann große nationale Musikwettbewerbe, trat bei den Olympischen Spielen in Vancouver und London auf und hat schon fünf Alben veröffentlicht. In Wallenhorst, wo er bereits 2015 und 2016 sein Können zeigte, kam er diesmal raus mit cool abgewetzter Klampfe, die Gäste empfingen ihn mit Applaus – und los ging es. 

Graham ist so schwer auf Tour, dass er laut Kroll-Ploeger nicht mal einen festen Wohnsitz hat, sondern lediglich seine Habe in Toronto einlagert. Entsprechend routiniert und locker trat er dem Publikum gegenüber, frisch und zum Quatschen aufgelegt trotz des stressigen Tags auf der Bahn. Leider machte vom Start weg die Technik Schwierigkeiten: Mikroausfall hier, Rückkopplung da. So richtig die Laune vermiesen ließ sich der Künstler nicht, aber leicht nerven tat es ihn offensichtlich schon. 

Harp-Guitar namens Bella

Zu nachlässigem Spiel oder gar hörbaren Fehlern ließ sich Graham von den technischen Problemen aber nicht verleiten. Im Wechsel zwischen Westerngitarre und der Harp-Guitar namens Bella mit dem Extrabündel Bass-Saiten zeigte er, „wie die Kids heutzutage spielen“ (Kroll-Ploeger). Mal instrumental und sphärisch, mal zum Backingtrack, den er per Loop-Station an Ort und Stelle erzeugte. Aufnahme Shaker, Aufnahme Bassline, funky Rhythmusgitarre und Gesang wieder „richtig“ live: Fertig war der Motown-Gedächtnis-Track. 

In der Pause wurden die technischen Schwierigkeiten gelöst, entsprechend kam das Konzert in der zweiten Hälfte richtig ins Rollen. Nach einem langen Set forderten die begeisterten Gäste drei Zugaben, bevor sie Graham endgültig von der Bühne ließen. Dass Calum Graham bei seinem nächsten Besuch in der Region noch ins Ruller Haus passt, darf bezweifelt werden.


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