Siedlungshaus wird Energiesparwunder Wallenhorster bringen 60er-Jahre-Haus auf KfW-70-Standard

Von Christina Halbach


Wallenhorst. Heike Geiken und Bernhard Linkemeyer haben ein Siedlungshaus aus den 60er Jahren nicht nur in ein optisches, sondern auch in energetisches Schmuckstück verwandelt. Die Gemeinde Wallenhorst hat das Engagement unlängst mit dem Umwelt- und Klimaschutzpreis ausgezeichnet.

Als eine Art „Mittelstrecke mit Zwischensprints“ beschreibt Hobby-Rennradfahrer Bernhard Linkemeyer die Zeit des Umbaus. Es sei keine Kleinigkeit gewesen. Da ist sich das Paar einig. Ein Jahr haben die Sanierungsarbeiten bis zum Einzug im März 2017 gedauert und auch dann ebbte die Arbeit rund ums Haus nicht ab: „Nach dem Job waren wir jeden Abend hier. Nur sonntags haben wir die Beine baumeln lassen“, erinnert sich Heike Geiken. (Weiterlesen: Broschüre, Vorträge, Workshops – „Mach’s einfach“ liefert Tipps für Klimaschutz im Alltag)

„Nicht blind hineingelaufen“

Bis auf die Grundmauern haben sie – natürlich auch mit Unterstützung von Architekt, Handwerkern und Freunden – das Haus an der Hügelstraße unter anderem entkernt, Wände versetzt, Rohre und Elektrik neu verlegt und es nach KfW-70-Standard energetisch saniert. Blind hineingelaufen seien sie in das Projekt „Sanierung eines Siedlungshauses“ nicht: „Wir waren uns bewusst, was wir kaufen“, betont Linkemeyer. Als Handwerker, der 56-Jährige ist gelernter Elektromeister, habe er außerdem ganz gut einschätzen können, was auf sie zukommt. Geiken hat ihre Kompetenzen als technische Zeichnerin in die Sanierung des Objekts eingebracht.

Das Haus mit 135 Quadratmeter Wohn- und 1100 Quadratmeter Grundstücksfläche stammt aus dem Jahr 1960 und verfügte über einen entsprechenden Energiestandard: Also null Dämmung an Fassade, Fenstern und Dach sowie eine völlig veraltete Ölheizung. Dass die energetische Sanierung so umfassend ausgefallen ist, hatte das Paar nicht von Anfang an geplant. Festgestanden habe lediglich die Installation einer Pelletheizung: „Wir wollten weg von Öl und Gas“, begründet Geiken die Entscheidung für den alternativen Wärmelieferanten.

Fassadendämmung

Alles weitere habe sich in Gesprächen mit der Energieberaterin ergeben: „Das war wie ein Mosaik“, erinnert sich Linkemeyer. Stück für Stück habe man sich dem KfW-70-Standard angenähert und damit sukzessive die Förderung durch zinsgünstige Darlehen und Tilgungszuschüsse erhöht. Erster Punkt auf dem Zettel: die Erneuerung von Dach und Fenstern. Auch unumgänglich, um in der Förderung weiter nach oben zu rutschen: die Fassadendämmung. Da das Paar dem Haus ohnehin einen neuen Anstrich verpassen wollte und ein Gerüst aufgebaut war, sei der Schritt dahin auch nicht mehr weit gewesen, sagt Linkemeyer. Um Kältebrücken in den Außenwänden zu beseitigen, wurden schließlich noch die Hohlräume in den Zwischenwänden von Schuttresten gereinigt und mit Kunststoffkügelchen ausgeblasen. (Weiterlesen: 100 Euro Zuschuss – Wallenhorst fördert den Kauf von stromsparenden Kühlschränken)

Außerdem wurde eine dezentrale Lüftungsanlage installiert. In allen Räumen sind Wärmetauscher in die Wände eingelassen, die der verbrauchten, nach draußen strömenden Luft Wärme entziehen und sie auf die frische, einfließende Luft übertragen: „Dadurch wird 80 Prozent der Energie bei der Belüftung zurückgewonnen“, erklärt Linkemeyer das System, das herkömmliches Lüften nahezu entbehrlich macht. Als das Paar bereits eingezogen war, folgte noch ein „Sahnehäubchen“: Um ein „leichtes Feuchtigkeitsproblem“ im Keller in den Griff zu bekommen, wurden die Kellerwände von außen mit einem Feuchtigkeitsschutz gedämmt.

Auf Sand gebaut

Draußen machte das Paar gleich weiter: „Wir haben festgestellt, dass das Haus auf einem Sandhügel errichtet ist“, erläutert Linkemeyer. Beste Voraussetzungen also, um Regenwasser auf dem eigenen Grundstück versickern zu lassen. Das schont nicht nur den Geldbeutel, sondern hat auch einen ökologischen Aspekt: Die in den Garten geführten Rohre enden in einer Sickergrube, auf der unter einer Kastanie Hortensien angepflanzt sind. Die bekämen dadurch quasi eine Gratis-Bewässerung, freut sich Heike Geiken.

Mehr ein Gedankenspiel ist zur Zeit noch die Installation einer Fotovoltaikanlage. Hier will das Paar zunächst die weitere Entwicklung der Elektromobilität und den eigenen Energieverbrauch abwarten. Der steht nach einem Jahr noch nicht 100-prozentig fest: 700 Euro hat eine Drei-Tonnen-Ladung Pellets für die zurückliegende Heizperiode gekostet. Höher als bei einer herkömmlichen Heizung seien die Wartungskosten, sagt Linkemeyer. Hier lägen ihnen jedoch keine Rechnungen vor.

So oder so: Der Umweltgedanke steht für das Paar in jedem Fall im Vordergrund. Über die Auszeichnung mit dem Klimapreis haben sie sich durchaus gefreut: „Wir fühlten uns bestätigt und vielleicht“, hofft Linkemeyer, „senkt das ja auch bei anderen die Hemmschwelle.“

Jetzt ein Energiesparwunder: Vor einem Jahr haben Heike Geiken und Bernhard Linkemeyer die Sanierungsarbeiten abgeschlossen. Foto: Christina Halbach

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Ein KfW-Effizienzhaus ist ein Gebäude mit einem besonders niedrigen Energiebedarf. Wer sich dafür entscheidet, ein altes Haus energetisch auf Vordermann zu bringen, kann dabei auf die Unterstützung der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) bauen. Diese fördert die Sanierung zum KfW-Effizienzhaus mit Darlehen und Tilgungszuschüssen, die je nach Effizienzhaus-Standard unterschiedlich hoch sind. Je kleiner die Kennzahl (55, 70, 85, 100 und 115), desto geringer ist der Energiebedarf der Immobilie und desto höher die Förderung.