Regenrückhaltebecken überprüft Der nächste Starkregen kann in Wallenhorst kommen

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Mitglieder der Schaukommission des Gemeinderats lassen sich von den Verwaltungsmitarbeitern Udo Stangier (gelbe Weste) und René Bei der Sandwisch (orange Weste) über die Reaktivierung des Regenrückhaltebeckens an der Moorlandstraße informieren. Foto: Joachim DierksMitglieder der Schaukommission des Gemeinderats lassen sich von den Verwaltungsmitarbeitern Udo Stangier (gelbe Weste) und René Bei der Sandwisch (orange Weste) über die Reaktivierung des Regenrückhaltebeckens an der Moorlandstraße informieren. Foto: Joachim Dierks

Wallenhorst. Die Schaukommission prüft, ob die gemeindeeigenen Gewässer in ordnungsgemäßem Zustand sind. Sie ist mit sechs Mitgliedern das kleinste der Gremien des Gemeinderates. Jetzt fand die aktuelle Frühjahrsbereisung von drei ausgewählten Anlagen statt.

Generell geht es darum, den störungsfreien Ablauf des Oberflächenwassers in die „Gewässer dritter Ordnung“, also kleine Bäche und Gräben, sicherzustellen. Längst ist es nicht mehr so, dass jeder private Bauherr problemlos sein Regenwasser einfach in den nächsten Bach einleiten kann oder, wenn er an die Regenwasserkanalisation angeschlossen ist, unbegrenzt weitere neue Grundstücke angehängt werden können. „Praktisch bei jedem neuen Baugebiet sind wir verpflichtet, ein Regenrückhaltebecken anzulegen, damit es nicht zu schwallartigen Einleitungen in die Vorfluter-Gräben und damit zur Überforderung der Systeme kommt“, erklärte dazu René Bei der Sandwisch als Wasserbaufachmann in der Gemeindeverwaltung.

Regenwasser-Hauptkanal im Kaliber DN 1000

Unter Vorsitz von Bürgermeister Otto Steinkamp nahm die Kommission zunächst das neu angelegte Rückhaltebecken am nördlichen Ende der Großen Straße in Augenschein. Hier war es so, dass der Regenwasser-Hauptkanal unter der Großen Straße, immerhin vom Kaliber DN 1000, also von einem Meter Durchmesser, schon die Kapazitätsgrenze überschritten hatte. Da von weiterer Zentrumsbebauung auszugehen ist, entschied man im Zuge des Ausbaus im Nordabschnitt der Großen Straße, einen zweiten Kanal DN 1000 parallel zu verlegen. Der durfte nun aber nicht, wie der erste Kanal, direkt sein Wasser in den Seitengraben der Straße „In der Stroth“ und damit in den Hollager Mühlenbach nördlich des Porta-Kreisels abgeben. Denn die Einleitstelle dort war kapazitätsmäßig ausgereizt. „Also mussten wir zurückhalten“, erläuterte Bei der Sandwisch.

Zwischengepuffert

Ergebnis ist das Regenrückhaltebecken (RRB), das bis zu 750 Kubikmeter zwischenpuffern kann. „Damit können wir ein dreijähriges Regenereignis abfedern.“ Soll heißen, dass eine Regenmenge, wie sie in der Spitze statistisch alle drei Jahre zu erwarten ist, verkraftet wird, ohne dass das Wasser aus den Gullys wieder herausströmt und die Große Straße überflutet. Das RRB nimmt Wasser aus beiden Hauptleitungen auf, weil die nach dem Prinzip der kommunizierenden Röhren miteinander verbunden sind. Im Normalzustand ist das RRB leer. Erst bei Starkregen „springt es an“ und beginnt sich zu füllen. Die großen Gesteinsbrocken im RRB werden als „Störsteine“ bezeichnet. Sie sollen die Geschwindigkeit des einströmenden Wassers bremsen, damit es nicht die Böschungen unterspült. „Man sollte das nicht unterschätzen: Bei einem Starkregen schießen bis zu 4200 Liter pro Sekunde durch ein 1000er-Rohr“, so Bei der Sandwisch. Eingezäunt ist das RRB zur Unfallverhütung, weil die Böschungen relativ steil angelegt werden mussten.

„Staugraben“ neben der Hansastraße

Weiter zog die Schaukommission zur Hansastraße, wo es zu größeren Flächenversiegelungen in Folge neuer Gewerbeansiedlungen westlich des Pollerwegs kommen wird. In Vorbereitung darauf hat die Gemeinde einen „Staugraben“ neben der Hansastraße anlegen lassen. Weil der Platz für ein typisches RRB hier nicht zur Verfügung stand, haben die Planer für die gleiche Funktion einen überbreiten Straßengraben mit einem Stauvolumen von 550 Kubikmetern entworfen. Bevor das Wasser weiter ins Kanalrohr geschickt wird, passiert es einen Schmutzabscheider und ein Drosselbauwerk. „Diese Kombination aus Rückhaltung, Reinigungsmöglichkeit und gedrosselter Weiterleitung ist der aktuellste Stand der Wasserbautechnik, wie er auch im entstehenden Gewerbegebiet am Schwarzen See eingesetzt werden wird“, erklärte Bürgermeister Steinkamp.

Lauschiges Biotop für Wasservögel

Als letzte Station ging es zu einem älteren RRB an der Moorlandstraße. Um 1992 angelegt, war es zwischenzeitlich zugewachsen, verkrautet und verschlammt. Die Sanierung ist nun fast abgeschlossen. 450 Kubikmeter an eingeschwemmten Sedimenten wurden ausgebaggert. Sie müssen jetzt noch auf einer Nebenfläche „ausbluten“, sprich Flüssigkeit abgeben, bevor sie abgefahren werden. Die Kommissionsmitglieder konnten sich davon überzeugen, dass das 2700 Kubikmeter große Becken seine wasserwirtschaftlichen Funktionen nun wieder vollständig erfüllen kann. Ob denn Hoffnung bestehe, dass hier bald wieder ein lauschiges Biotop für Wasservögel entstehen werde, lautete eine Frage. „Das ist eine durchaus zweischneidige Sache“, meinte dazu der Umweltbeauftragte Udo Stangier, „denn wenn der Pegelstand bei Regen plötzlich stark ansteigt, dann sind die Bodenbrüter mit ihrem Nachwuchs am Ende.“

Generalentwässerungspläne für alle Ortsteile

Steinkamp wies darauf hin, dass die Gemeinde ihre Generalentwässerungspläne für alle Ortsteile laufend aktuell hält und viel Geld dafür ausgibt, nötige Stauräume zu schaffen und die Abflüsse stets funktionsfähig zu halten. Denn: „Wir müssen damit rechnen, dass Starkregenereignisse in ihrer Heftigkeit und Häufigkeit zunehmen. Dafür wollen wir gewappnet sein.“


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