Bei Wind und Wetter im Einsatz Wallenhorster Klimaschutzpreis für Naturschutzjugend

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In der Werkstatt von Friedhelm Scheel (links) entstehen Niströhren und Kastenbauten für Steinkauz, Schleiereule und Co. Mitgebaut haben bereits (von links) Greta, Lou, Marieke und Leander. Foto: Christina HalbachIn der Werkstatt von Friedhelm Scheel (links) entstehen Niströhren und Kastenbauten für Steinkauz, Schleiereule und Co. Mitgebaut haben bereits (von links) Greta, Lou, Marieke und Leander. Foto: Christina Halbach

Wallenhorst. Sie setzen Steinkauzröhren, pflanzen Korbweiden oder sammeln Müll am Haseufer in Hollage: Die AG Naturschutzjugend der ANTL (Arbeitsgemeinschaft für Naturschutz Tecklenburger Land) ist regelmäßig in Wallenhorst im Einsatz. Für ihr Engagement wurde die von Friedhelm Scheel geleitete Truppe unlängst mit dem Umwelt- und Klimaschutzpreis der Gemeinde ausgezeichnet.

„Für junge Leute mit jungen Leuten“, ist das Motto des langjährigen, ehrenamtlichen Westerkappelner Naturschützers Friedhelm Scheel. Junge Menschen langfristig an den Naturschutz heranzuführen, sein Ziel. 2004 setzte der heute 66-Jährige mit der Gründung der AG Natur am Kardinal-von-Galen-Gymnasium in Mettingen den Grundstein für das langjährige Engagement für Artenschutz und ökologische Aufwertung von Naturräumen im Kreis Steinfurt und dem Osnabrücker Land, 2013 firmierte sich die Truppe in die AG Naturschutzjugend der ANTL um. 25 Mitglieder im Alter von zwölf bis 25 Jahren, darunter sechs Studenten und drei Väter, zählen aktuell zum harten Kern der Gruppe.

Einsatz bei Wind und Wetter

Die 13-jährige Zwillinge Leander und Marieke, Greta (12) und Lou (13) gehören noch zu den Novizen unter den Naturschützern, was ihrem Engagement für Steinkauz, Korbweiden und eine saubere Umwelt keinen Abbruch tut: Wenn „Friedhelm“ anruft und einen neuen Einsatz für das Wochenende ankündigt, müssen die Vier nicht lange überlegen. Dann heißt es: Warme Arbeitsklamotten und Schutzschuhe anziehen und bei jedem Wind und Wetter raus in die Natur.

Greta zum Beispiel ist schon mehrmals in Sachen Steinkauz unterwegs gewesen, hat dabei gemeinsam mit Scheel Nisthilfen auf Bauernhöfen installiert und einige Monate später kontrolliert und gereinigt. Trifft man dabei auf eine bewohnte Röhre, ist das immer ein großes Glück: „Friedhelm hat mir dabei schon mal einen Vogel in die Hand gelegt“, erinnert sich Greta strahlend. Der Naturschützer weiß um die Bedeutung solcher Erlebnisse: „Wenn da ein Tier wohnt, ist man extra stolz auf das, was man geleistet hat.“

Über die Landesgrenze

Die Aktion „Wir bringen den Steinkauz hinter die Landesgrenze“ gehört zu den ersten Projekten der Naturschutzgruppe und hat die Verbreitung der Eulenart in Niedersachsen zum Ziel. 435 dieser Röhren hat die Gruppe im Osnabrücker Land und im Kreis Steinfurt installiert, davon 36 allein in Wallenhorst. Auch Turmfalken und Schleiereulen profitieren vom Engagement der Truppe. Noch im September 2017 wurde im Hollager Kirchturm eine Nisthilfe eingerichtet.

Leander und Marieke sind über den Konfirmanden-Pass der evangelischen Kirchengemeinde zu der Truppe gekommen: „Das Thema Natur ist einfach interessant, und ich mach gerne was mit Astsägen“, erklärt der 13-Jährige sein Engagement. Unlängst war er zum Schnitt von Kopfweiden im Einsatz, deren Pflanzung und Pflege ebenfalls zum Portfolio der Naturschutzgruppe gehört. Zwillingsschwester Marieke weiß um die hohe ökologische Bedeutung der Bäume: „Die Kopfweiden müssen regelmäßig geschnitten werden, damit sich Höhlen für Schleiereulen und Steinkäuze bilden.“

„Wir sind ein Team“

Friedhelm Scheel motiviert die Kinder, sich im Umgang mit Werkzeug und der Natur – natürlich unter Aufsicht – auszuprobieren. „Wir sind ein Team und kommen gemeinsam klar“, sei häufig das Fazit der jungen Naturschützer, obwohl sie von unterschiedlichen Schulformen kommend aufeinander treffen.

Die jüngste Auszeichnung der Gemeinde Wallenhorst bedeutet zugleich ein Jubiläum für die Naturschutzgruppe: „Das ist unser 30. Preis“, sagt Scheel. Neben dem MUNA (Mensch und Natur) der Deutschen Bundesumweltstiftung in der Kategorie „Lebensaufgabe Natur“ haben er und seine Truppe unter anderem die Klimaschutzpreise mehrerer Gemeinden erhalten. Für die jungen Leute sei ein solcher Preis vor allem eine wichtige Wertschätzung, sagt Scheel. Was die tatsächliche Nachhaltigkeit von Nisthilfen und Co. angeht, ist er bei allem Engagement seiner jungen Mitstreiter für den Naturschutz mehr als skeptisch. „Mittlerweile geht es wirklich um das Überleben der Tiere“, ist der Naturschützer überzeugt. Von der Politik fordert er mehr als Preise und denkt dabei vor allem an die Ausweisung von Flächen für Naturschutzgebiete.


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