Wallenhorster Klimaschutzpreis Hollager Ehepaar heizt mit Energiezaun

Von Christina Halbach


Wallenhorst. Auf den ersten Blick könnte man das schmale Flechtgebilde für einen ambitionierten Grundstückszaun halten. Tatsächlich verbirgt sich dahinter ein Wärmelieferant mit Pioniercharakter. Für die Installation der CO2-freien Heizungsanlage erhielten Christel und Manfred Budde den Wallenhorster Klimaschutzpreis.

Die sanft geflochtenen, schwarzen Kunststoffrohre fühlen sich trotz der frischen Außentemperaturen an einigen Stellen angenehm temperiert an: „Dort wurde gerade wieder Wärme aufgenommen“, erklärt Manfred Budde die Arbeitsweise des Energiezauns, der sich mit einer Länge von 14 Metern über das Grundstück der Buddes erstreckt. Von seinen drei Metern Gesamthöhe ist die Hälfte ins Erdreich eingelassen ist. „Dadurch kann sowohl Wärme aus der Luft als auch aus der Erde aufgenommen werden“, so Budde weiter. Als Wärmeträger dient ein bis zu minus 25 Grad frostsicheres Wasser-Sole-Gemisch, das durch die Rohre zirkuliert und über einen Verdichter der Wärmepumpe im Heizungskeller zugeführt wird. Abgekühlt durch einen Verdampfer fließt die Sole wieder zurück in die Runde und der Prozess beginnt von vorn.

Altes Bauernhaus saniert

Seit über zehn Jahren sorgt der Energiezaun für Wärme auf 200 Quadratmetern Wohnfläche. 1969 hatten die Buddes das 250 Jahre alte Bauernhaus in Hollage erworben, kernsaniert und eine Ölheizung eingesetzt. 35 Jahre später wollte das Ehepaar auf einen anderen Wärmelieferanten umsteigen. Die Debatte um eine CO2-bedingte drohende Klimaerwärmung hatte ihre Spuren hinterlassen: „Man war sensibler geworden. Das Umweltbewusstsein ist gestiegen“, erinnert sich Manfred Budde. Auch das Auf-und-Ab der Ölpreise habe sich schließlich als K.o.-Kriterium für den fossilen Brennstoff entwickelt: „Wir waren das ganze Hin und Her leid und wollten eine größere Unabhängigkeit.“

Die Idee, Erdwärme als Energielieferanten zu nutzen und über eine Wärmepumpe dem Heizungssystem zuzuführen, begeisterte die Eheleute. Das Problem: Diese konnte seinerzeit nur eine Vorlauftemperatur von 35 Grad liefern und funktionierte nur im Zusammenspiel mit einer Fußbodenheizung. Die Buddes haben jedoch Heizkörper. Über das Inserat eines Heizungs-und Sanitärbetriebes in Ibbenbüren seien sie schließlich auf den Energiezaun aufmerksam geworden, der genau das konnte, was die Eheleute brauchten: die benötigte Vorlauftemperatur von 55 Grad liefern. „Da war für mich eigentlich alles klar“, sagt Manfred Budde. Nachdem die Buddes einige Referenzmodelle in der Umgebung in Augenschein genommen hatten, fiel nach etwa neun Monaten die Entscheidung für den Energiezaun.

Einen Nachteil hat der Energiezaun: Das ist der hohe Stromverbrauch. Rund 8500 Kilowattstunden verbraucht die Wärmepumpe eines solchen Systems. Aber auch dieses Problem haben die Buddes gelöst: 2011 haben sie auf ihrem Dach eine 4,2 kw-Photovoltaikanlage installiert, durch die etwa die Hälfte des zusätzlichen Stromverbrauchs gedeckt wird. Außerdem nutzen sie ein spezielles Tarifangebot ihres Energieversorgers für Wärmepumpen. Für zwei Stunden wird in der Mittagszeit der Strom, der für die Wärmeerzeugung benötigt wird, abgeschaltet und damit Verbrauch gespart. Ein 700 Liter starker Zwischenspeicher, der über eine kleine Luft-Wärme-Pumpe betrieben wird, sorgt in dieser Zeit für die Versorgung mit warmem Wasser. Auch den Temperaturen im Haus täte die Strompause keinen Abbruch, betont Christel Budde: „Die sind angenehm warm.“

Rechnet sich das?

Ob sich die innovative Heizungsanlage auch wirtschaftlich rechnet, kann Budde gar nicht so genau sagen: „Wir haben das alles nicht mit dem spitzen Bleistift ausgerechnet.“ Fest steht:  137 Euro im Monat kostet der Strom für den Betrieb der Wärmepumpe, 100 Euro bringt im Gegenzug die Photovoltaikanlage. Demgegenüber stehen Investitionskosten für die Installation der Anlage in nicht unerheblicher Höhe, die die Buddes nicht in der Zeitung lesen möchten. Budde fasst es so zusammen: „Es ist vielleicht nicht wesentlicher billiger, aber auf jeden Fall umweltfreundlicher.“

Das hat auch die Jury, die in Wallenhorst  für die Verleihung des Klimaschutzpreises verantwortlich ist, so gesehen. Besonders gewürdigt hat sie, das das Ehepaar Pioniergeist bewiesen habe, indem es sich für eine Anlage entschieden hat, die – obwohl bereits in den 80er Jahren entwickelt – noch nicht besonders verbreitet ist .

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