Lüder Meyer-Stiens und Dietmar Schöneich Wallenhorster Seelsorger: Ostern ist die Mitte unseres Glaubens

Von Christina Halbach

In der Arche in Lechtingen sprach unsere Redaktion mit Pastor Lüder Meyer-Stiens und Pfarrer Dietmar Schöneich über die Bedeutung des Osterfestes. Foto: Christina HalbachIn der Arche in Lechtingen sprach unsere Redaktion mit Pastor Lüder Meyer-Stiens und Pfarrer Dietmar Schöneich über die Bedeutung des Osterfestes. Foto: Christina Halbach

Wallenhorst. Was feiern wir Karfreitag? Welche Bedeutung hat die Auferstehung und die Osterbotschaft heute? Darüber sprach die Redaktion mit Lüder Meyer-Stiens, Pastor der evangelisch-lutherischen Paul-Gerhardt-Gemeinde Haste, und Dietmar Schöneich, Leiter der Pfarreiengemeinschaft Wallenhorst. In der Arche in Lechtingen entdeckten die beiden Geistlichen manche Gemeinsamkeit.

Ostern wird immer mehr als Fest wahrgenommen, an dem der Osterhase die Eier bringt. Die eigentliche Bedeutung gerät zunehmend in den Hintergrund. Wie nehmen Sie das im Gespräch mit Kindern und Jugendlichen wahr?

Meyer-Stiens: Ich glaube, dass das auch ein allgemeiner Trend dieser Zeit ist. Ob sich das nur auf Ostern beschränkt, wage ich mal zu bezweifeln. Bei Weihnachten haben wir ja dieselbe Entwicklung. Das heißt, dass es sich vermehrt von den eigentlichen christlichen Wurzeln entfernt. Man kann darüber klagen. Mein Job ist es, wieder in Erinnerung zu bringen, worum es dabei geht und dass diese Feste deutlich mehr zu bieten haben als Ostereiersuchen.

Sie haben das Weihnachtsfest angesprochen. Was ist denn wichtiger: Weihnachten oder Ostern?

Meyer-Stiens: Ganz eindeutig Ostern und Karfreitag. Das ist für einen Evangelischen eine ganz typische Antwort, dass auch der Karfreitag dazu genommen wird...

… der in der evangelischen Kirche der höchste kirchliche Feiertag ist?

Meyer-Stiens: Ich glaube, das muss man mittlerweile korrigieren. Sicherlich war das durch die lutherische Tradition ganz stark bedingt, dass man den leidenden Christi und die Erlösung am Kreuz sehr stark am Karfreitag festgemacht hat. Ostern war dagegen mehr die feiernde triumphierende Kirche, was man tendenziell mehr bei den Katholiken gesehen hat. Aber um auf die Frage zurückzukommen. Es geht hier um das ganz zentrale Heilsereignis: An Karfreitag feiern wir Gottes Solidarität mit menschlicher Endlichkeit und Sterblichkeit, an Ostern feiern wir die Überschreitung der Grenze des Todes. Hoffnung ist nun wirklich durch nichts mehr begrenzt. Diese Hoffnung gibt es nur mit dem Glauben an die Auferstehung. Das ist mit Abstand die dichteste Festzeit in der Christenheit, viel stärker als Weihnachten.

Schöneich: Ich stimme Pastor Meyer-Stiens da absolut zu. Das Ganze als Einheit gesehen, ist die Osterfeier. Ich glaube, Ostersonntag ohne Karfreitag geht nicht und umgekehrt auch nicht. Für uns ist der Karfreitag genauso wichtig, denn man kann an keinem anderen Tag deutlicher sehen, was Gott für die Menschen übrig hatte. Das sieht man bei uns auch daran, dass wir die Zeit vom Gründonnerstag bis zum Ostermorgen liturgisch als einen Gottesdienst verstehen.

 

Am Karfreitag nimmt Jesus durch den Tod am Kreuz die Sühne und Schuld der Menschen auf sich. Können Sie nachvollziehen, dass dieses Opfer vielen Menschen unverhältnismäßig und unverständlich erscheint?

Meyer-Stiens: Es gibt im Neuen Testament dazu verschiedene Deutungsarten. Die für meinen Glauben tragendste ist, dass es ein Zeichen der Liebe ist. Es ist in dem Leben Jesu immer eines deutlich geworden: Dass Gott es tatsächlich gut mit den Menschen meint. Und für diese Wahrheit steht Jesus mit seinem Leben ein, trotz dem ihn die Bosheit ans Kreuz bringt. Es ist kein notwendiges Opfer, was Gott verlangt, sondern ein Opfer, was Christus freiwillig eingegangen ist. Es gibt keinen größeren Liebesbeweis als sein Leben zu geben. Darin steckt heute, glaube ich, der Zugang dazu.

Schöneich: Jesus sagt es ja genauso: Es gibt keine größere Liebe, als wenn man sein Leben für seine Freunde gibt. Ich würde es genauso erklären.

Verlangt die Auferstehung am Ostersonntag nicht minder viel Glauben ab?

Schöneich: Das verlangt mir auch ganz viel Glaube ab. Wenn´s mir gut geht, dann kann ich einfacher damit umgehen, als wenn ich mitbekomme, wie viel Leid es auch in unseren Gemeinden gibt. Umso wichtiger, ist es Gemeinschaft zu haben. Deswegen ist Kirche wichtig, dass man sich stützt und die Botschaft zusagt.

Meyer-Stiens: Für meinen Glauben ist das leere Grab gar nicht so wesentlich, sondern das entscheidende ist für mich Jesu Erscheinungsgeschichte: Die Leute haben weitergemacht. Irgendetwas muss also passiert sein, dass die Jünger aus der tiefsten Trauer herausgeholt hat. Es gab viele, die in dieser Zeit Erlösung gepredigt haben. Aber ausgerechnet bei ihm machten die Leute weiter oder starben sogar für diese Hoffnung. Daraus wird eine Lawine, die zur größten Religionsgemeinschaft bis heute geführt hat.

Welche Bedeutung hat die Osterbotschaft auch noch 2000 Jahre später?

Meyer-Stiens: Dass das Leben mit Gott gewinnt. Eine der Grundängste der Menschen ist doch die Einsamkeit. Aber Gott hat uns jemanden an die Seite gestellt, und nicht einmal der Tod kann uns mehr trennen.

Schöneich: Ostern ist die Mitte unseres Glaubens, nicht nur historisch, sondern auch von der Sache.  Ich weiß gar nicht, wie man das Leben leben kann und Richtung Ende keine Hoffnung haben kann.  Das Leben ist endlich und es gibt viele Dinge, die ich aus der Hand geben muss und wenn ich da keine Hoffnung haben könnte, dass es von Gott im Guten bewahrt ist…

…..das ist die Botschaft des Osterfestes?

Schöneich: Ganz genau, das ist die Botschaft. Dass mein Leben nicht umsonst ist, dass ich auch kein anderer sein muss. Ich bin froh, dass ich als Dietmar Schöneich so von Gott geliebt werde.

Was bedeutet Ihnen das Osterfest ganz persönlich?

Meyer-Stiens: Ich begehe die einzelnen Festtage ganz bewusst für mich selbst und mit anderen. Besonders Karfreitag ist für mich ein stiller Tag, an dem ich mir die Passionsgeschichte eines Evangelisten noch einmal für mich durchlese. Die Gottesdienste sind für mich der Höhepunkte des Kirchenjahrs mit der Gemeinde. Aber auch als Familienfest hat Ostern große Bedeutung für mich. Man kommt zusammen, isst gut. Und natürlich suchen wir auch Ostereier. Ostern ist eben auch Schokolade.

Schöneich: Für mich sind es ganz klar die Gottesdienste. In unserer Kirche versuchen wir, uns Ostern besonders über sinnhafte Eindrücke zu nähern. Das geht am Gründonnerstag mit der Fußwaschung los. Karfreitag tragen wir das Kreuz hinein. Oder denken Sie an die Lichtsymbolik in der Osternacht. Wir ziehen im Dunkeln nur mit dem Licht der Osterkerze in die dunkle Kirche ein. Das ist wirklich ein starkes Zeichen.

Woher nehmen Sie für Ihre Predigten in den Ostergottesdiensten den Stoff jenseits der Schriften?

Meyer-Stiens: Aus dem Leben. Man wartet darauf, was Gott einem vor die Füße legt. Man bringt die Schrift mit dem Leben in Verbindung und umgekehrt. Das ist ein Wechselspiel.

Schöneich: Ich würde es genau so sehen. Ich schreib Predigten auch nicht groß auf. Ich glaube, es ist viel wichtiger, den Leuten zu sagen, was ich glaube und was nicht. Ehrlich zu sein. Viele haben den Karfreitag in den letzten Jahren erlebt, weil jemand gestorben ist. Da gibt es wirklich so viel, was einem vor die Füße gelegt wird. Ich glaube, man muss nur die Augen aufmachen.


Gottesdienstzeiten der Paul-Gerhardt-Gemeinde:

Gründonnerstag 19:00 Uhr Tischabendmahl, Paul-Gerhardt-Haus/Haste

Karfreitag 10:00 Uhr Gottesdienst mit Abendmahl, Paul-Gerhardt-Kirche/Haste

Karfreitag 15:00 Uhr Gottesdienst mit Abendmahl, Arche/Lechtingen

Ostersonntag 10:00 Uhr Festgottesdienst mit Abendmahl und Chor, Paul-Gerhardt-Kirche/Haste

Ostersonntag 19:00 Uhr Ökumenischer Gottesdienst, anschl. Osterfeuer, St. Johannes/Rulle

Ostermontag 11:00 Uhr Familiengottesdienst, Paul-Gerhardt-Kirche/Haste

 

Gottesdienstzeiten in der Pfarreiengemeinschaft  Wallenhorst:

Wegen der Fülle können nur folgende aufgeführt werden:

Gründonnerstag: 19.30 St. Alexander/St. Johannes, 20:00 St. Josef: Messe vom letzten Abendmahl

Karfreitag: 15:00 St. Alexander/St.Johannes/St.Josef: Karfreitagsliturgie

Karsamstag: 21:00 St. Alexander/St.Johannes/St.Josef: Feier der Osternacht

Ostersonntag: 11:00 St. Alexander: Festhochamt, 10:00 St. Johannes: Osterprozession, anschl. Festhochamt 10:15 St. Josef: Festhochamt

Ostermontag: 11:00 St. Alexander Familiengottesdienst anschl. Ostereiersuche, 10:00 St.Johannes Familiengottesdienst, St.Josef 10:30 Familiengottesdienst

Weitere Informationen unter www.pg-wallenhorst.de