Von Streichholzschachteln bis zur Mikrowelle Lechtingerin Birgit Schad sammelt Müll und sucht Mitstreiter

Von Christina Halbach

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Wallenhorst. Laptops, Mikrowellen oder auch eine ganze Schuhsammlung hat Birgit Schad schon auf ihren Spaziergängen gefunden. Seit zwei Jahren sammelt die Lechtingerin den Müll, den achtlose Leute auf Straßen, Wald und Wiesen entsorgt haben. Unsere Redaktion hat sie auf einem Rundgang durch den Wallenhorster Ortsteil begleitet.

Morgens 8.30 Uhr in Lechtingen: Mit Mischlingshund Ronny an der Leine, zwei großen Plastiktüten und einer Greifhilfe macht sich Birgit Schad auf den Weg zu ihrer morgendlichen Gassirunde. Über den Hubertusring geht es zur großen Hundewiese. Bis sie dort fündig wird, dauert es nicht lange: Auf Haribotüten und Streichholzschachteln folgen schnell eine Knallerpackung von der letzten Silvesterparty und eine leere Tube Schmerzsalbe. Mit geübtem Griff werden die Hinterlassenschaften in die Tüte befördert. Nicht immer habe sie die langstielige Zange dabei, sagt die Lechtingerin. Sie sei sich auch nicht zu fein, den Müll mit der Hand aufzuheben. Schluss sei jedoch bei gebrauchten Taschentüchern und Kondomen. Da ist bei ihr eine Grenze erreicht. „Ich kann inzwischen nicht mehr anders“, sagt die Lechtingerin über ihr Engagement, das ihr unlängst den Klima- und Umweltpreis der Gemeinde Wallenhorst eingebracht hat. Mit einer Zigarettenschachtel am Straßenrand habe vor etwa mehr als zwei Jahren alles seinen Anfang genommen: „Die lag da mehrere Tage und ich wusste, wenn ich die nicht aufhebe, liegt die da morgen auch noch.“ Das habe ihr die Augen für alles geöffnet, was da sonst noch am Wegesrand liegt. Seitdem integriert die selbstständige Sprachtrainierin die Abfallsammelei regelmäßig in die Spaziergänge mit ihrem Hund.

Müllkippe für Fast-Food-Tüten

Im kleinen Wäldchen an der alten B68 gegenüber der Lechtinger Grundschule geht es nahtlos weiter: Problemlos füllen eine Deodose, eine Flasche Mundspray oder Plastikfetzen die mitgeführte Tüte. Das gleiche Bild auf der gegenüberliegenden Seite: Der Graben zwischen Fahrradweg und Schulgelände werde von vorbei fahrenden Autofahrern als Müllkippe für Fast-Food-Tüten und Kaffeebechern genutzt, vermutet Schad. Oft genug habe sie hier schon Kinder herumtoben sehen: „Die spielen doch im Dreck und gewöhnen sich an diesen Anblick“, sagt sie kopfschüttelnd. An der Mehrzweckhalle am Schulweg ist die erste Tüte bereits gut gefüllt – für die Müllsammlerin ein gewohnter Zustand. Ihre „Errungenschaften“ entsorgt sie wie immer in einer öffentlichen Abfalltonne. Manchmal, erzählt Schad, würden  die metallenen Eimer gar nicht so schnell geleert werden, wie sie für Nachschub sorgt. Auch die zweite Tüte muss nicht lange auf Befüllung warten. Das Waldstück vor dem Lechtinger Edeka-Center ist übersät mit Abfall: Leere Keks- und Aufschnittpackungen, Glasflaschen oder Plastikmüll  werden dort entsorgt, als würde es sich um einen großen, öffentlichen Mülleimer handeln. Mit demselben Ergebnis ist sie häufig auch am Hollager Kanal, in Eversburg und Pye im Einsatz. Das Problem zum Beispiel am Stichkanal aber sei die geringe Anzahl an öffentlichen Mülltonnen: „Die gefüllten Tüten lad ich dann in meinen Wagen  und fahre sie zur Entsorgung zum nächsten Mülleimer“, erinnert sie sich.

Frustrierend

Für die Lechtingerin Müllsammlerin besonders frustrierend ist die Erkenntnis: „Wenn ich den Müll nicht aufgesammelt hätte, würde 80 Prozent immer noch da liegen.“ Außerdem werde es durch ihre Sammelei auch nicht besser: Jeden Tag treffe sie auf denselben Unrat. „Wir wohnen hier doch schön“, stellt die eigentlich lebensfrohe Frau achselzuckend, fast ein wenig deprimiert fest. Warum dass viele Menschen nicht wertschätzten, sei ihr ein Rätsel.

Positive Resonanz

Die Resonanz auf ihr Engagement sei jedoch überwiegend positiv: „Das finde ich ja ganz toll“, heißt es, wenn sie von der Gestaltung ihrer Gänge durch die nähere und weitere Umgebung erzählt. Doch dabei bleibe es – immer. Ein Vierteljahr nach dem Start ihres Projekts, also bereits im Frühjahr 2016, hat sie bei Facebook eine Gruppe eingerichtet, in der sie regelmäßig ihre „Errungenschaften“ postet. Auf Einladungen, der Gemeinschaft beizutreten, habe niemand reagiert, gibt sie unumwunden zu. Schad ist bewusst, dass es nicht Jedermanns Sache ist, mit der Plastiktüte in der Hand den Müll anderer Leute aufzusammeln. Außerdem spreche man auch die Falschen an und die, die ihren Müll einfach so entsorgen, kriege man nicht. Die blieben anonym.

Trotzdem wünscht sich Birgit Schad, dass sich mehr Leute für eine saubere Umwelt in Wallenhorst und Umgebung engagieren. Wer daran interessiert ist, könne über die Facebook-Gruppe „Die Wallenhorster Saubermacher“ mit ihr Kontakt aufnehmen und – im Idealfall – aktives Mitglied werden.


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