Veranstaltung am 17. April Wallenhorster sollen bei Einzelhandelskonzept mitreden

Von Constantin Binder

Im August 2017 wurden die Wallenhorster um ihre Meinung zum Einzelhandel gebeten. Jetzt können sie sich im Rahmen der Öffentlichkeitsbeteiligung zum Entwurf des Einzelhandelskonzeptes äußern. Foto: André Thöle/Gemeinde WallenhorstIm August 2017 wurden die Wallenhorster um ihre Meinung zum Einzelhandel gebeten. Jetzt können sie sich im Rahmen der Öffentlichkeitsbeteiligung zum Entwurf des Einzelhandelskonzeptes äußern. Foto: André Thöle/Gemeinde Wallenhorst

Wallenhorst. Die Wallenhorster Bürger sollen an der Fortschreibung des Einzelhandelskonzeptes der Gemeinde beteiligt werden. Das beschloss der Rat nach längerer Debatte. Für den 17. April ist nun eine Informationsveranstaltung geplant.

Schon der Ausschuss für Bauen, Planen, Straßen und Verkehr hatte das Einzelhandelskonzept intensiv diskutiert, deshalb schickte Bürgermeister Otto Steinkamp dem Tagesordnungspunkt in der jüngsten Ratssitzung eine Klarstellung voraus: Das Gremium habe diesmal nicht das Konzept als solches zu beschließen, sondern nur die Beteiligung öffentlicher Belange. Das tat der Rat schließlich auch – dennoch entflammte zuvor erneut eine Debatte. Sie offenbarte, dass viele Politiker Sorge haben, das 2016 abgelehnte Einkaufszentrum könne quasi „durch die Hintertür“ doch noch kommen.

Ratsbeschluss „konterkariert“?

Hintergrund ist die Einschätzung des Konzeptentwurfs, auf der „Grünen Wiese“ sei eine Verkaufsfläche von 4000 bis 4500 Quadratmetern verträglich. Dies entspreche in etwa der Größe eines Einkaufszentrums, argumentierte insbesondere die UWG. Deren Fraktionssprecherin Marion Müssen äußerte die Befürchtung, dass der Ratsbeschluss gegen ein Einkaufszentrum „konterkariert“ werde, ihr Fraktionskollege Stefan Düing sah die „Gefahr, dass etwas kommt, was die Bürger nicht wollen“. Ähnlich argumentierte Dennis Schratz von der CDU, der sich vor alle daran störte, dass das E-Center am Lechtinger Kirchweg im Konzept nicht zum Wallenhorster Zentrum gezählt wurde. „Diese Logik kann nur das Ziel haben, einen von den Bürgern abgelehnten Plan, einen großen Supermarkt auf der Grünen Wiese, doch noch hinzukriegen“, mutmaßte er.

„Schon lange keine Neuansiedlung mehr“

Dem konterte Marlene Posnin von der CDW scharf: Die Gemeinde habe in den vergangenen zehn Jahren zwei Fachbüros beauftragt, die bundesweit im Einsatz und zur Neutralität verpflichtet seien. „Ihnen Willkür zu unterstellen, disqualifiziert einen selbst“, sagte Posnin. Sie verwies darauf, dass sich im Zentrum „schon lange“ keine neuen Geschäfte mehr angesiedelt hätten, weil „unter den unklaren Umständen“ keiner eine gesicherte Existenz sehe. Darauf müsse die Gemeinde Antworten finden, damit sie sich positiv entwickeln könne.

„Anregungen der örtlichen Händler einbinden“

Sabine Steinkamp (SPD/FDP-Gruppe) mahnte an, kurze Wege einzuhalten, damit insbesondere Senioren ohne Auto einkaufen könnten. „Egal wo ein Supermarkt angesiedelt wird, wir brauchen im Zentrum noch einen Versorger, und so habe ich auch das Gutachten verstanden“, resümierte sie. Ihr Fraktionskollege Hubert Pohlmann erinnerte daran, dass das Konzept ja der Öffentlichkeit vorgestellte werden solle. Das halte er für eine „sehr gute und transparente Vorgehensweise“, weil sich so die Anregungen der örtlichen Händler einbinden ließen. Dieser Sicht folgte schließlich der Rat und stimmte einstimmig bei zwei Enthaltungen für die öffentliche Beteiligung.

Bürger können Fragen und Anregungen einbringen

Die Verwaltung wiederum setzte den Beschluss schnell um: Bereits einen Tag nach der Ratssitzung veröffentlichte sie die Einladung zu einer Informationsveranstaltung am Dienstag, 17. April, ab 19 Uhr im Ratssaal. Dann soll ein Vertreter der Firma Cima, die den Entwurf zur Fortschreibung des Einzelhandelskonzeptes erstellt hatte, das Dokument vorstellen; im Anschluss können Fragen zum Thema gestellt werden.

Anregungen zum Konzept können die Bürger dann einen Monat lang, also bis Donnerstag, 17. Mai, bei der Gemeinde einreichen. Als Ansprechpartner steht Johannes Glathe unter Telefon 05407/888714 oder per E-Mail an johannes.glathe@wallenhorst.de zur Verfügung. Der Entwurf selbst ist bereits jetzt auf den Internetseiten der Gemeinde unter wallenhorst.de/ehk abrufbar.


Fortschreibung des Einzelhandelskonzeptes in Wallenhorst

Erstellt hat den Entwurf zur Fortschreibung des Einzelhandelskonzeptes die Lübecker Firma Cima. Im Auftrag gegeben hatte es die Gemeinde Ende 2016, nachdem die Bürger sich in einer Befragung gegen den Bau des Einkaufszentrums „Neue Mitte“ auf der Grünen Wiese im Zentrum ausgesprochen hatten. Bei einer Kundenbefragung im vergangenen Sommer hatte die Cima bereits ermittelt, dass die Kunden im Großen und Ganzen mit dem Angebot des örtlichen Einzelhandels zufrieden sind, bei Drogerieartikeln, Bekleidung, Geschenkartikeln und Elektroartikeln allerdings noch Bedarf besteht. Auch ein „Lidl“ landete auf der Wunschliste der Kunden. Den Wunsch nach Drogerieartikeln dürfte ab Mai die Rossmann-Filiale im früheren Rewe-Markt befriedigen – wo nach den Plänen des neuen Eigentümers, Edeka-Dütmann-Chef Guido Gartmann, außerdem ein kleinerer Lebensmittelnahversorger entstehen soll.