Trio gibt Kammerkonzert Russische Seele weht durchs Ruller Haus

Von Jan Kampmeier

Zu Gast beim Kammerkonzert im Ruller Haus waren Dennis Proshaev am Flügel, Michal Majersky an der Violine und Susanne Lamke am Cello. Sie spielten russische Klaviertrios von Rachmaninow und Tschaikowskij. Foto: Egmont SeilerZu Gast beim Kammerkonzert im Ruller Haus waren Dennis Proshaev am Flügel, Michal Majersky an der Violine und Susanne Lamke am Cello. Sie spielten russische Klaviertrios von Rachmaninow und Tschaikowskij. Foto: Egmont Seiler

Wallenhorst. Dennis Proshaev, Michal Majersky und Susanne Lamke spielten im Ruller Haus leidenschaftliche Werke von Tschaikowskij und Rachmaninow.

Es wehte, das kann man wohl ohne Übertreibung sagen, die russische Seele durchs Ruller Haus. Zu Gast beim Kammerkonzert waren drei Musiker des Osnabrücker Theaters, Dennis Proshaev am Flügel, Michal Majersky an der Violine und Susanne Lamke am Cello, und vorbereitet hatten sie russische Klaviertrios von Rachmaninow und Tschaikowskij.

Als Totenklage komponiert

Zwei leidenschaftliche Werke sind das, elegisch und voller Trauer, da sie, zumindest bei Tschaikowskij, als Totenklage komponiert wurden. Ihre eingängigen und sanglichen Themen werden von den drei Musikern mit großer Geste musiziert. Welche Hürden allein in technischer Hinsicht zu bewältigen sind, merkt man mitunter daran, dass Pianist Dennis Proshaev etwas zu kämpfen hat, was ihn aber, ebenso wenig wie seine beiden Mitstreiter daran hindert, äußerst kraftvoll, mit großer Energie und Entschlossenheit vorzugehen. Zurückhaltung ist da Fehlanzeige, sie wäre hier, in dieser düsteren, aufgewühlten Musik, auch Fehl am Platze. Wenn etwa Michal Majersky ein großes Vibrato in tiefer Lage spielt, klingt das nach Emphase, nach Seele, nach Schwermut. Die Schwermut nämlich sei, so hat Rachmaninow einmal gesagt, die Mutter der Poesie und der Musik.

Großer Variationensatz

Doch Musik und Schwermut, das geht nicht nur bei Rachmaninow zusammen, auf Tschaikowskijs monumentales Klaviertrio, eines der Meisterwerke der Gattung, trifft es wohl zu wie auf kaum ein Musikstück sonst. Ungemein vielseitig ist besonders der große Variationensatz. Sogar einen eleganten Walzer trifft man da, ungewöhnlich zwar in einem ernsten, mehrsätzigen Werk, doch eben eine der großen Spezialitäten Tschaikowskijs – und wenig später präsentiert er mit einer großen Fuge bereits eine ganz andere Stilistik.

Ungefilterte Trauer

Der Schluss ist gewaltig, kaum jemals wurden wohl Trauer und Schmerz so ungefiltert in Töne gesetzt. Und da die Interpreten ins Extrem gehen und unerhört mächtig zulangen, ist die Wirkung im kleinen Saal des Ruller Hauses erschütternd.