Knackpunkt Buslinienführung Wallenhorster Rat bringt Dorferneuerung Rulle auf den Weg

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Zentraler Punkt: Die Kreuzung Poststraße/Klosterstraße/Wittekindstraße in Rulle soll zum Kreisel umgebaut werden. Foto: Jörn MartensZentraler Punkt: Die Kreuzung Poststraße/Klosterstraße/Wittekindstraße in Rulle soll zum Kreisel umgebaut werden. Foto: Jörn Martens

Wallenhorst. Gegen die Stimmen der CDU hat der Wallenhorster Rat den Weg freigemacht für die Dorferneuerung Rulle. Als besonders schwierig erwies sich die Planung der zentralen Bushaltestelle, von der künftig auch Busse in Richtung Wallenhorst-Zentrum ab fahren sollen.

Mit drei Detailfragen zur Dorferneuerung Rulle hatte sich der Wallenhorster Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung zu befassen, in allen drei Punkten stimmte er schließlich mehrheitlich der Vorlage der Verwaltung zu. Die soll nun gemeinsam mit dem Planungsbüro Hyco Verhaagen, das den Zuschlag für die Dorferneuerung erhalten hatte, die Ausführungsplanung des ersten Bauabschnitts erarbeiten, eine genaue Kostenberechnung aufstellen und auf deren Grundlage einen Förderantrag erstellen. Für folgende Lösungen hat sich der Rat entschieden:

Gestaltung und Material

Die Klosterstraße soll eine 5,50 Meter breite Fahrbahn erhalten. Davon sollen 4,50 Meter asphaltiert werden, links und rechts ist jeweils eine 0,5 Meter breite „Pflasterrinne“ vorgesehen, die für Radfahrer und motorisierten Verkehr „problemlos überfahrbar“ sein soll. Auch für die Begegnung zweier Busse – dazu unten mehr – sei diese Gesamtbreite nach Auskunft der Planer ausreichend, heißt es in der Vorlage der Verwaltung.

Die restlichen Flächen sollen nach dem Vorbild des neu gestalteten Kirchplatzes gepflastert werden; von der Fahrbahn sollen sie durch einen mit 30 Zentimetern „überbreiten Beton-Bordstein“ abgegrenzt werden. Hier hatte die Gemeinde ursprünglich drei andere Musterpflaster an der Kirche ausgestellt und öffentlich abstimmen lassen; im Arbeitskreis Dorferneuerung wurde dann zusätzlich das Kirchplatzpflaster zur Diskussion gestellt. Parkstreifen sollen wie die Bürgersteinbereiche gepflastert und lediglich durch größere anthrazitfarbene Rechteckflächen in der Mitte als Stellflächen markiert werden.

Weiterhin ist eine Geschwindigkeitsbeschränkung auf 30 km/h auf der gesamten Klosterstraße im Dorferneuerungsbereich vorgesehen. Die Gestaltung der Fahrbahn mit der vergleichsweise schmalen Asphalttrasse soll die Straße „optisch einengen“ und so zur Geschwindigkeitsreduzierung beitragen. Der Radverkehr soll dabei auf der Fahrbahn geführt werden – und das auch im Mini-Kreisverkehr, der vor dem Ärztehaus neu entstehen soll. Wo möglich, sollen beidseitige „Schutzstreifen“ für Radverkehr markiert werden; aufgrund der schmalen Fahrbahn der Klosterstraße werde dies aber vor allem in der Poststraße geschehen.

Da eine Asphaltierung im Zuge des Dorferneuerungsprogramms eigentlich nicht förderfähig ist, will die Verwaltung bei der zuständigen Geschäftsstelle des Amts für regionale Landesentwicklung eine Ausnahme erwirken. Sie argumentiert dabei vor allem mit der höheren Haltbarkeit, insbesondere im Hinblick auf die Nutzung der Klosterstraße durch Lastwagen und Busse, die geringere Lautstärke für die Anlieger sowie die klarere Gliederung der Verkehrsräume.

Buslinienführung

Die zum Fahrplanwechsel im August neu eingesetzte Linie 533, die Rulle einmal stündlich mit Wallenhorst-Zentrum verbinden wird, soll durch die Klosterstraße geführt werden. Weil diese aber zu schmal für eine Bushaltestelle ist, soll die derzeitige Haltestelle vor der Apotheke an der Poststraße ausgebaut werden – eine Aufgabe, die sich als Knackpunkt der Planungen erwies. Denn erst wenige Tage vor der Ratssitzung teilte die Nahverkehrsplanungsgesellschaft Planos der Verwaltung mit, dass sie die vom Arbeitskreis favorisierte Lösung nicht umsetzen werde, weil sich die Laufzeiten der Busse dadurch zu sehr verlängern würden.

Hintergrund ist, dass die Busse durch die Verlängerung Richtung Wallenhorst einmal pro Stunde nur zum Aussteigen halten werden, bevor der Fahrer eine kurze Pause einlegt. Nach Vorstellung des Arbeitskreises hätte der Bus den Wittekindplatz nach der Pause ein erstes Mal umrundet, um vor der Apotheke neue Fahrgäste aufzunehmen – und dann ein zweites Mal, um über die Wittekindstraße wieder in Richtung Osnabrück zu fahren.

Um diese doppelte Umfahrung des Wittekindplatzes zu vermeiden, regte die Planos nun eine weitere Bushaltestelle an der Einmündung des Wittekindplatzes in den neuen Kreisverkehr an. Zwischen der Ausstiegshaltestelle vor der Apotheke und der Einstiegshaltestelle am Wittekindplatz solle hinter der Einfahrt der Straße Am Eichholz zudem eine Pausenhaltestelle errichtet werden. Fahrgäste nach Osnabrück würden demnach grundsätzlich an der neuen Haltestelle zusteigen, Fahrgäste nach Wallenhorst grundsätzlich vor der Apotheke. Die Haltestelle auf der anderen Straßenseite der Poststraße könnte hingegen entfallen.

Ob diese Lösung tatsächlich realisierbar sei, müsse nun die Detailplanung zeigen, machte Fachbereichsleiter Rüdiger Mittmann deutlich; bislang liegt der Gemeinde nur eine handschriftliche Skizze der Planos vor.

Andachtsplatz

Auch der Andachtsplatz neben dem Ärztehaus soll dem Verhaagen-Konzept zufolge im Zuge der Dorferneuerung umgestaltet werden. Der Rat folgte allerdings dem Vorschlag der Verwaltung, dies nicht im ersten Bauabschnitt zu erledigen. Gleichwohl sollen die Planung weiterverfolgt und ein entsprechender Förderantrag gestellt werden. Hinsichtlich der Gestaltung sprach sich der Rat für einen Entwurf aus, der ovale Blumeninseln auf dem Platz vorsieht, zwischen denen der einfache fußläufige Übergang von der Klosterstraße zum Supermarkt möglich ist.

Kritik an Kostenanstieg

Voran ging den Entscheidungen eine intensive Debatte im Rat. Wie schon in den vorhergegangenen Ausschusssitzungen kritisierte die CDU-Fraktion insbesondere den Anstieg der Kosten von 618000 auf 941000 Euro für den ersten Bauabschnitt scharf und stimmte deshalb jeweils geschlossen gegen die drei Einzelpunkte. Und als Mittmann kurzfristig den Beschlussvorschlag zur Buslinienführung änderte, um der jüngsten Planos-Rückmeldung Rechnung zu tragen, stellte die CDU gar die Rechtmäßigkeit der Abstimmung infrage – woraufhin Bürgermeister Otto Steinkamp (parteilos) deutlich daran erinnerte, dass Mittmann die Sachlage in der Sitzung dargestellt habe, und der Ratsvorsitzende Hans Stegemann (SPD) spitz bemerkte, man müsse sich „nicht unbedingt dümmer stellen als erforderlich“.

Letztlich setzten die anderen Fraktionen sich gegen die Vorbehalte der CDU durch – auch, nachdem Steinkamp darauf verwiesen hatte, dass alle Planungen vor der eigentlichen Umsetzung noch einmal von den politischen Gremien abgesegnet werden müssten.


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