Geschäftsführer Joseph Rottmann Gast Wissenswertes zur Varusschlacht beim Kolpingsfrühstück in Hollage

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Geschäftsführer Joseph Rottmann. Foto: David EbenerGeschäftsführer Joseph Rottmann. Foto: David Ebener

ahg Wallenhorst. Beim 60+Frühstück der Kolpingfamilie Hollage im Philipp-Neri-Haus informierte der Geschäftsführer von Museum und Park Kalkriese über die neuesten Grabungsergebnisse und stellte die Pläne für das neue Jahr vor.

Mehr als 70 Teilnehmer waren am gekommen. Sie wussten, dass sie neben einem ausgezeichneten Frühstücksbuffet auch wieder einem informativen Vortrag lauschen konnten. Seit acht Jahren organisiert die Kolpingfamilie im Winterhalbjahr diese Mahlzeit mit Bildungscharakter, und jedes Mal ist sie schnell ausgebucht. Bei 80 Anmeldungen ist Schluss, so Ursula Thöle, Ehefrau von Organisator Josef Thöle, die gemeinsam mit anderen Ehrenamtlichen das Frühstücksbuffet betreute.

Hunderte von Schlachttheorien

Joseph Rottmann begann sein Referat mit einem Überblick zur Geschichte der Varusschlacht. Dass die Umbenennung von Arminius zu Hermann auf Luther zurückzuführen ist, belegte Rottmann mit einem Luther-Zitat: „Ich wollt ihn Herzog Hermann heißen“. Erst zur Zeit Luthers wurden die Schriften des Tacitus, in denen die Varus-Schlacht beschrieben ist, wiederentdeckt und lösten die Begeisterung für den Germanen aus, der die Berufsarmee der Römer schlug. Hunderte von Schlachttheorien entstanden, wobei die meisten Hobby-Historiker den Ort des Geschehens vor der eigenen Haustür vermuteten. Friedrich Knoke, um 1900 Direktor des Osnabrücker Ratsgymnasiums, ließ Schüler auf Ausflügen bei Iburg graben, bis einer von ihnen stolz seinen Fund präsentierte: Eine „echt römische“ Münze mit der Inschrift: Varus salutat amicum Knoke – Varus grüßt seinen Freund Knoke. In den 1980er Jahren machte der Schriftsteller Erich Loest in seinem Roman „Froschkonzert“ eine Gemeinde bei Osnabrück – ganz ähnlich Wallenhorst – zum Ort der Varusschlacht. Loest hat den Ereignissen sozusagen vorgegriffen, denn 1987 rückten die Funde von Tony Clunn das Gebiet von Kalkriese ins Interesse der Forschung. Gemeinsam mit dem damaligen Kreisarchäologen Wolfgang Schlüter wurde allmählich klar, dass hier der wahre Ort der Varusschlacht zu suchen ist. Seit dreißig Jahren wird in Kalkriese gegraben, über 6000 römische Funde gibt es, unerreicht bis heute die Reitermaske.

Silberschatz geborgen

Vor genau einem Jahr verbuchte das Grabungsteam einen ähnlich großen Erfolg: Ein Silberschatz von mehr als 2000 Münzen. Ein ehrenamtlicher Mitarbeiter hatte mit seiner Silbersonde den Treffer gemacht. „Ich reib ein bisschen die Erde ab, und da lacht mich doch Augustus an“, so zitierte Rottmann den Finder. 2017 wurden außerdem acht Goldmünzen gefunden, auch sie mit dem Porträt von Augustus. Münzen waren Zahlungsmittel und Propagandainstrument gleichzeitig. So konnte auch im Zeitalter ohne Zeitung oder Internet jeder wissen, wie der aktuelle Herrscher aussah. Auf der Rückseite der Goldstücke sind die beiden Enkelkinder von Augustus zu sehen, die seine Nachfolger werden sollten. Sie starben aber früh, sodass nach 3 nach Christus keine Münzen mehr mit ihrem Porträt geprägt wurden. Keine jemals in Kalkriese gefundene Münze datiert später als aus dem Jahr 9 nach Christus.

Neues Grabungsobjekt

Neben Münzen sind militärische Funde aller Spektren der römischen Armee vertreten, eine Haarnadel, die einer Frau gehörte, aber auch sakrale Funde wie vier Litui, spiralig geformte Stabspitzen ähnlich Bischofsstäben, die von weissagenden Priestern getragen wurden. Ihre Inschriften sind noch nicht vollständig entschlüsselt, das gehört zu den nächsten Aufgaben des Teams in Kalkriese. Im April startet das neue Grabungsprojekt, bei dem ein 155 Meter langer Schnitt durch die Wallanlagen gemacht werden soll. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob es sich bei den Wällen um einen Hinterhalt der Germanen handelt oder aber um ein provisorisch angelegtes Römerlager. Es ist immer wieder spannend, was der Boden an Funden hergibt, denn, so Rottmann: „Vor der Hacke ist es duster.“

Aktuell steckt das Museum Kalkriese mitten in den Vorbereitungen für die neue Sonderausstellung. Der Schwerpunkt liegt in diesem Jahr auf den Germanen. „Wir haben nur zwei germanische Funde in Kalkriese“, so Rottmann. Unter dem Namen „Götter, Glaube und Germanen“ werden vom 28.April bis 28. Oktober die germanischen Glaubenswelten präsentiert, inklusive Exponaten aus dem Museum Kopenhagen. Davor läutet Kalkriese die Saison mit einem Feuerwerk ein: mit dem Osterleuchten am 1. April.


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