Die Rückkehr der Kassette Katrin Lazaruk zeigt Tape-Art-Bilder im Wallenhorster Rathaus

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Wallenhorst. Wer erinnert sich nicht daran, wenn sich das Tonband der Lieblingskassette verwickelt hatte und mühsam mit einem Kugelschreiber wieder eingedreht werden musste? Aus dem gefürchteten Bandsalat stellt Katrin Lazaruk heute Kunstwerke her. Unter dem Titel „Von Zeit zu Zeit zu zweit“ präsentiert die Osnabrücker Künstlerin ihre Tape-Art-Bilder ab sofort im Wallenhorster Rathaus.

„Damit verhilft Katrin Lazaruk der Kassette zum Revival“, stellte der stellvertretende Bürgermeister Alfred Lindner bei der Ausstellungseröffnung fest. An die 100 Gäste waren zur Vernissage ins Rathaus gekommen, die mit Stimmkraft und Power vom Osnabrücker Chor „Yellow“ mit Gospel- und Popsongs begleitet wurde.

Ein wenig Wehmut

Fast ein wenig wehmütig erinnerte Lindner an die Zeit der 80er Jahre, als Kassetten beliebte Tonträger und nicht nur in Kinderzimmern allgegenwärtig waren: „In diese Zeit wird man zurückgeholt. Dafür danken wir ihnen“, erklärte er an die Künstlerin gerichtet, die in Osnabrück keine Unbekannte ist.

Katrin Lazaruk im NOZ-Videoportrait

Unter dem Namen „madeinosnabrück“ betreibt Lazaruk ein eigenes Kunstlabel und Atelier in der Hasestadt. In der Kunstszene hat sie sich vor allem mit der Kassetten-Kunst einen Namen gemacht. Alte, gebrauchte Dinge zu neuem Leben zu erwecken, also auf neudeutsch „Upzucyclen“, ist dabei ihr Ansatz. Wie sie dazu gekommen ist, kann sie gar nicht mehr so genau sagen: „Es ist irgendwie passiert. Ich habe einfach nur Kassetten gehabt“, erinnert sie sich.

Aufwendiger Herstellungsprozess

Davon braucht sie heute eine Menge, denn das fludderige, schwarze Tonband ist für Lazaruk das, was für andere die Leinwand ist. Der Herstellungsprozess klingt aufwendig und nach Fummelarbeit: In einem ersten Arbeitsschritt klebt sie das Magnetband Bahn für Bahn auf Glas oder durchsichtigen Kunststoff, zeichnet darauf das Motiv, das sie dann mit einem Skalpell ausschneidet. Das restliche Kassettenband wird abgezogen. In einem zweiten Schritt nimmt sich die Künstlerin ein Hintergrundpapier, bemalt es und fügt es mit dem ersten Bildträger zusammen.

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Klein- und großformatige Portraits von Menschen in unterschiedlichsten Posen sind mit diesem Verfahren entstanden: Mal nachdenklich, mal cool und geheimnisvoll schauen den Betrachter Frauen und Männer in schillernder, blumiger oder poppiger Aufmachung an. Abgebildet sind sie, wie es der Titel der Ausstellung andeutet, mal alleine und mal zu zweit. Warum sie Menschen auf diese Weise aufeinandertreffen lässt, also, was sie sich mit ihrer Kunst gedacht habe, wolle Karin Lazaruk eigentlich nicht gefragt werden, verriet Melanie Kubandt von der Universität Vechta schmunzelnd in ihrem Einführungsvortrag. Die Erziehungswissenschaftlerin bemühte sich an ihrer Stelle um einen Erklärungsversuch: „Das Versprechen ,Von Zeit zu Zeit zu zweit‘ birgt einerseits die Möglichkeit für intime Begegnungen, andererseits verweist die Betonung der Temporalität ebenso auf die Brüchigkeit und Unbeständigkeit von menschlichen Beziehungsgeflechten.“

Außergewöhnliches Material

Foto: David Ebener

Die Besucher der Aussteller konnten sich derweil nicht sattsehen an den Werken, die herkömmliches Tonband fast wie Farbe wirken lassen: „Ich wäre nie auf die Idee gekommen und hätte es so weggeworfen“, stellt Jürgen Hau-Schiebener fest. Dass man Material, das eigentlich aus der Welt ist, wiederbelebt, sei wirklich außergewöhnlich.


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