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Modellprojekt im Bistum Drei Kirchen, eine Einheit? Bilanz nach einem Jahr Pfarreiengemeinschaft Wallenhorst

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Wallenhorst. Vor etwas mehr als einem Jahr ist in Wallenhorst die größte Pfarreiengemeinschaft im Bistum Osnabrück entstanden. Hier testet das Bistum, ob der Zusammenschluss mehrerer Kirchengemeinden zu einer pastoralen Einheit gelingen kann. Dabei geht es um mehr als um Verwaltungsfragen: Es geht um die Zukunft der katholischen Kirche, die sich mit der rapide sinkenden Priesterzahl und dem schleichenden Mitgliederrückgang auseinandersetzen muss.

Auch wenn die politische Gemeinde Wallenhorst bereits seit 40 Jahren besteht – die katholischen Kirchengemeinden der drei Ortsteile Wallenhorst, Rulle und Hollage ( St. Alexander , St. Johannes und St. Josef ) machten bis vor einem Jahr alle ihr eigenes Ding. „Viele aus den einzelnen Pfarrgemeinderäten kannten sich überhaupt nicht“, sagt Christel Brockhoff, Vorsitzende des Pfarrgemeinderates St. Alexander. Und das, obwohl die drei Kirchen nur wenige Kilometer auseinanderliegen. Zur Vorbereitung auf die Einführung von Pfarrer Dietmar Schöneich im September 2011 hätten sich einige zum ersten Mal kennengelernt. „Bislang war dafür einfach keine Notwendigkeit“, sagt Michael Levermann aus dem Pfarrgemeinderat St. Johannes. Grund sei die Größe der einzelnen Pfarrgemeinden gewesen. Allein in der Wallenhorster St.-Alexander-Gemeinde sind mehr als 20 Mitglieder im Pfarrgemeinderat.

Die Skepsis war groß, erinnert sich Schöneich: Angst, dass die drei Gemeinden ihre Eigenständigkeit verlieren und das Geschehen nur noch von Wallenhorst aus gesteuert wird, Furcht, dass es künftig nur noch einen Priester für alle geben könnte und dass die Zahl der Gottesdienste reduziert würde. Nichts davon ist bislang eingetreten – doch es ist nur eine Frage der Zeit, bis sich der Priestermangel auch in Wallenhorst bemerkbar macht.

Bis dahin kann die Pfarreiengemeinschaft aber aus dem Vollen schöpfen: Es gibt zehn Sonntagsgottesdienste, und viele Stellen im Mitarbeiterstab wurden jüngst neu besetzt . Es gibt vier aktive Priester – eine stolze Zahl. Aber eben nur noch einen Pfarrer, Dietmar Schöneich, der den gesamten Betrieb leitet. Ihm wurde Bernd Overhoff als Pastoralreferent und pastoraler Koordinator zur Seite gestellt. Zu 50 Prozent ist die Koordination der Riesengemeinde seine Aufgabe.

„Ziel ist, dass wir uns jetzt in den fetten Jahren ordentlich aufstellen“, sagt Overhoff. „Jetzt besteht unserTeam noch aus 12 bis 13 Hauptamtlichen. In 20 Jahren werden es vielleicht nur noch fünf bis sechs sein.“

Mehr Kontinuität

„Es ist auch sehr wichtig, dass erst einmal Ruhe einkehrt“, betont Christel Brockhoff. „Mehr als das halbeTeam der Hauptamtlichen ist neu.“ In Hollage litten die Gläubigen besonders unter dem permanenten Priesterwechsel der vergangenen Jahre. Seit September ist nun Pastor Carsten Heyer für die Gläubigen vor Ort da.

Jede Kirchengemeinde bleibe weiterhin eigenständig mit eigenen Pfarrgemeinderäten, aber die Zusammenarbeit werde verstärkt werden, sagt Christel Brockhoff. „Es muss ja nicht immer jeder das Rad neu erfinden“, betont Konrad Loch, Vorsitzender des Pfarrgemeinderats von St. Josef. Er nennt ein Beispiel: In Hollage wird seit einigen Jahren eine Taufkatechese angeboten, bei der Ehrenamtliche mit den Eltern und Taufpaten über den Glauben und Organisatorisches sprechen. Im Wallenhorster Pfarrgemeinderat hat nun ein Hollager Gemeindemitglied dieses Konzept vorgestellt.

Die Jugendarbeit boomt übrigens nach wie vor: Etwa 1000 Kinder und Jugendliche sind in diversen Gruppen aktiv; 600 Messdiener haben alle drei Kirchengemeinden zusammen. Das Problem bestehe eher darin, alle durch die Gottesdienste zu schleusen. „Ein Luxusproblem“, betont Loch.


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