Artur Becker liest aus Essayband „Kosmopolen“ Ein Wanderer zwischen Polen und Deutschland zu Gast in Wallenhorst


Wallenhorst. Was macht Europa aus? Und was nicht? Darum ging es unter anderem in einer Lesung mit Artur Becker in Wallenhorst: Der deutsch-polnische Schriftsteller las in der Hofstelle Duling Auszüge aus seinem Buch „Kosmopolen – Auf der Suche nach einem europäischen Zuhause“.

„Er ist Pole, Deutscher, Niedersachse, Europäer – ein Kosmopole eben“, stellte Irmgard Vogelsang ihren Gast vor. Die ehemalige CDU-Landtagsabgeordnete ist Vorsitzende der Deutsch-Polnischen Gesellschaft in der Region Osnabrück, die den Autoren nach Wallenhorst eingeladen hat. Artur Becker wurde 1968 als Sohn deutsch-polnischer Eltern in Bartenstein in Ermland/Masuren geboren und lebt seit 1985 in Verden/Aller. Er verfasst Romane, Erzählungen, Gedichte und Aufsätze; für die Frankfurter Rundschau und andere Zeitungen schreibt er regelmäßig Essays und Artikel. Für seine Verdienste um die deutsch-polnische Verständigung wurde er 2012 mit dem Dialog Preis der Deutsch-polnischen Gesellschaft ausgezeichnet.

Wanderer zwischen zwei Heimatländern

Becker gilt als Wanderer zwischen seiner ursprünglichen Heimat Polen und seiner neuen Heimat Deutschland. Mit seinem Essayband „Kosmopolen“ vermittelt Becker sein polnisches Erbe und möchte seine Leser überzeugen, sich mit den Erfahrungen der polnischen Nachbarn auseinanderzusetzen. Mal humorvoll, mal melancholisch erzählt er von seiner Kindheit in Polen, den ersten Erfahrungen mit der deutschen Sprache und dem Leben, das er als jugendlicher Emigrant im niedersächsischen Verden führte. Er lässt dabei auch die belastende deutsch-polnische Geschichte nicht aus und zeigt über Gemeinsamkeiten und Verbindungen beiden Nationen einen Weg aus der vermeintlichen Erbfeindschaft auf. Den Ort „Kosmopolen“ hat er sich dabei als glücklichen Zufluchtsort erschaffen, in dem jeder willkommen ist.

„Europa ist keine Milchkuh“

Becker macht sich zugleich für eine europäische Identität stark: „Europa ist in erster Linie ein geistiges Gebäude und keine Milchkuh. Finanzielle Leistungen reichen nicht aus. Wir dürfen unsere freiheitliche, aufklärerische Aufgabe nicht aus den Augen verlieren“, forderte Becker, der mit Sorge auf rechtskonservative Entwicklungen in Europa blickt und dabei auch an Deutschland denkt: „Dass man nicht merkt und benennt, wie die AfD die deutsche Geschichte intrumentalisiert, ist eine Katastrophe“, stellte er fest. „Wachsam und kritisch“ zu bleiben, gab er den Zuhörern in der Hofstelle Duling vor diesem Hintergrund wohl nicht ohne Grund auf den Weg.


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