Erster Bauabschnitt doppelt so teuer? Dorferneuerung Rulle: Irritationen über Kostenexplosion

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Der erste Bauabschnitt der Dorferneuerung Rulle umfasst den zentralen Platz Poststraße/Wittekindstraße/Klosterstraße. Grafik: Gemeinde Wallenhorst/Hyco VerhaagenDer erste Bauabschnitt der Dorferneuerung Rulle umfasst den zentralen Platz Poststraße/Wittekindstraße/Klosterstraße. Grafik: Gemeinde Wallenhorst/Hyco Verhaagen

Wallenhorst. Im Ausschuss für Bauen, Planen, Straßen und Verkehr stellte Planer Hyco Verhaagen den überarbeiteten Entwurf für die Neugestaltung der zentralen Ortslage Rulle vor. Er fand weitgehende Zustimmung. Allerdings löste die damit einhergehende Verdoppelung der Kosten Unmut aus.

Alle mussten erst einmal schlucken, als Verhaagen die Folie mit der neuen Kostenschätzung für den ersten Bauabschnitt in Höhe von 940 000 Euro an die Wand warf. Bislang stand die Zahl 410 000 Euro im Raum; in Summe sollte die Dorferneuerung Rulle etwas weniger als 1,2 Millionen Euro kosten. Ludger Meyer (WWG) beantragte daraufhin eine Sitzungsunterbrechung zwecks Beratung. Nach der Pause waren Bürgermeister Otto Steinkamp und Fachbereichsleiterin Claudia Broxtermann bemüht, die Kostensteigerung zu relativieren.

Neue Tragschicht und mehr Pflasterungen

Steinkamp führte aus, dass Mehrkosten von 100 000 Euro allein auf eine Erneuerung des Straßenunterbaus zurückzuführen seien. Das Planungsbüro sei zuvor davon ausgegangen, dass es mit einer neuen Pflasterung der Klosterstraße und des zentralen Knotens Poststraße/Wittekindstraße/Klosterstraße auf vorhandener Tragschicht getan sei. Neuere Untersuchungen zeigten aber, dass das nicht funktioniere. Weiterhin würden jetzt, die Wünsche des Arbeitskreises berücksichtigend, zusätzliche 1000 Quadratmeter neu gepflastert, was Mehrkosten von 190 000 Euro auslöse. Insgesamt enthalte die Kostenschätzung mehrere Bedarfspositionen, die man später auch abspecken könne. Im Sinne größtmöglicher Transparenz seien sie aber zunächst aufgenommen worden, wie etwa eine neue Fußgänger-Bedarfsampel oder eine aufwendigere Umgestaltung des Andachtsplatzes. Broxtermann betonte, dass der Quadratmeterpreis nach der neuen Schätzung nicht höher liege als derjenige des Ausbaus der Großen Straße in Alt-Wallenhorst.

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„Ganz anderes Paket“

Steinkamp bestritt eine Verdoppelung der Kosten: „Das ist jetzt ein ganz anderes Leistungspaket, das wir so nach und nach erarbeitet haben, das kann man nicht mit der Ausgangsplanung vergleichen.“ Damals sei beispielsweise von neuen Bushaltestellen, einer E-Ladestation oder taktiler Pflasterung für Blinde noch keine Rede gewesen. Er gebe aber zu, dass das mit der jetzt für Viele überraschend hohen Zahl „etwas unglücklich gelaufen“ sei, das hätte man über den Arbeitskreis eher kommunizieren sollen.

Hubert Pohlmann erklärte nach der Beratungspause, in der eine interfraktionelle Abstimmung stattfand, im Namen aller Fraktionen, man sei „geschockt“ über die jetzt auf den Tisch gelegten hohen Kosten. Weil aber die Zusage gegeben worden sei, dass im weiteren Verfahren noch über Bedarfspositionen abgestimmt werde, wolle seine Gruppe das Verfahren nicht aufhalten und werde für die drei Beschlussvorlagen stimmen.

Ähnlich äußerten sich die Vertreter der anderen Fraktionen. Sie wollten spätere Zustimmungen zu einzelnen Positionen, bevor es in die Ausschreibungen geht, davon abhängig machen, inwieweit jeweils Fördergelder bereit stünden. Einstimmig gaben die Ausschussmitglieder grünes Licht für die Fortführung der Planungen auf der vorgestellten Grundlage. Nur im Punkt Buslinienführung blieb die CDU bei ihrer Ablehnung der jetzt mehrheitlich festgeschriebenen Variante über die Klosterstraße. Sie bevorzugt weiterhin eine Zufahrt über den St. Bernhardsweg.

„Empfehlungen stimmig umgesetzt“

Zuvor hatte Planer Verhaagen den aktualisierten Planungsstand für den ersten Bauabschnitt dargelegt, der die Minikreisel-Lösung für den zentralen Knotenpunkt, die sich anschließenden Straßenarme von Kloster-, Post- und Wittekindstraße sowie die Lage der Bushaltestellen umfasst. Zweimal hatte im Januar der Arbeitskreis getagt, der im Auftrag des Rates die strittig gebliebenen Fragen klären sollte. Die Ausschussmitglieder bescheinigten Verhaagen, die Arbeitskreis-Empfehlungen stimmig umgesetzt zu haben. So sind jetzt wieder mehr Stellplätze vor Arztpraxen und Apotheke vorgesehen, Zebrastreifen mit taktiler Hinführung für Sehbehinderte, Pflasterungsdetails, Wegführungen für die Busse und großzügige Pflasterrinnen als Fahrradstreifen eingearbeitet. Um auch die Bürgermeinung einzuholen, sind vor der Kirche drei Musterfelder mit alternativen Pflasterungen für die Seitenräume angelegt.

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Für den Andachtsplatz schlägt Verhaagen vor, den Standort des Kreuzes nicht zu verändern, da es aus der Blickachse Eschweg so optimal zu sehen sei. Neben einer kleinen Versammlungsfläche für Pilgergruppen vor dem Kreuz soll die weitere Umgebung „nach Art eines Klostergartens“ gestaltet werden.


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