Amtsgericht verurteilt 35-Jährigen In Osnabrück durch passives Zuschauen Beihilfe geleistet

Von Christina Halbach

Das Amtsgericht Osnabrück musste sich mit einer brutalen Attacke in der Straße Herrenteichswall beschäftigen. Foto: Michael SchwagerDas Amtsgericht Osnabrück musste sich mit einer brutalen Attacke in der Straße Herrenteichswall beschäftigen. Foto: Michael Schwager

Osnabrück. Das Amtsgericht Osnabrück hat einen 35-Jährigen wegen Beihilfe zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten auf Bewährung verurteilt. Im Raum stand eine wesentlich härtere Strafe, doch dem Angeklagten konnte letztlich nicht nachgewiesen werden, im September 2016 aktiv mitgemischt zu haben, als zwei seiner Begleiter in der Herrenteichsstraße einen Mann brutal verprügelten.

Das Opfer wollte einem anderen Mann helfen, der gegen 4 Uhr nachts mit dem Trio in Streit geraten war. Daraufhin wurde er getreten und geschlagen. Als er am Boden lag, wurde er hochgezogen und mit dem Kopf so heftig gegen eine Fensterscheibe geschlagen, dass diese zerbrach. Aufgrund der Misshandlungen erlitt das Opfer schwere Prellungen im Gesicht, am Schädel und den Rippen sowie ein Belastungstrauma.

Die beiden Mittäter des 35-Jährigen wurden wegen gefährlicher Körperverletzung vom Amtsgericht Osnabrück jeweils zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und vier Monaten verurteilt. Da der Angeklagte zu dieser Verhandlung nicht erschienen war, mussten sich der Vorsitzende und die Staatsanwältin in derselben Besetzung  nun erneut mit dem Vorfall beschäftigten.

Der aus dem Irak stammende Angeklagte wird seit der Ablehnung seines Asylantrags in Deutschland geduldet. Er wurde bereits wegen Körperverletzung und Diebstahls zu Geldstrafen verurteilt. Da er diese nicht bezahlt hat, sitzt er zurzeit ersatzweise im Gefängnis.

Der Mann bestritt, übersetzt von einem Dolmetscher, den Geschädigten geschlagen oder getreten zu haben: „Ich habe nicht geschlagen, habe nur dabeigestanden.“ Auf die Frage, warum er nicht versucht habe, die anderen davon abzuhalten, erklärte er, dass sie nicht auf ihn gehört hätten.

Als Zeuge vernommen wurde unter anderem ein 20-Jähriger, der dem schwer verletzten Opfer schließlich zur Hilfe geeilt war und dabei selbst verletzt wurde. Gefragt nach dem Tatbeitrag des Angeklagten, meinte er, sich zu erinnern, dass keiner der Beteiligten lediglich herumgestanden habe: „Irgendwas hat er gemacht. Er hat nicht nur zugeguckt.“

Diese Aussage reichte aber weder Gericht noch Staatsanwaltschaft für ein härteres Urteil. „Wir können ihm nicht mit der erforderlichen Sicherheit nachweisen, dass er aktiv beteiligt gewesen ist“, stellte der Vorsitzende schließlich fest.

Neben der Beihilfe zur Körperverletzung wurde der Angeklagte außerdem wegen eines Diebstahls zu weiteren drei Monaten auf Bewährung verurteilt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass er im vergangenen Mai in einem Osnabrücker Kaufhaus fünf Parfümflaschen im Wert von insgesamt 260 Euro hatte mitgehen lassen.