Umweltausschuss stimmt zu Nach langer Planung: Wallenhorst wird Wegesränder aufwerten

Von Constantin Binder

Kompensation Marke Eigenbau: Die Gemeinde Wallenhorst will Wegerandstreifen ökologisch aufwerten, um Ausgleichsflächen zu schaffen. Foto: Swaantje Hehmann/ArchivKompensation Marke Eigenbau: Die Gemeinde Wallenhorst will Wegerandstreifen ökologisch aufwerten, um Ausgleichsflächen zu schaffen. Foto: Swaantje Hehmann/Archiv

Wallenhorst. Nach fast dreijährigem Vorlauf ist es so weit: Wallenhorst wird Wegerandstreifen ökologischaufwerten, um sie als Kompensationsflächen anrechnen lassen zu können. Der Umweltausschuss stimmte einem entsprechenden Konzept zu, nun sollen Gespräche mit den Anliegern folgen.

Im Juni 2015 hatte sich der Gemeinderat einstimmig darauf verständigt, ortseigene Randstreifen an Straßen und Wegen als Ausgleichsflächen ökologisch aufzuwerten. Solche Flächen sind gesetzlich vorgeschrieben, um durch Baumaßnahmen verursachte Beeinträchtigungen der Natur zu kompensieren – bislang aber hatte die Gemeinde sie über einen externen Anbieter , die Stiftung „Hof Hasemann“ in Bramsche, erworben. Eigene Kompensationsflächen zu schaffen, sei allerdings günstiger, argumentierte die Verwaltung seinerzeit – und beauftragte mit Rückendeckung der Politik schließlich ein externes Büro damit, geeignete Flächen zu erfassen und darauf aufbauend einen Entwicklungsplan zu erstellen.

52 Seiten starkes Konzept

Drei Jahre, zwei Zwischenberichte und eine gemeinsame Erkundungstour später ließ sich der Umweltausschuss nun den fertigen Pflege- und Entwicklungsplan, kurz „PEPL“, von Diplom-Fortswirt Ingo Zapp vorstellen. Das 52 Seiten starke Konzept umfasst neben ausführlichen Erläuterungen zu Methodik und Untersuchungsgebiet eine genaue Auflistung aller infrage kommenden Kompensationsflächen, die zudem auf einer detaillierten Karte des Gemeindegebiets verzeichnet sind. Demnach könnten in Summe 44.436 Quadratmeter ökologisch aufgewertet und als Ausgleichsfläche anerkannt werden.

Mehr als 100.000 „Ökologische Werteinheiten“

Die Währung, in der die Untere Naturschutzbehörde dabei rechnet, heißt „Ökologische Werteinheiten“, kurz ÖWE. Dabei handelt es sich um einen abstrakten Wert, der nicht von der Größe einer Fläche, sondern von deren jeweiligem Nutzen für die Natur abhängt – ihrem „ökologischen Wert“ eben. Zapps Berechnung zufolge hätten die Wallenhorster Ausgleichsflächen einen Gegenwert von 106.486 ÖWE – deutlich mehr, als die 70.000, die er im vergangenen Mai in seinem zweiten Zwischenbericht prognostiziert hatte. Gleichwohl, darauf wies Zapp im Ausschuss deutlich hin: Den tatsächlichen ökologischen Wert legten weder er als Planer noch die Gemeinde als Eigentümerin fest, sondern der Landkreis als Untere Naturschutzbehörde.

Günstiger als der Zukauf

Nun sind für die Gemeinde aber nicht nur die ökologischen Werteinheiten von Belang, sondern auch deren Kosten – schließlich sind Aufwertung und Pflege nicht zum Nulltarif zu haben. Beim Hof Hasemann hatte die Gemeinde eigenen Angaben zufolge bislang 5 bis 6 Euro pro ÖWE bezahlt; in seinem Zwischenbericht von 2017 kalkulierte Zapp noch mit bis zu 4,58 Euro pro ÖWE. Sollte der Landkreis tatsächlich die veranschlagten 106.486 ÖWE anerkennen, beliefen sich die Kosten auf nunmehr 3,70 Euro pro ÖWE, teilte der Fortswirt mit. Davon entfielen 1,12 Euro auf Planung und Herstellung, also insgesamt knapp 120000 Euro, sowie 2,58 Euro auf Pflege und Erhaltung, das sind über dreißig Jahre gerechnet insgesamt rund 274000 Euro. Müsste die Gemeinde die gleiche Fläche über einen externen „Pool“ erwerben, würden dafür mehr als 500.000 Euro fällig, wie die Verwaltung in ihrer Beschlussvorlage berechnete.

Spezielles „Regio-Saatgut“

Konkret sollen nun 63 Wegesränder mit einer Gesamtfläche von rund 27200 Quadratmetern zu Blühstreifen, Strauchhecken oder Baumreihen umgewandelt werden. Hierfür muss zertifiziertes „Regio-Saatgut“ verwendet werden, damit die Flächen einen heimischen Charakter mit ortstypischen Pflanzen erhalten. Weitere 13000 Quadratmeter sollen auf einer Länge von 500 Metern entlang des Haseufers in Höhe des Hollager Yachthafens aufgewertet werden, noch einmal 4200 Quadratmeter an einem zweiten, 815 Meter langen Uferabschnitt der Hase nördlich des Modellflugplatzes.

2018 erste Gespräche mit Anliegern

Die eigentlichen Arbeiten sollen der Verwaltung zufolge allerdings erst 2019 starten und dementsprechend auch erst dann im Haushalt berücksichtigt werden. Für 2018 sind demnach nur „erste Anlaufgespräche“ mit den Anliegern geplant, in denen vor allem die Grenzziehungen geklärt werden sollen. Diesbezüglich drängte Zapp deutlich darauf, im Vorfeld klare Vereinbarungen zu treffen – denn sollten beispielsweise Landwirte einen aufgewerteten Grünstreifen überpflügen, verlöre die Gemeinde die entsprechenden ökologischen Werteinheiten. Die Bepflanzung sei dabei bereits so geplant, dass sie möglichst wenig Schatten auf landwirtschaftliche Flächen werfe, hob Zapp hervor.

Die Ausschussmitglieder stimmten der „konkreten Umsetzung“ des Pflege- und Entwicklungsplans schließlich geschlossen zu. Damit dürfte auch das positive Votum des Rates am 15. März als gesichert gelten.

Ökologischer Ausgleich im Detail: Laden Sie hier den Pflege- und Entwicklungsplan für Wegerandstreifen als PDF-Datei herunter.