Lenz´ „So zärtlich war Suleyken“ Künstlerduo mit vergnüglicher Lesung im Ruller Haus

Von Horst Troiza

Der lebhafte Vortrag des Künstlerduos Kai Helm (links) und Guido Jäger begeisterte das Publikum im Ruller Haus in jeder Minute. Foto: Horst TroizaDer lebhafte Vortrag des Künstlerduos Kai Helm (links) und Guido Jäger begeisterte das Publikum im Ruller Haus in jeder Minute. Foto: Horst Troiza

Wallenhorst. Sehr vergnüglich und künstlerisch gekonnt, gestaltete sich die Lesung mit Musik des Duos Kai Helm und Guido Jäger, die sich der Erzählungen aus Siegfried Lenz´ „So zärtlich war Suleyken“ angenommen hatten.

Im ausverkauften Ruller Haus amüsierte sich das Publikum ausgezeichnet bei der Schilderung der eigenwilligen und mit viel menschlicher Wärme ausgestatteten Figuren aus der masurischen Heimat des Schriftstellers.

Ein Gerücht verbreitet sich

„Kaum war das Gerücht entstanden, da tat es auch schon das, was in seiner Natur liegen muss: Es verbreitet sich“. So begann ein literarischer Abend, der vergnüglicher nicht hätte sein können. Denn was mit diesem Gerücht geschah, wie es um sich griff und wie es schließlich alles und jeden einnahm, selbst jene, die es hätten besser wissen müssen, das allein wäre schon einen langen Applaus wert gewesen.

Siegfried Lenz hat sich in seinem 1955 erschienenen Erzählband seiner masurischen Heimat angenommen und, künstlerisch überhöht, Charaktere mit unvergleichlichem Charme und Schlitzohrigkeit geschaffen. Protagonisten wie Hamilkar Schaß und Adolf Abromeit, Alex Puch und Tante Arafa, Stanislaw Griegull und Karl Kuckuck stehen stellvertretend für die Bevölkerung einer Gegend, die „im Rücken der Geschichte lag, keine Berühmten hervorgebracht hat, aber wo das unscheinbare Gold der menschlichen Gesellschaft“ gefunden werden konnte, wie es Lenz in seinem Nachtrag zum Band formulierte.

Lachtränen bei den Zuhörern

Es ist den beiden Künstlern Kai Helm und Guido Jäger hoch anzurechnen, sich dieses Stoffes angenommen zu haben. Denn er ist trotz seines Alters von 63 Jahren alles andere als „old-School“ und schaffte es mühelos, Satire erfahrenen Zuhörern die Lachtränen in die Augen zu treiben. Besagtes Gerücht etwa, oder die köstlich bis ins Absurde führende Fahrt mit dem Pferdewagen sind Plots, die sich heute erst einmal jemand einfallen lassen müsste.

Und die Liebe, die der Schriftsteller damals in seine Erzählungen einbettete, wurde vom Künstlerduo Helm/Jäger auf herrliche Weise in seinen Vortrag übernommen. Mal mit großer Geste, dann wieder nur ein leises Flüstern – ihre Rezitation war stimmungsvoll und farbig, barg manche Überraschung und zog von Anfang bis zum Ende das Publikum in ihren Bann. Können gekoppelt mit Erfahrung – Helm ist unter anderem als Fernsehdarsteller bekannt, Jäger als Musiker der Band von Giora Feitman – machten diesen Abend im Ruller Haus zu einem spritzigen Erlebnis.

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