„Es ist netter, zu warten“ Verkehrswacht informiert in Wallenhorst über Parkplatzunfälle

Von Christina Halbach

Überzeugungsarbeit auf dem Parkplatz: Nicole Erben (Gemeinde Wallenhorst), Jörg Grandt (Verkehrswacht Bramsche/Wallenhorst), Thomas Uphaus, Herbert Bockstiegel (Verkehrswacht Bramsche/Wallenhorst)und Katharina Finkemeyer (Polizei Wallenhorst, von links). Foto: Christina HalbachÜberzeugungsarbeit auf dem Parkplatz: Nicole Erben (Gemeinde Wallenhorst), Jörg Grandt (Verkehrswacht Bramsche/Wallenhorst), Thomas Uphaus, Herbert Bockstiegel (Verkehrswacht Bramsche/Wallenhorst)und Katharina Finkemeyer (Polizei Wallenhorst, von links). Foto: Christina Halbach

Wallenhorst. Nach dem Einkauf ziert eine dicke Delle die Fahrertür, doch vom Verursacher fehlt jede Spur: In Wallenhorst machten Fahrerfluchten im Jahr 2016 rund 22 Prozent der aufgenommenen Unfälle aus. Polizei und Gemeindeverwaltung nahmen das zum Anlass, gemeinsam mit der Verkehrswacht einen Aktionstag zu Parkplatzunfällen durchzuführen.

„Rumms!!! Bleiben Sie fair – wählen sie 110“, hieß es auf den roten Karten, die Mitarbeiter von Polizei, Verkehrswacht und Gemeinde unter anderem auf dem Lechtinger Edeka-Parkplatz an die Kunden verteilten, die ihren Wochenendeinkauf mit dem Auto erledigen. Sie gehören zu einer im Frühjahr 2017 gestarteten landesweiten Präventionskampagne, mit der die Landesverkehrswacht Autofahrer gegen Fahrerflucht sensibilisieren wollen. Die Verkehrshüter reagierten damit auf eine gestiegene Zahl an Unfallfluchten: Waren es 2007 noch 39.818 Fälle, lag die Zahl 2016 laut Verkehrsunfallstatistik schon bei 48.341. Danach komme es bei fast jedem fünften Unfall in Niedersachsen zur Fahrerflucht und damit zur Straftat.

Unfallfluchten in Wallenhorst rückläufig

Zwar ist in Wallenhorst der Anteil der Unfallfluchten im Vergleich zu 2015 (28,5 Prozent) gesunken, mit 22,6 Prozent sei er aber immer noch zu hoch, wie Katharina Finkemeyer, Leiterin der Polizeistation Wallenhorst sagte: „Das müssen wir weiter senken.“ Nach einer Präsentation der Zahlen im Arbeitskreis Kriminalprävention, der sich unter anderem aus Vertretern der Gemeinde, der Polizei sowie der Schulen und Kindergärten zusammensetzt, habe man sich zu der gemeinsamen Aktion mit der Verkehrswacht Bramsche/Wallenhorst entschlossen, berichtete Gemeindemitarbeiterin Nicole Erben.

„Wir wollen darauf hinweisen, dass es netter ist, zu warten“, brachte Helmut Brockmeyer, Vorsitzender der Verkehrswacht Bramsche/Wallenhorst, das Anliegen der Kampagne auf den Punkt.

Schadensfreiheitsrabatt retten?

Bei Thomas Uphaus, dem gerade eine Karte in die Hand gedrückt worden war, rannte er damit offene Türen ein: „Wenn man wiederkommt und da ist was am Auto, ist das schon sehr ärgerlich.“ Die Gründe, warum Verkehrsteilnehmer nach einem Anrempler – sei es per Autotür, Einkaufswagen oder beim Zurücksetzen – das Weite suchten, seien vielfältig, weiß Brockmeyer: „Gerade bei kleinen Schäden denken sich die Leute: Das ist nicht so schlimm. Viele wollen auch ihren Schadensfreiheitsrabatt retten.“ Dabei seien mittlerweile viele Haftpflichtversicherungen mit einem Schadensretter ausgestattet.  Die Versicherung reguliert dann den Schaden, ohne den Kunden hochzustufen.

Mindestens 30 Minuten warten

Die rote Karte sensibilisiert nicht nur, sie informiert auch darüber, wie man sich im Falle eines Unfalls korrekt verhält: In jedem Fall sollte eine angemessene Zeit auf den Geschädigten gewartet werden. „30 Minuten“, sagt Polizeioberkommissarin Katharina Finkemeyer, müsse man dabei schon einkalkulieren. Komme niemand, empfehle es sich, die Polizei zu rufen, damit diese den Unfall aufnehmen kann. Die Annahme, dass ein Zettel an der Windschutzscheibe reicht, verbannte Finkemeyer ins Reich der Fabel: „Das bringt nichts.“

Was aber tun, damit Unfälle insbesondere beim Zurücksetzen gar nicht erst passieren?  Die Polizeioberkommissarin weiß, dass viele Parkplätze zu eng sind, und riet: „Man sollte einfach enorm große Sorgfalt walten lassen.“ Also langsam fahren und sich doppelt umschauen. Und Fahrern von Wagen mit Abstandswarnern riet Finkemeyer: „Nicht vollständig auf die Technik verlassen.“