Vom Kreislauf des Lebens in der Kunst Vielfältig: „Loop-Pool“ rund um das Ruller Haus

Von Tom Bullmann


Osnabrück. Zwölf bildende Künstler und ein Musiker traten am Wochenende im und rund um das Ruller Haus in Aktion, um das Prozesshafte und die nie endenden Kreisläufe des Lebens in der Kunst zu ergründen. „Loop-Pool“ nannte sich das Projekt, das zahlreiche Besucher zum Kulturzentrum lockte.

In unregelmäßigen Abständen ertönte aus einem Lautsprecher im Garten des Ruller Hauses eine quäkende Durchsage: „Achtung, drive by!“ Das war das Signal für die Gäste, zur Straße zu laufen, um sich anzuschauen, wie sich die keilförmigen Module auf zwei Autoanhängern verändert haben, die in langsamer Geschwindigkeit durch den Ort gezogen wurden. Denn während ein Modul kreisförmig Schaugefahren wurde, legte die Kunstgruppe Nartur auf einem zum Open-Air-Atelier umfunktionierten Parkplatz an das zweite künstlerisch Hand an.

Hier erwies sich der Kreis, die Schleife (engl. Loop) ganz praktisch nachvollziehbar als Teil des Konzepts, derweil sich Karin Kopka-Musch der Loop-Materie geradezu philosophisch näherte: Mit Wasser malte sie dezente Linien und Spiralen auf eine Schultafel und verglich ihr Tun mit den nie endenden Qualen des Sisyphos: So wie der tragische griechische Held seinen Marmorblock immer wieder einen Berg hinaufbefördern musste, unterlegte die Künstlerin sich dem Zwang, immer wieder aufs Neue Formen und Muster zu malen, weil diese nach einige Zeit verdunsteten und somit kaum noch zu sehen waren.

Dem akustischen Phänomen der kreisförmigen Wiederholung kam Angelika Höger auf die Spur. Mithilfe eines elektronischen Effektgerätes, einer so genannten „Loop Station“, zeichnete sie in einem Kellergewölbe neben dem Ruller Haus Geräusche auf: Sie oder auch Besucher erzeugten durch Glasschwingungen Pfeiftöne, sie klapperten, ratterten, blubberten und klingelten an diversen Glasbehältern. Die Klänge, in einer Endlosschleife wiederholt und übereinander geschichtet, formten sich entweder zu kompakten, experimentellen Soundgefügen oder zu wirrem Chaos.

Zwei gegenläufige Prozesse steuerten Diana Milena Vega und Susanne von Bülow: Während die eine durch geradezu hypnotisches Wischen und Schmirgeln eine Jesusfigur zu Staub werden ließ, formte die andere eine Madonna mit Kind aus durchgekautem Schwarzbrot. Während die eine religiöse Riten ihre Heimat Kolumbien hinterfragte, reflektierte die andere das Leben spendende Mutter-Motiv.

Ringförmige Spanngurte von Annika und Bastian von den Eichen im Garten, aus Zucker und Kaffee von Ruppe Koselleck geformte weibliche Brüste, die der Natur in Form von Nahrung für Insekten zurückgegeben werden, und die komplexe Performance von Joachim Raffel, der seine Spieluhrmelodie in einer Endlosschleife wiederholte, dazu mit Perkussion und einem präparierten Flügel improvisierte und so die niederländische Malerin Marjan Verkerk zu großformatiger, kollageartiger Malerei inspirierte - die Künstler experimentierten auf vielfältige Art mit dem von Projektleiterin Elisabeth Lumme vorgegebenen Thema. Das Ruller Haus glich an diesem Wochenende einem wuseligen Ort des künstlerischen Dialogs.