Knollmeyers Mühle Geschichtsträchtiges Kleinod mit Wasserkraft im Ruller Nettetal

Von Christoph Beyer

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Ein Kleinod im Nettetal: Knollmeyers Mühle wurde erstmals 1253 urkundlich erwähnt. Foto: Christoph BeyerEin Kleinod im Nettetal: Knollmeyers Mühle wurde erstmals 1253 urkundlich erwähnt. Foto: Christoph Beyer

Wallenhorst. In der Region zählt sie zu den ältesten ihrer Art, die malerisch gelegene Wassermühle an der Nette. Die Wasser- und Staurechte des heute als „Knollmeyers Mühle“ bekannten Bauwerks wurden 1253 erstmals urkundlich erwähnt. Dessen Ursprung reicht jedoch deutlich weiter zurück, vermutlich bis in die Zeit Karls des Großen.

Sie ist eine Augenweide und ein Anlaufpunkt für Ausflügler aus Stadt und Landkreis. Knollmeyers Mühle im Nettetal erfüllt die Erwartungen, die viele Besucher mit einer historischen Mühle verbinden. Dazu trägt der vergleichsweise gute Erhaltungszustand des Gebäudes ebenso bei, wie das rauschende Wehr und die grüne Umgebung samt Biergarten und schattigen Buchenwäldern.

Schmackhaftes „Mühlenbrot“

Nicht jeder Besucher weiß allerdings, dass in der Mühle seit 2009 auch wieder gemahlen wird. Mühlenbesitzer Ansgar Knollmeyer und Heinz-Georg Kohlbrecher haben dafür eigens eine Ausbildung zum Hobbymüller absolviert. Produziert werden Vollkornmehle für eine Osnabrücker Bäckerei, die daraus ein schmackhaftes „Mühlenbrot“ backt. Knollmeyers Mühle ist damit der einzige Wassermühlenbetrieb im Landkreis Osnabrück, der mit historischen Mahlanlagen gewerbsmäßig Vollkornmehle herstellt. Interessierte können das historische Handwerk in Hobbymüllerkursen erleben.

Fünf Meter hohes Wasserrad

Die frühere Doppelmühle wurde von 1980 bis 1983 originalgetreu mit historischen Baustoffen restauriert. Eine weitere, umfassende Restaurierungsphase erfolgte 2008. Das knapp fünf Meter hohe Wasserrad sowie die Gebäudetechnik wurden dabei wiederhergestellt. Auch die Elektroanlage wurde erneuert.

Zwei Mahlgänge in Betrieb

Ursprünglich umfasste die Anlage eine Mahl-, Boke-, Öl-, Flachsschwinge- und Sägemühle. Bis auf das Mahlen sind die weiteren Mühlenfunktionen heute nicht mehr vorhanden. Betriebsfähig sind jedoch zwei Mahlgänge.

Das Erscheinungsbild der Anlage hat sich im Laufe der Zeiten stark gewandelt. Als Doppelmühle fasste diese noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit Ihren zu beiden Seiten der Nette stehenden Gebäuden den Fluss ein.

Kloster verpachtete die Gebäude

Über Jahrhunderte war die Mühle im Nettetal eng mit dem Kloster Rulle verbunden. Als Lehensgut der Grafen zu Tecklenburg wurde sie von dem Zisterzienserinnenkloster verwaltet, welches zwischen 1246/47 und 1803 Bestand hatte. Mitte des 13. Jahrhunderts lautete Ihre Bezeichnung, wohl unter Bezugnahme auf die angelsächsiche „heilige Walburga“, „Walburgis-Mühle“. Das Kloster verpachtete die Gebäude samt Arbeitsmitteln und erzielte dadurch beständige Einnahmen. Mit der „Walburgis-Mühle“, die auch „Untere Mühle“ genannt wurde, war die „Obere Garthauser Mühle“ eng verbunden. Diese befand sich knapp 350 Meter oberhalb, an einem von Quellen gespeisten Stauweiher und nicht direkt an der Nette liegend. Eigentümer und Pächter waren zu Klosterzeiten bei beiden Mühlen stets die gleichen.

Wirtschaftliche Bedrängnis

Nach der Säkularisierung kam die Anlage ab dem Jahr 1802 in Besitz des Kurfürstentums Hannover und wurde 1807 zur Verpachtung angeboten. Dies allerdings mit nur mäßigem Erfolg. Dem einsetzenden Verfall der Mühle konnte mit einer Erbpacht-Versteigerung Einhalt geboten werden. Am 5. April 1815 gab Georg Friedrich Knollmeyer, ein Urahn des heutigen Besitzers, das höchste Gebot ab. Sein 1817 gestellter Antrag auf Anlegung eines zusätzlichen Ölgangs wurde vom zuständigen Amt abgelehnt, mit dem Hinweis, dass in Rulle noch die Ross-Ölmühle des Colons Vornholt bestünde. Der steigende Erbpachtzins brachte Knollmeyer in den Folgejahren in wirtschaftliche Bedrängnis. Abhilfe schaffte ein neuer Vertrag. Anfang 1852 gelang es Knollmeyer, die Erbpacht abzulösen und die Mühle in seinen Besitz zu bringen. Die Anlage umfasste zu diesem Zeitpunkt eine Korn-, Boke-, Walk- und Graupenmühle, insgesamt betrieben von vier Wasserrädern. Aus einem Umkreis von rund 20 Kilometern kamen Bauern zum Mahlen ins Nettetal.

Heute ist die Mühle weniger ein Ort harter Handarbeit, als vielmehr der Ruhe und Erholung. Dass sich diese Entwicklung vollziehen konnte, ist vor allem auch den Ehrenamtlichen des Vereins zur Förderung und Erhaltung Knollmeyer’s Mühle im Nettetal zu verdanken, die mit Ihrem Einsatz dazu beitragen, dieses geschichtsträchtige Kleinod zu erhalten.


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