Samstag Auftritt in Rulle Eckart von Hirschhausen: Es darf auch mal besinnlich sein

Von Joachim Schmitz

Überwiegend heiter ist Eckart von Hirschhausens neues Programm „Endlich“. Doch auch auf besinnliche Passagen verzichtet der Eintertainer nicht. Foto: Imago/Future ImageÜberwiegend heiter ist Eckart von Hirschhausens neues Programm „Endlich“. Doch auch auf besinnliche Passagen verzichtet der Eintertainer nicht. Foto: Imago/Future Image

Wallenhorst. Am Samstag gastiert der Entertainer, Arzt und Buchautor Eckart von Hirschhausen in der ausverkauften Wittekindhalle in Rulle. Im Interview mit unserer Redaktion gibt er schon mal Einblicke in seine Vorstellung:

Herr von Hirschhausen, Ihr neues Programm heißt „Endlich“ und beschäftigt sich zu großen Teilen mit Alter und Tod. War nach Ihrem 50. Geburtstag die Zeit reif dafür?

Ich hoffe, dass ich in der Lebensmitte-Krise bin, denn das bedeutete ja, ich hätte noch mal 50 Jahre vor mir. Ich will mich überhaupt nicht beschweren. Ich kann immer noch alles, was ich mit 20 konnte – halt nur nicht mehr am gleichen Tag. Ein Grund, warum die Zeit scheinbar schneller vergeht sind Routinen. Deshalb schenke ich meinem Publikum und mir immer wieder neue Themen und neue Gedanken Meine Programme bauen ja ein bisschen aufeinander auf. Als erstes drehte es sich um die körperliche Gesundheit, dann um die seelische Gesundheit mit „Glück kommt selten allein“, dann die Liebe und schließlich mit „Wunder wirken Wunder“ das große Thema der Alternativmedizin, Magie und Selbstheilung. Was jetzt für mich logisch folgt, ist die Frage nach der Zeit, der inneren Uhr und dem mit Freude Älterwerden. Werden wir weise oder nur runzelig? Werden wir bitter oder vergnügt? Mit 50 denke ich ja auch andere Dinge als noch vor 10, 20 oder 30 Jahren.

Inwiefern?

Dass ich in meiner Lebensmitte vermutlich am Zenit meiner Bekanntheit und Wirksamkeit bin, lässt mich auch anders darüber nachdenken, was ich denn damit anfangen kann. Wie kann ich gute Ideen in dieses Land bringen und positive Impulse im Gesundheitswesen setzen und den Zuschauern etwas Wesentliches humorvoll rüberbringen? Die Alternative zum Älterwerden ist, früh zu sterben. Alle sind im Stress, keiner hat Zeit, dabei leben wir länger als jede Generation vor uns – konkret sogar in Deutschland fünf Jahre länger als die Menschen in fast allen anderen Ländern dieses Planeten.

Was hat das mit Ihrem Programm zu tun?

Statt von „demografischem Wandel“ zu reden oder Restlaufzeit, denke ich in meinem Bühnenprogramm laut darüber nach, was wir alles Schönes mit diesen Bonusjahren anfangen können. Worauf freuen wir uns? Wie wollen wir Alters-WGs bilden, Pflegekräfte rekrutieren und möglichst lange fit bleiben? Wenn das Leben endlich ist – wann fangen wir endlich an zu leben?

Fragen, die Sie auch persönlich beschäftigen?

Das Gebet der älteren Dame: „Oben klar und unten dicht – lieber Gott mehr will ich nicht.“ Im Ernst: Es sind auf jeden Fall Themen, die mich selbst anrühren. Die berühmten „Einschläge“ kommen näher. Und auf viele Fragen gibt die Medizin ja auch allein nicht die Antwort. Deswegen wähle ich auch nicht nur den rein medizin-kabarettistischen Weg, sondern habe auch einen Pianisten, Musik, Zauberei dabei und setze auf ganz viel spontane Interaktion mit dem Publikum.

Wer sie auf der Bühne sieht, hat den Eindruck, dass Sie sich da richtig wohlfühlen.

Das stimmt. Auf der Bühne bin ich so frei wie nirgendwo sonst, da bin ich absolut in meinem Element, so wie in meiner Pinguingeschichte, die einige aus „Glück kommt selten allein“ oder von Youtube kennen. Ich kann jeden Abend improvisieren und ausprobieren – das macht mir am meisten Spaß. Ich lasse mich darauf ein, was Leute mir von sich aus erzählen, was sie zum Beispiel auf ihrer inneren „Lebenslust-Liste“ haben – und was da kommt, das kann sich eh keiner ausdenken.. Deswegen ist jeder Abend einzigartig. Für die Zuschauer wie für mich.

In Ihrem Publikum sieht man ja bei Weitem nicht nur die Generation Ü 50, sondern auch viele Menschen zwischen 20 und 30, denen Sie auch sagen „Turne bis zur Urne“. Birgt das nicht ein gewisses Risiko?

Mich freut es natürlich, dass ganz unterschiedliche Generationen Spaß an meinen Live-Programmen haben. Es ist eine Wundertüte – für jeden was dabei. Die Frage „Wie will ich meine Lebenszeit nutzen?“ stellt man sich ja mit 17 genauso wie mit 70. Deshalb ist es ein bisschen so wie früher beim Udo Jürgens-Konzert, wo auch die Oma, die Mama und die Tochter gemeinsam hin gingen. Bei mir darf der Papa sogar auch mit (lacht).

Sie singen mehr denn je auf der Bühne und haben sich sogar an eine eigene Version des Eric Clapton-Hits „Tears in Heaven“ herangewagt - bei dem viele Leute nicht wissen, dass der tragische Unfalltod von Claptons Sohn Hintergrund dieses Songs ist.

Ich habe „Tears in Heaven“ immer gemocht, aber auch ich habe lange Zeit nicht gewusst, dass Claptons persönliche Tragik dahinter stand. Denn damit machte dieser Text plötzlich einen ganz anderen Sinn und ich habe mich gefragt: Welche Kraft hat Musik, Lyrik und authentische Kunst, über Dinge hinwegzutrösten ohne einfach zu sagen, alles werde wieder gut. Denn es gibt eben auch Dinge, die werden nicht wieder gut.

So ein extrem persönliches Stück zu covern, erfordert jede Menge Fingerspitzengefühl.

Das war auch gar nicht meine Absicht und natürlich bin ich bei weitem kein professioneller Musiker. Ich habe große Ehrfurcht vor dem, was Eric Clapton da geschaffen hat. Deswegen habe ich den Text frei nachgedichtet und meine eigene Melodie dazu gemacht, damit es nicht so aussieht, als wenn ich ihm da nacheifern wollte. Aber ich finde schon, dass in einem Programm über Endlichkeit auch das Thema Trauer und Abschied nehmen einen Platz haben muss. Und freue mich, dass viele damit etwas anfangen können.

Kabarettistisch ist das ja nur bedingt.

Früher wollte ich immer Applaus und Lacher von den Leuten, heute mag ich die ruhigen Momente und die besinnlichen Seiten genauso gerne. Wenn die Leute mal merken, wo eigentlich ihre eigene Endlichkeit und auch Traurigkeit ganz lange Zeit versteckt war und nie gesehen wurde, tut das auch gut. Eine kuriose Seite von Musik ist ja, dass auch traurige Musik glücklich machen kann.

Sie vergleichen den Tod auf der Bühne mit dem Scheinriesen in „Jim Knopf und Lukas, der Lokomotivführer“, der immer unbedrohlicher wird, je näher man ihm kommt. Wollen Sie den Menschen damit die Angst vor dem Tod oder vor der Zeit davor nehmen?

Ja – und das gelingt glaube ich auch. Das Leben hört nicht auf komisch zu sein, wenn wir sterben, so wenig wie es aufhört ernst zu sein, wenn wir lachen. Das hat George Bernhard Shaw gesagt. Ich möchte nicht beschönigen, dass es Schmerzen und Situationen der Verzweiflung gibt und auch nicht, dass es Menschen gibt, die gerne sterben würden, aber nicht sterben. Aber aus Angst vor dieser letzten Phase die ganze Zeit in Sorge zu verbringen, ist echte Zeitverschwendung.

Also?

Ich will vor allem rüberbringen: Seid nicht die ganze Zeit gegen das Leben. Ich bin Anti-Anti-Aging! Wir sind biologisch mit zwei Programmen ausgestattet: Vermehr Dich und verzieh Dich. Bringe etwas Neues in die Welt - seien es Kinder oder Ideen - und dann steh dem Neuen nicht ewig im Weg. Ein endloses Leben wäre sterbenslangweilig! Nur durch die Endlichkeit bekommt jeder Moment seinen Wert, seine Tragik oder Komik. In einem meiner Lieblingscartoons, den ich jeden Abend zitiere, sagt Charly Brown „Eines Tages werden wir alle sterben“, darauf antwortet ihm Snoopy: „Ja, aber an allen anderen Tagen nicht.“

Was wollen Sie damit sagen?

Wir brauchen Humor, Hoffnung und Trotz. Wenn man sich mit dem Unvermeidlichen anfreundet, wird man unvermeidlich glücklich. Schauen Sie sich mal an, wie viel Energie in das Vermeiden von offensichtlichen Dingen des Älterwerdens geht – von Botox, Pillen, Cremes über Lifting und Lippenaufspritzen bis zum Fettabsaugen und den 60-Jähirgen mit Basecaps. Das schreit doch nach einem komischen Bühnenprogramm. Gesundheit ist keine Pflicht, sondern das Leben sollte Freude machen. Und am schönsten lacht es sich eben gemeinsam.

Am 4. Dezember kommt Eckart von Hirschhausen mit seinem Programm in die Osnabrückhalle.