Kopfweidenschnitt für Höhlenbrüter Junge Naturschützer in Rulle im Einsatz



Wallenhorst. Ein lautes Knarzen, das Aufschreien einer Motorsäge, ein dumpfer Rums, der nächste dicke Ast einer Kopfweide fällt zu Boden. Harte Arbeit für die AG-Naturschutzjugend der ANTL , die Arbeitsgemeinschaft für Naturschutz im Tecklenburger Land, die viele dieser Bäume im Sinne des Naturschutzes und Kulturguterhalts an der Ruller Flut in Rulle in Form brachte.

38 Kopfweiden hatten die Jugendlichen in den Jahren 2010 bis 2012 an dem zuvor renaturierten Gewässerabschnitt gepflanzt. Damals setzten sie drei Meter lange Weidenäste cirka 70 Zentimeter in den Boden. Weiden sind die einzigen Bäume, die auf so eine Weise, sprich als Steckling gepflanzt werden können. Damals waren die Jugendlichen noch als AG Natur des Kardinal-von-Galen Gymnasiums Mettingen unterwegs. 2013 formierte sich die Gruppe, die seit jeher vom ehrenamtlichen Naturschützer Friedhelm Scheel geleitet wird, in die Naturschutzjugend der ANTL um. 

In Fallrichtung gezogen

„Es wird höchste Zeit, dass diese nun rund sieben Jahre alten Kopfweiden beschnitten werden“, sagte Friedhelm Scheel. Hinter ihm werkelten die jungen Naturschützer mit Astscheren an den dünneren Weidenrouten. Die dicksten Äste wurden mit einem Seil in die gewünschte Fallrichtung gezogen, bevor gesägt wurde. Trotz der feuchten, kühlen Morgenluft waren die Jugendlichen bei der Aktion eher am Schwitzen als am Frieren. „Auch wenn es dann draußen angenehmer wäre, können wir den Kopfweidenschnitt nicht in den Sommer verlegen. Das Beschneiden der Äste findet stets im Winter statt, bevor beim Baum die ersten Triebe sprießen“, weiß die Gruppe. 

Nahrung für Bienen

Früher hatten Kopfweiden in vielerlei Hinsicht wirtschaftlichen Nutzen. Ihre Ruten dienten zum Flechten von Körben und Reusen. In Kombination mit Lehm waren sie Baumaterial für Fachwerkhäuser. Stabile Äste wurden als Pfähle für Weidezäune genommen. Nach dem „Ernten“ der Weidenrouten wachsen an den Schnittflächen immer wieder neue Triebe. Nach mehrmaligem Abschneiden entsteht im Laufe der Zeit eine Verdickung -der Kopf der Weide. „Auch wenn heute der wirtschaftliche Nutzen in den Hintergrund gerückt ist, sind Kopfweiden wichtig. Sie haben große Bedeutung für den Naturschutz“, betont Friedhelm Scheel. In den Stämmen und im Weidenkopf gibt es Hohlräume, die von Vögeln wie dem Steinkauz oder dem Wendehals, von Hornissen oder von Fledermäusen als Höhle und Nistmöglichkeit gebraucht werden. Die Blütenstände der Weiden, Kätzchen genannt, liefern als eine der ersten Pflanzen im Frühling Nahrung für Bienen und viele andere Insekten. Zudem beschatten Weidenreihen an Bächen das Wasser. So bleibt der Bach für Fische kühl und sauerstoffreich.

Engagement für Steinkauz und Schleiereule

„Wir freuen uns sehr über den Einsatz der AG-Naturschutzjugend hier auf den Kompensationsflächen unserer Gemeinde“, meinte Wallenhorsts Umweltbeauftragter Udo Stangier, der mit anpackte. Für ihren naturschutzfachlich einwandfreien Einsatz und unermüdliches Engagement für Steinkauz, Schleiereule, Kopfweide und Co. bekommt die AG am 8. Februar den Klima- und Umweltpreis der Gemeinde Wallenhorst. „Das ist unser insgesamt 30. Preis“, freut sich Friedhelm Scheel zusammen mit den Jugendlichen, die am Mittag zur Stärkung die obligatorische, heiße Erbsensuppe von Scheels Frau Monika genossen und auf ihre Aktivitäten im letzten Jahr zurückblickten: 2017 haben sie in und rund um Osnabrück zwei Turmfalkenkästen, fünf Schleiereulenkästen, 13 Steinkauzröhren und drei Brückennester gebaut und montiert. Zudem wurden von ihnen 46 Kopfweiden geschneitelt, 22 Kopfweiden angepflanzt und 5000 Quadratmeter Gagelstrauchbestände, sowie ein Amphibientümpel freigeschnitten. 


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