Prozess vor dem Landgericht Osnabrück Diebesbande klaute alles, „was nicht niet- und nagelfest war“

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Schmuck, Bargeld und Werkzeug gehörten zum Diebesgut zwei Litauer, die sich wegen vieler Wohnungseinbrüche vor dem Landgericht Osnabrück verantworten müssen. Symbolfoto: Michael GründelSchmuck, Bargeld und Werkzeug gehörten zum Diebesgut zwei Litauer, die sich wegen vieler Wohnungseinbrüche vor dem Landgericht Osnabrück verantworten müssen. Symbolfoto: Michael Gründel

Wallenhorst/Bissendorf. Schmuck, Bargeld, Werkzeug, aber auch Lebensmittel gehörten zum Diebesgut der zwei Litauer, die sich zur Zeit wegen zahlreicher Wohnungseinbrüche in der Region vor dem Landgericht Osnabrück verantworten müssen. DNA-Spuren und GPS-Überwachung ließen sie im Juni 2017 ins Netz der Ermittler gehen.  Das ergab die Beweisaufnahme am dritten Verhandlungstag.

Angeklagt sind die 52- und 29-jährigen Angeklagten wegen zwölf Einbruchsdiebstählen, die sie entweder gemeinsam oder alleine unterstützt von gesondert verfolgten Mittätern im Zeitraum von 2014 bis 2017 begangen haben sollen. Nach einer Verständigung zwischen Verteidigern, Gericht und Anklage wurden weitere verfolgte Einbrüche eingestellt, so dass sich die Schadenssumme von 180.000 Euro entsprechend reduziert. Zu den Tatorten gehörten Einfamilienhäusern im emsländischen Haren, in Ibbenbüren und Westerkappeln im benachbarten NRW sowie Wallenhorst und Bramsche im Landkreis Osnabrück. Gleich dreimal haben die Litauer in Bissendorf zugeschlagen.

Mit Klebestreifen ein Dauerläuten ausgelöst

Vorgegangen sind die geständigen Täter dabei weitgehend auf ähnliche Weise: Zumeist mit einem Stein warfen sie ein im Erdgeschoss gelegenes Fenster ein und verschafften sich dadurch Zutritt zum Haus. Vorab hatten sie durch einen auf der Klingel angebrachten Klebestreifen ein Dauerläuten ausgelöst, das auf alarmierte Bewohner aufmerksam machen sollte. Was die Angeklagten nach der Durchsuchung der Räumlichkeiten mitgehen ließen, fasste der leitende Ermittler der Polizei Osnabrück folgendermaßen zusammen: „Sie haben alles geklaut, was nicht niet- und nagelfest ist.“ 

Silberbesteck im Wert von rund 41.000 Euro

 Dazu zählten neben Schmuck, technischen Geräten wie Laptops und Handys vor allem hochwertiges Edelmetall:  Aus einem Einfamilienhaus in Haren entwendete  der ältere der beiden Angeklagten beispielsweise ein Silberbesteck im Wert von rund 41.000 Euro, was er seiner Aussage nach wie viele der Beutestücke bei einem Hehler in Polen zu Geld machte. In diesem Fall  jedoch mit mäßiger Bilanz: Bei einem Silbergrammpreis von 43 Cent brachte der Verkauf lediglich magere 2000 Euro ein. Gebrauchen konnte sie auch Dinge des täglichen Bedarfs wie hochwertige Bekleidung oder Lebensmittel wie Weine, Spirituosen und tiefgefrorene Fleischwaren.

DNA-Spur führt zur Diebesbande

Auf die Schliche gekommen ist der Gruppe schließlich eine eigens eingesetzte Ermittlungsgruppe der Polizei Osnabrück. Wie  der leitende Ermittlungsführer in seiner Zeugenaussage berichtete, habe eine an einem Tatort im emsländischen Haren gefundene DNA-Spur des 52-jährigen Angeklagten auf die Spur der Diebesbande geführt. Eine GPS-Überwachung des Tatfahrzeugs und Überwachung des Telefonverkehrs lieferten in der Folge weitere Indizien:  So habe die Auswertung ergeben, dass der Wagen von der Wohnung der beiden Angeklagten an der Bramscher Straße in Osnabrück besonders langsam durch umliegende Gemeinden gesteuert worden ist. „Dabei sollten mögliche Tatorte ausbaldowert werden“, erläuterte der Ermittlungsführer.  In der Nacht sei das Fahrzeug dann erneut dorthin bewegt und in der Zeit von zwei bis fünf Uhr abgestellt worden: Diese festgestellten Bewegungsmuster hätten, so der Kriminalbeamte, dann zu den späteren Tatorten gepasst.

Untersuchungshaft

Weitere Hinweise lieferte schließlich ein abgehörtes Telefongespräch über verzehrtes Fleisch, das als Tiefkühlware bei verschiedenen Einbrüchen zum Diebesgut der Täter gehört hatte. DNA-Material des 29-jährigen Mitangeklagten konnte schließlich im Mai 2016 an einem Tatort sichergestellt werden.  Am 20. Juni 2017 griffen die Ermittler zu: Das Hauptquartier an der Bramscher Straße wurde durchsucht und dabei Diebesgut  in erheblichem Umfang sichergestellt, das zu den von den Geschädigten aufgeführten, geklauten Gegenständen passt. Die zwei Angeklagten und ihre zwei ebenfalls aus Litauen stammenden Unterstützer wurden festgenommen und befinden sich seitdem in Untersuchungshaft.

Die Verhandlung wird am 25. Januar mit der Vernehmung der Geschädigten fortgesetzt.


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