Über die Abgründe der Religionen Kabarettist Jan Christof Scheibe gastiert in Hollage



Wallenhorst. Bereits zum achten Mal organisierte die Katholische Arbeiterbewegung (KAB) Hollage einen Kabarettabend im Gasthaus Barlag. Diesmal sorgte Jan Christof Scheibe für viele Lacher, aber auch nachdenkliche Momente.

Jan-Christof Scheibes Alterego auf der Bühne ist unterwegs zum ICE, die Zeit ist knapp. An einer Ampel wird er geblendet. Er sieht noch ein Werbeauto vor sich und denkt: „Ogoddogott.“ Seine letzte Sekunde beginnt, doch dann landet Scheibe in einer Art Zwischenwelt. Dies ist der Ausgangspunkt von Scheibes Auseinandersetzung mit dem Glauben.

Er kennt die Kirche „backstage“

Da sein Vater Kirchenmusiker und seine beiden Großväter Pastoren waren, habe er „die Kirche backstage erlebt“, erklärte Scheibe und berichtete: Als Kind habe er mit seinen Playmobilfiguren im Taufbecken die „coolen Geschichten aus der Bibel“ nachgespielt – beispielsweise wie Moses das Rote Meer teilt. Und er habe die Erfahrung gemacht: „Von den getauften Figuren brach nie ein Teil ab.“ Bei den anderen sei dies ständig passiert.

Warten auf ein Zeichen

In der „Zwischenwelt“ auf ein Zeichen von Gott wartend, demonstrierte Scheibe zudem an E-Piano, Akustik- und E-Gitarre wie die Kirche für volle Gotteshäuser sorgen könnte: Mit Songs á la Deichkind oder Rammstein sowie passgenauen Texten für bestimmte Zielgruppen, beispielsweise vegane Christen. „Wenn du die Hipster in die Kirche holen willst, musst du anders ran“, erklärte er.

Fußball und Kirche

Dann nahm er sich den Götzen Fußball vor: Zu getragenen Orgelklängen stimmte Scheibe mit Grabesstimme Kirchen- und Weihnachtslieder an, um diese dann übergangslos mit dem „Olé olé“ aus Fußballstadien und anderen Fangesängen zu mischen. Scheibe besang aber auch „Arne, den Schamanen“ und demonstrierte mithilfe von Zuschauer Frank Hömmeke dessen magischen Fähigkeiten.

Weltreligionen und TV-Prediger

Eine Antwort auf die Frage „Hat Gott damals eigentlich die Reformation mitgemacht oder ist er noch katholisch?“, erhielt Scheibe nicht. Und als er sich in die Abgründe der Weltreligionen stürzte, bedauerte er, dass es „kein Bewertungssystem für Religionen gäbe – wie bei Amazon“. Besonders viele Lacher erntete Scheibe, als er in die Rolle des TV-Predigers Bob schlüpfte und die Geldscheine seiner Kollekte mit den Worten in die Höhe warf: „Behalte du Gott, was du brauchst – nur das, was wieder runterfällt, ist für mich.“

Wortwitz und Musik

In Hollage punktete der Hamburger Musiker und Kabarettist punktete mit Wortwitz und frechen Sprüchen. Er wurde zwischendurch kurzzeitig durchaus mal ernst und unterhielt mit viel Musik. Loop-Maschine, Sound- und Lichteffekte sowie einige ausgesuchte Requisiten reichten Scheibe darüber hinaus, um eine ganz eigene Welt entstehen zu lassen. Sein Publikum ging von anfang an lebhaft mit und dankte es ihm mit viel Gelächter und Applaus.

Premiere bei der KAB

„Ich fand es ja sehr mutig, dass sie mich eingeladen haben“, erklärte Scheibe nach der Show. Und im Gespräch mit der Redaktion berichtete er: „Ich war schon oft in Osnabrück, bin aber zum ersten Mal in Wallenhorst und wurde zum ersten Mal von der Katholischen Arbeiternehmer-Bewegung eingeladen.“


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN