Appell an Gesellschaft und Politik Ausstellung zum Thema Altersarmut in Wallenhorst eröffnet

Meine Nachrichten

Um das Thema Wallenhorst Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


Wallenhorst. Laut einer aktuellen Studie der Bertelsmann-Stiftung steigt das Risiko der Altersarmut bei zukünftigen Rentnern bis 2036 auf 20 Prozent. Eine Wanderausstellung im Wallenhorster Rathaus beleuchtet das Thema in den kommenden zwei Wochen schlaglichtartig.

„Vorsicht Falle(n): Altersarmut – Nein Danke“ lautet der Titel der Ausstellung, die auf Initiative der kommunalen Gleichstellungsbeauftragten der Samtgemeinden Bersenbrück und Quakenbrück sowie der Gemeinde Wallenhorst bis zum 14. März im Nordkreis von Osnabrück zu sehen ist. Schüler des Berufskollegs für Gestaltung und Technik in Aachen haben die Ausstellung gestaltet, die das städtische Gleichstellungsbüro inititiert und finanziert hat.

Cartoons und Fotografien

Mit Zeichnungen, Cartoons und Fotografien rufen die gezeigten Werke dazu auf, sich mit Armut im Alter auseinanderzusetzen und treffen damit  den Ton, den sich die Gleichstellungsbeauftragten für eine solche Ausstellung gewünscht haben: „Provokant, humorvoll und ernst wollen wir dieses Thema präsentieren“, führte Kornelia Böert, Gleichstellungsbeauftragte der Gemeinde Wallenhorst, vor rund 40 Gästen im Ratssitzungssaal in die Ausstellung ein. Dabei soll es nicht bleiben: Verbunden sei damit, so Böert weiter, zugleich ein Appell an junge Menschen sowie Gesellschaft und Politik: „Wir müssen heute handeln, damit die Szenen der Ausstellung nicht Realität werden.“

Notgroschen von 8 Cent

Die ausgestellten Arbeiten nähern sich dem Thema auf vielfältige Weise: Mal provokant flapsig, auffordernd, manchmal mit beängstigenden Zügen: „Meine Rente reicht im Alter nicht mal für nen´ Appel und nen´ Ei“, heißt es auf einer Zeichnung. Auf einem weiteren Plakat symbolisiert eine Pfandflasche den mageren Notgroschen von 8 Cent, für den manche Rentner bereit sind, in öffentlichen Mülltonnen zu wühlen. Großformatige Fotos bilden zugespitzt Situationen ab, in denen Frauen lieb gewonnene Schmuckstücke und damit ihre Erinnerungen im Pfandhaus verkaufen oder für ihren Lebensunterhalt betteln müssen.

Altersarmut ein Frauenproblem

Die Ausstellung macht damit deutlich, dass Altersarmut auch und vor allem ein Frauenproblem ist: Tatsächlich bekommen aktuell 63 Prozent der Frauen weniger als 650 Euro Rente. Die Gründe liegen für Kornelia Böert auf der Hand: „Teilzeit, Minijobs, befristete Arbeitsverträge, Niedriglohnbeschäftigung und das fehlende Rückkehrrecht in eine Vollzeitbeschäftigung führen geradewegs in die Altersarmut.“ Die Gleichstellungsbeauftragte hält es daher für unabdingbar, eine stärkere und sozialversicherungspflichtige Erwerbsbeteiligung von Frauen passgenau zu fördern.

Fehlende Altersvorsorge

Zu den Besuchern zählten auch Vertreterinnen der Wallenhorster Frauenverbände, wie Sabine Stenzel, die Vorsitzende des Wallenhorster Landfrauenverbandes. Die Ausstellung beschreibe eine ihrer Auffassung nach verbreitete Situation: „Da ist ganz viel dran. Das geht vielen Frauen so“, meint Stenzel. Sie hat sich vorgenommen, das Thema in den nächsten Veranstaltungen verstärkt auf die Tagesordnung zu setzen: „Gerade in der Landwirtschaft haben viele Frauen keine eigene Altersversorgung.“


Die Ausstellung ist noch bis zum 26. Januar im Ratssitzungssaal zu sehen. Auf Nachfrage an der Infotheke des Rathauses werde der Raum für interessierte Besucher aufgeschlossen, sicherte Kornelia Böert zu. Ergänzend hält Birgit Ottens, Geschäftsführerin des Sozialdienstes Katholischer Frauen, einen Vortrag zum Thema „Altersarmutsrisiko Geschlecht“.

Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN