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„With Your Hands We‘ll Conquer“ Indierockband Razz aus Twist präsentiert Debütalbum

Von Tim Gallandi | 05.11.2015, 19:28 Uhr

Für die Fans hat das Warten ein Ende: Razz haben ihr lang angekündigtes Studiodebüt veröffentlicht. Auf dem formidablen Album „With Your Hands We‘ll Conquer“ wartet das Indierock-Quartett aus Twist-Schöninghsdorf mit der gleichen Reife und Souveränität auf, die schon ihre Live-Auftritte kennzeichnete.

Dass eine Band bei einem renommierten Festival wie dem Hurricane in Scheeßel spielt, ohne bis dahin ein Album herausgebracht zu haben, ist ungewöhnlich. Lukas Bruns, Niklas Keiser, Christian Knippen und Steffen Pott gingen genau diesen Weg. Und mit den Meriten, die sie sich in den zurückliegenden drei Jahren vor Publikum erspielten, wuchsen die Erwartungen hinsichtlich des Studiodebüts. Auch Branchengrößen wie Casper und Kraftklub, so war zu hören, seien gespannt.

Angekündigt hatten Razz ihr Erstlingswerk bereits 2013 , nachdem sie beim Lingener Abifestival für Furore gesorgt hatten und beim Greenville-Festival in Berlin neben dem Wu-Tang Clan aufgetreten waren – sowie als Vorgruppe des englischen Soulsängers Alex Clare durch die Konzerthallen der Republik getourt waren. Dann aber zog sich die Produktion in die Länge. „Habt Geduld“, teilte die Band ihren Fans mehrfach per Facebook mit.

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Die Gründe für die Verzögerung liegen hauptsächlich in ihrem Leben außerhalb der Musik, wie Schlagzeuger Steffen Pott schildert. Er und seine Bandkollegen waren noch mit Schule und Ausbildung beschäftigt. „Wir haben jede freie Minute genutzt“, sagt Gitarrist Christian Knippen. „Meistens sind wir nach der Schule direkt ins Studio gefahren.“ Überwiegend wurde aber an Wochenenden und in den Ferien am Album gearbeitet.

Das Ducklake-Studio liegt im ostfriesischen Hesel. Das Musikmachen dort, „in familiärer Atmosphäre“, so Steffen, beflügelte Razz zudem in ihrer Kreativität. Mehrere Songs, darunter „The Blood Engine“, entstanden erst während der Aufnahme-Sessions, was diese wiederum verlängerte.

Konzerte als Experimentierfeld

Hinzu kamen weiterhin etliche Konzert- und Festivaltermine, die wiederum einen Teil der besagten Wochenenden und Ferien einnahmen. Die Auftritte vor Publikum nutzte die Band als Experimentierfeld: „Neue Songs testet man am besten, indem man sie bei Konzerten spielt“, sagt Steffen. So variierten sie bestimmte Details von Auftritt zu Auftritt. „Und die Reaktion des Publikums ist immer einer der Indikatoren für uns.“ Das habe dann auch die Arbeit im Studio beeinflusst.

All das erzählten die Musiker unserer Redaktion nach ihrem Record-Release-Konzert im Alten Schlachthof in Lingen. Dort heimsten sie nicht nur jede Menge Applaus sowie Anerkennung in Form von Händeschütteln, Schulterklopfen und Umarmungen ein. Die vier jungen Emsländer mussten zudem ungezählte Autogramme auf CDs, Eintrittskarten und sonstige als Erinnerung fungierende Dinge setzen.

Erwartetes und Überraschendes

Beim Hören der zwölf Songs zeigt sich, dass Erwartetes und Überraschendes die Balance halten. Als ohnehin gesetzt galten „Turning Shadows“ und „Youth & Enjoyment“. Beide Stücke erlangten schon 2013 Bekanntheit, nicht zuletzt durch die dazu produzierten Videoclips; bei beiden übernimmt die Fanschar in Konzerten gewohnheitsmäßig das Skandieren des Refrains. Einer Textzeile aus „Youth & Enjoyment“ ist auch der Albumtitel entnommen.

„Black Feathers“, im Sommer 2015 als Single veröffentlicht, hatte ebenfalls seit Längerem einen festen Platz auf der Live-Setlist. Gleiches gilt für „1953 – Hillary“, mit seinen markanten Gitarrenparts einer der stärksten Razz-Songs, der allerdings in der Studioversion etwas weniger druckvoll daher kommt als im Konzert.

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Ergänzt werden diese Standards durch etliche neuere Stücke. Auch sie sind von flotten Riffs, der dynamischen Rhythmussektion und Niklas Keisers rauem Gesang geprägt. Manches zündet sofort, wie „Rising Tide“ oder „Broken Gold“, anderes („Ember And Dust“) benötigt einige Hördurchgänge mehr.

Heraus ragt dabei das erwähnte „The Blood Engine“, mit dem die Gruppe in jüngerer Zeit ihre Gigs eröffnete, das auf der Scheibe jedoch den Schlusspunkt bildet: Eine sphärische Nummer mit spannender musikalischer Dramaturgie, bei der sich Razz auf elektronisches Terrain wagen.

Wie aus einem Guss

Das zusammen mit David Holtz produzierte und von Johannes Glashagen abgemischte Album wirkt homogen und wie aus einem Guss. Wie bei ihren Live-Auftritten lässt sich der Band, gemessen an ihrer noch jungen Geschichte, eine erstaunliche Abgeklärtheit bescheinigen.

Der Plan für die nächste Tournee steht auch schon fest: Ab dem 28. Dezember sind Razz, unterstützt von Giant Rooks, wieder unterwegs.