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Wasser kann wieder abfließen Twister Aa erhält altes Einzugsgebiet zurück

Von Manfred Fickers | 13.11.2013, 19:00 Uhr

Die frisch verlegte Deckschicht auf der Brückenstraße zwischen Alt-Hesepertwist und Adorf dampft noch, als eine Gruppe von Vetretern von Unternehmen, Kommunen und Organisationen das Ende der Bauarbeiten am Düker der Twister Aa unter dem Süd-Nord-Kanal verkündet. Landrat Reinhard Winter spricht von einem wichtigen Schritt im Wassermanagement des Bourtanger Moors.

447696,38 Euro sind investiert worden, um im Einzugsgebiet der Aa östlich des Süd-Nord-Kanals einen besseren Schutz vor Überschwemmungen zu erreichen. Wie Dirk Kopmeyer, Dezernent beim Landkreis Emsland, erläuterte, gingen der Vergabe des Planungsauftrags an die Firma Lindschulte , Meppen, und des Bauauftrags an die Firma Anton Meyer, Neuenhaus , mehr als zehn Jahre Überlegungen voraus. Denn jeder Eingriff in den Wasserhaushalt in diesem Gebiet kann Folgen über die Gemeinde Twist hinaus auf das Gebiet von Wietmarschen-Lohne, die Samtgemeinde Emlichheim, Haren, Geeste und auf niederländischer Seite der Grenze Emmen und Coevorden haben.

Als mehr als 100 Jahren der Süd-Nord-Kanal gebaut wurde, führte er durch den Südosten des noch weitgehend unberührten Bourtanger Moors. Seitdem hat sich die Landschaft stark gewandelt. Durch den Torfabbau im Bereich Adorf, Alt-Hesepertwist und Wietmarscher Twist wurde tief in den natürlichen Wasserhaushalt eingegriffen. Dies hatte bei starken Regenfällen zur Folge, dass sich das Wasser auf landwirtschaftlichen Flächen staut, aber auch zur Gefahr für Siedlungen und Gewerbeflächen wurde. Eine Ableitung über den Süd-Nord-Kanal hätte die Belastung in Richtung der Unterlieger an den Kanalabflüssen Richtung Vechte und Ems verschärft, sagt Kopmeyer. Durch Untersuchungen fand man heraus, dass mit einer Neugestaltung des Dükers und der Zuführungen zur Twister Aa das Flüsschen sein altes Einzugsgebiet zurückerhalten kann. Somit kann das Oberflächenwasser im natürlichen Gefälle langsam nach Westen abfließen. Die Fachleute errechneten, dass die in die Niederlande fließende Aa diese Wassermengen ohne Gefahr für die Anlieger bewältigen kann. Voraussetzung ist aber eine Regelung des Wasserabflusses aus dem niederländischen Naturschutzgebiet Bargerveen.

Es waren viele Partner zu beteiligen. Die Gemeinde Twist, der Landkreis Emsland, die Provinz Drenthe, der Vechteverband und als Eigentümer des Kanals der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) Betriebsstelle Meppen. Die Kommunen arbeiten im Internationalen Naturpark Bourtanger Moor-Bargerveen zusammen über den die Ems-Dollart-Region (EDR) ins Spiel gebracht wurde, die dafür sorgte, dass für das Vorhaben Mittel aus dem europäischen Interreg-IV-a-Programm bereitgestellt wurden. 204184,88 Euro kamen von der EU, das Land Niedersachsen und die Provinz Drenthe steuerten jeweils 61255,46 Euro bei, der Landkreis Emsland 61326,62 Euro, die Gemeinde Twist 49673,95 und der Vechteverband 10000 Euro. Die auf den Cent genauen Angaben begründete EDR-Geschäftsführer Armin Gallinat damit, dass die EU und die Partner bereits abgerechnet haben. Denn auch die Schaffung der Pufferzone am Bargerveen ist bereits beendet. Die Gesamtkosten für beide Vorhaben beziffert er auf 772500 Euro.