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Vor 100 Jahren rettete Georg Meyering eine 19-Jährige Ein Schornsteinfeger als Glücksbringer

Von Manfred Fickers | 24.04.2012, 08:36 Uhr

Vor 100 Jahren hatte die Feuerwehr Meppen ein besonders mutiges Mitglied. Dies beweisen zwei Belobigungen, die Georg Meyering, der in Rosendahl bei Vreden im Münsterland wohnt, aus dem Nachlass seines gleichnamigen Großvaters aufbewahrt.

Der 1882 in Haselünne geborene Schornsteinfeger Georg Meyering war ein Glücksbringer für seine Mitbürger. Im Herbst 1904 trat er in die Freiwillige Feuerwehr Meppen ein. 1907 spricht der Meppener Bürgermeister August Jonen eine Belobigung aus und zitiert dabei ein Schreiben des Ersten Hauptmanns der Feuerwehr, Frölich, in dem dieser Meyering bescheinigt, dass er „die Übungen regelmäßig besucht, bei denselben stets das größte Interesse gezeigt und sich namentlich beim Brande vom 19. Juli 1906 besonders ausgezeichnet hat.“

Ein zweites Belobigungsschreiben, diesmal vom Meppener Landrat Georg Behnes, gab dem Enkel des tapferen Feuerwehrmannes, der als Steiger mit der Leiter bei Bränden stets an vorderster Stelle aktiv war, einige Rätsel auf. Mit Unterstützung der Bücherei des Emsländischen Heimatbundes konnten aus alten Zeitungsbänden Informationen über eine Rettungstat vor genau 100 Jahren beschafft werden, die im gesamten Regierungsbezirk Osnabrück Aufsehen erregte.

Im „Katholischen Volksboten“ ist in der Ausgabe vom 28. April 1912 eine Meldung erschienen: „Schöninghsdorf, 24. April. Heute Mittag stürzte hier ein 19-jähriges Mädchen von der Kanalbrücke über das Geländer ins Wasser. Es wäre unbedingt ertrunken, wenn nicht der zur Zeit hier anwesende Schornsteinfeger Georg Meyering das Mädchen mit eigener Lebensgefahr gerettet hätte.“

Öffentliche Belobigung

Mit einem Schreiben vom 23. September 1912 teilte Landrat Behnes Meyering mit: „Der Herr Regierungs-Präsident hat Ihnen, da Sie durch die Rettung der 19-jährigen Tochter des Brückenwärters Backs in Schöninghsdorf einen besonderen Beweis von Entschlossenheit gegeben haben, im Amtsblatt vom 10. September 1912 Stück Nr. 38 eine öffentliche Belobigung ausgesprochen.“

Diese Belobigung wurde auch am 25. September 1912 in der Zeitung „Ems- und Hase-Blätter“ und am 29. September 1912 im „Katholischen Volksboten“ veröffentlicht. Sie zitieren das, was im Amtsblatt der Königlichen Regierung zu Osnabrück Stück 38, 20. September 1912, stand: „Der Schornsteinfeger Georg Meyering in Meppen hat am 24. April d. Js. die 19-jährige Tochter des Brückenwärters Backs vom Tode des Ertrinkens gerettet und durch seine Tat einen Beweis von hervorragender Entschlossenheit und von Opfermut gegeben.“

Twister Heimatforscher haben versucht, etwas mehr über die gerettete 19-Jährige herauszufinden. Wie Horst Heinrich Bechtluft berichtet, gibt es in den Verzeichnissen der Brückenwärter in Schöninghsdorf keine Familie Backs. Außerdem ist der Name häufig in den Moorkolonien an der deutsch-niederländischen Grenze zu finden. Es könnte auch eine Familie aus einem Nachbarort sein.

Meyering hatte nicht nur als freiwilliger Helfer Erfolg, sondern auch beruflich. 1914 wurde er Bezirksschornsteinfegermeister in Vreden, Kreis Borken, wo sein 1912 geborener Sohn Josef blieb, der wiederum seinen Sohn nach dem Vater benannte. Georg Meyering starb 1945 an einer Krankheit, berichtet sein gleichnamiger Enkel.