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Von Acryl bis Stacheldraht Ausstellung in Twist zeigt Skulpturen und Gemälde

Von Tim Gallandi | 19.02.2017, 19:30 Uhr

Eine scheinbar schwebende Kugel, aus einem Riss in einer Wand herausgreifende Hände, einen King Kong mit Persönlichkeitsspaltung: Das und mehr können die Besucher des Erdöl-Erdgas-Museum Twist in diesen Wochen entdecken. Bis Anfang April sind dort Werke der Künstlerin Anke Strube aus Wietmarschen-Lohne ausgestellt.

Ob der „Wood Kong“, wie die Holzskulptur betitelt ist, auch im übertragenen Sinne gespalten ist, bleibt zugegebenermaßen der Interpretation des Betrachters überlassen. Die These bietet sich an, weil durch den Klotz, aus dem Anke Strube den Kopf eines brüllenden Gorillas gearbeitet hat, schon im Rohzustand ein Spalt lief. Das nahm sie zum Anlass, auch das Gesicht des mächtigen Kong mit einer Lücke zu versehen.

Wer eine Ausstellung bildender Kunst mit suchendem Blick nach Referenzpunkten betritt, wird auf der Empore des Erdöl-Erdgas-Museums zuhauf fündig. Rund 30 Gemälde, Combine Paintings und Skulpturen sind dort zu sehen. Serielle Konterfeis von Berühmtheiten wie Maria Callas, Mahatma Gandhi und Albert Einstein lassen logischerweise an das Schaffen Andy Warhols denken. Gespannte Drähte, die wie die Visualisierung eines Kraftfelds wirken, rufen die abstrakten Formmuster der Op-Art wach. Und bei den auf der Leinwand haftenden Kabelhaltern scheinen Werke der Düsseldorfer Künstlergruppe Zero Pate gestanden zu haben.

Der Reiz der Vielfalt

Hier etwas Op-Art, da ein bisschen Pop-Art? Eine solch simple Formel griffe freilich zu kurz. Nicht alles lässt sich kategorisieren, und auch wenn hier und da der Eindruck entsteht, einen Querschnitt von Stilen des 20. Jahrhunderts zu erleben, ist dies keineswegs von der Künstlerin beabsichtigt. Sondern eher ein Zufall, der aber einen gewissen Reiz, nämlich Vielfalt, ausmacht. Inhaltlich ist manches abstrakt, anderes greift aktuelle politische Sujets auf: Über die Leinwand klaffender Stacheldraht, die Verbildlichung einer „Safe Island“, also sicheren Insel – das weist unmissverständlich auf das Thema Flucht.

Nur einer bestimmten Strömung zu folgen, ist ihre Sache nicht, das gibt Anke Strube selbst zu: „Wenn ich auf ein Material festgelegt würde, würde ich wohl nicht weitermachen.“ Dieses Wechselhafte charakterisiert das Schaffen der aus Rheine stammenden Autodidaktin. Nicht bestimmte Künstler inspirieren sie, sondern einzelne Werke unterschiedlichen Stils. In ihrem Atelier in Lohne arbeitet sie nach eigenen Worten täglich, aber immer parallel an mehreren Projekten.

Atelier als Experimentierfeld

Das Dreidimensionale hat es ihr besonders angetan, weshalb neben den Skulpturen aus Holz, Metall oder Sandstein auch viele der Gemälde durch Extra-Elemente – etwa Stacheldraht oder eben Kabelhalter – in die dritte Dimension streben. „Ich experimentiere gern mit neuen Materialien. Manchmal funktioniert das, manchmal auch nicht“, sagt Strube.

Ein überlegtes Herangehen, wie in der Wissenschaft, sowie eine Verbindung von Kunst und Technik bescheinigte Rudi Gaidosch vom Erdöl-Erdgas-Museum der Lohnerin bei der Ausstellungseröffnung. Musikalisch umrahmt wurde die Vernissage durch „Piano Pete“ Budden, Gerd Spiegel am Bass sowie der Sängerin Clara Strube, Tochter der Künstlerin. Das Trio präsentierte bekannte Songs aus Pop und Jazz.