Ein Artikel der Redaktion

Wenn der Schulhof Tatort wird Polizei Meppen will Straftaten Jugendlicher verhindern

Von Manfred Fickers | 27.02.2020, 16:47 Uhr

Unruhe hatte es in der Gemeinde Twist gegeben, weil Jugendliche hier auf einem Schulgelände für Ärger sorgten, der zu einem Polizeieinsatz geführt hat. Wenn es um Jugendkriminalität geht, hat die Polizei weit mehr zu bieten, als Streifenwagenbesatzungen, die im Ernstfall eingreifen.

Hartmut Bruns, Sachbearbeiter Kriminalprävention bei Polizeikommissariat Meppen, weist auf die umfangreiche Vorsorge hin, die getroffen wird, um Kinder und Jugendliche von Straftaten abzuhalten und davor zu schützen, selbst Opfer von Übergriffen zu werden. Schon in der Jahrgangsstufe 4 der Grundschulen startet die Medienprävention. Der Polizeihauptkommissar hat die Erfahrung gemacht, dass in diesem Alter viele Kinder ihr erstes Smartphone bekommen, nach dem Übergang zu den weiterführenden Schulen sind fast alle damit ausgestattet. Nicht nur Kinder sind die Zielgruppe, in Elternvorträgen erklärt Bruns, wie ein verantwortungsbewusster Umgang der Mädchen und Jungen mit den sozialen Medien und Internetangeboten erreicht werden kann. "Denn Eltern können ihre Kinder nicht rund um die Uhr überwachen", sagt der Polizist, der selbst Vater ist.

In der Jahrgangsstufe 8 setzen weitere Informationsangebote der Polizei in Verbindung mit den Schulen, dem Amtsgericht Meppen und der Justizvollzugsanstalt Meppen an. Jugendliche können dabei erfahren wie es zu Jugendstrafverfahren kommt und wie diese ablaufen. Dazu gehört die Führung durch die Polizeidienststelle, der Besuch einer geeigneten Gerichtsverhandlung verbunden mit einem Gespräch mit Staatsanwälten und Richtern. Möglich ist außerdem eine Besichtigung der Justizvollzugsanstalt.

Suchtgefahren

Im Blick haben die Schulen ebenso wie die Polizei nicht nur die Mediennutzung, sondern auch Suchtgefahren durch Alkohol und andere Rauschmittel. Die speziell geschulten Präventionsbeamten informieren Jugendliche und ihre Eltern. Eine wichtige Rolle beim Erkennen von Problemen spiele die Zusammenarbeit mit den Schulsozialarbeitern und Beratungslehrern, sagt Bruns.

Sexueller Missbrauch

Für einen besseren Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexuellem Missbrauch arbeitet die Polizei mit dem Landkreis Emsland, dem Kinderschutzbund, der Psychologischen Beratungsstelle, Schulen, Kindertagesstätten, der Schulbehörde, dem St. Vitus-Werk und Jugendhilfeeinrichtungen zusammen. Hier gibt es Projekte für Kinder und Jugendliche. Ebenso breit aufgestellt ist das Angebot des Beratungsstellenparcours für Jugendliche. mit den Partnern Polizei, Landkreis Emsland, Sozialdienst katholischer Frauen, dem Frauen- und Kinderschutzhaus, Donum Vitae, Caritas, Diakonie und dem Kinderschutzbund.

Beim Pilotprojekt CTC (Communities that care) werden unter dem Motto "Die Gemeinde kümmert sich" in Werlte, Sögel, Spelle und Freren Risiken und Chancen für den Schutz von Jugendlichen unter den Zwölf- bis Achtzehnjährigen abgefragt und daraus Verbesserungen für das Umfeld abgeleitet. Inzwischen sind Haren und Meppen einbezogen.

Im Fall in Twist hat es die Polizei nicht bei einem Platzverweis der Jugendlichen belassen, die aus einer Nachbargemeinde stammen. Als bekannt wurde, dass sie sich zu Straftaten verabredeten, gab es eine "Gefährderansprache". Den jungen Leuten wurde in Gesprächen im Beisein der Eltern vor Augen geführt, was sie erwartet, wenn sie ihre angekündigten Taten verwirklichen. Seitdem seien die Jugendlichen nicht wieder auffällig geworden. Bruns erklärte den Schülern und Lehrkräften der Oberschule das polizeiliche Vorgehen, denn dadurch können die Jugendlichen die Ereignisse besser verarbeiten.