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Engländer waren die Ersten Vor 127 Jahren fing Torfindustrie bei Schöninghsdorf an

Von Horst Heinrich Bechtluft | 20.02.2017, 19:24 Uhr

Die Geschichte der Torfindustrie in der Gemeinde ist älter als gedacht. Die Unternehmen Griendtsveen (von 1901) und Klasmann-Deilmann (von 1913) haben mit umfangreichen Festschriften ihres jeweils 100-jährigen Bestehens gedacht.

Historische Vorgängerin war jedoch eine englische Torfstreufabrik, die bereits um 1890 in Schöninghsdorf errichtet wurde.

Es handelte sich um die Gesellschaft „The Peat Industries Syndicate Ltd.“. Diese hatte von Hauptmann Eduard Schöningh, dem Gründer der Moorsiedlung, zunächst eine kleine Fläche von zehn Hektar gepachtet. Es war das Betriebsgrundstück für eine Fabrik zwischen dem Süd-Nord-Kanal und dem ersten Reihenweg. Mit dem Bau der Torfstreufabrik soll im Jahr 1889 begonnen worden sein. Sie lag an einem herausgehobenen Standort im Winkel zwischen dem Süd-Nord-Kanal und dem 1899 fertiggestellten Hoogeveen-Kanal . In der Nachbarschaft wurden Werkswohnungen erstellt. Der Rohstoff Weißtorf wurde auf einer 1896 zusätzlich gepachteten Moorfläche von 610 Hektar etwa zwei Kilometer südlich abgebaut.

Technisch recht fortschrittlich

Die Produktionsanlage im aufwachsenden Schöninghsdorf war nach damaligem Stand technisch recht fortschrittlich. Es gab ein Maschinenhaus, in dem eine Dampfmaschine dröhnte und fauchte. Hydraulische Ballenpressen verdichteten den Weißtorf für den Transport, der per Schiff in die benachbarten Niederlande und nach England ging. Die Nachfrage nach Torfstreu war am Ende des 19. Jahrhunderts in Westeuropa groß. Grund waren die überall anzutreffenden Pferdeställe. Pferde waren noch nicht durch Motorkräfte ersetzt, und die Einstreu mit Torfmull bot gegenüber Stroh erhebliche Vorteile. Nicht zuletzt wirkte der lockere Torf antiseptisch und beugte Hufkrankheiten vor.

1,50 bis 1,80 Mark Tageslohn

Antonius H. Wasser (1905 – 1986), von 1936 bis 1968 Betriebsleiter des Nachfolgeunternehmens Griendtsveen, hatte noch das alte „Cassa-Buch“ der englischen Firma in Besitz. Zu einer Zeit, als Bargeld im Moor äußerst knapp war, hatte die Arbeit für die Torfstreugewinnung erhebliche Bedeutung. So konnte man dem Kassenbuch entnehmen, dass vom 1. Juli 1893 bis zum 31. Dezember 1894 die Summe von 103.800 Mark in Schöninghsdorf ausgezahlt wurde. Der Tagelohn eines Arbeiters betrug damals 1,50 bis 1,80 Mark. Die letzten Auszahlungen erfolgten im Oktober 1898. Im Jahr darauf ist die Firma offenbar in Liquidation gegangen. Einzelheiten dazu sind nicht bekannt.

Gute Verbindungen

Bereits 1893 hatten die Brüder Jozef und Eduard van de Griendt in London die Gesellschaft „The Griendtsveen Moss Litter Cy. Ltd.“ gegründet. Es bestanden demnach gute Verbindungen zum englischen Torfstreumarkt, sodass es nicht verwundern musste, dass Griendtsveen als Nachfolger der ersten Torffabrik in Schöninghsdorf auftaucht. Nach Verhandlungen mit Hauptmann Schöningh übernahmen die Niederländer am 2. April 1901 die Pachtrechte der Engländer. Von der ältesten Fabrik im Gebiet der Gemeinde Twist ist in Schöninghsdorf heute nichts mehr zu entdecken.