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Eine Mustersiedlung feiert 125 Jahre Provinzialmoor in der Gemeinde Twist

Von Manfred Fickers | 09.03.2013, 13:00 Uhr

Ihr 125-jähriges Bestehen feiert in diesem Jahr die Siedlung Provinzialmoor in der Gemeinde Die Bewohner wollen zusammen mit Ehemaligen und Freunden am 22. und 23. Juni das Fest begehen.

Die preußische Provinz Hannover hatte der Gemeinde Fullen 442 Hektar Moorfläche östlich des Süd-Nord-Kanals gegenüber von Schöninghsdorf für 103300 Mark abgekauft. 1887 begannen die Kultivierungsarbeiten, und am 8. Juli 1888 konnte die erste Versuchsplaatze vorgestellt werden. Die mehr als 300 Bauern, die zu dieser Besichtigung kamen, hatten einen guten Grund. Die Provinzregierung wollte Provinzialmoor zu einer Mustersiedlung für die Moorkultivierung mit 42 Plaatzen zu je zehn Hektar machen. Hier experimentierte die Moor-Versuchsstation Bremen. Der Einsatz von Kunstdünger und der Fruchtwechsel wurden im Provinzialmoor erfolgreich vom Wissenschaftler August Salfeld (1835–1904) erprobt und zum Vorbild, nicht nur im Emsland.

1907 bekamen die Pächter der Plaatzen mit der Provinzialstraße eine ganzjährig befahrbare Verbindung nach Schöninghsdorf und Meppen. 1919 wurden die Plaatzen an die Siedler verkauft. Aus Pächtern wurden selbstständige Bauern, die 1920 eine Landwirtschaftliche Bezugs- und Absatzgenossenschaft gründeten.

Schwierig wurde die Lage der Bauern in den 50er-Jahren. Zehn, durch Zukauf bis zu 15 Hektar reichten nicht mehr für einen Vollerwerbstrieb. Deshalb wurden mit Unterstützung durch die Niedersächsischen Landgesellschaft ab 1961 Betriebe ausgesiedelt, sodass die verbleibenden Höfe aufgestockt werden konnten. Zudem schritt die Abtorfung voran und machte mehr Ackerbau möglich. Die Entwicklung in Richtung größerer Betriebe und mehr Ackerflächen hat sich bis heute fortgesetzt.