Heinrich Johann Veltmann Vergessener Moor-Pionier aus Twist neu entdeckt


Twist/Geeste. Wer hat vor 125 Jahren wirklich den Süd-Nord-Kanal durch das Twister Moor gegraben? In der Orts-Chronik von 1977 werden zwei auswärtige Unternehmen, nämlich Arning und Veldtmann, genannt.

Die Namen waren in Twist mündlich überliefert. Tatsächlich aber dürfte es sich um nur ein Unternehmen „Annink & Veltmann“ gehandelt haben. Das haben aktuelle Recherchen des Familienforschers Peter Otto Perseke ergeben. Was den in Rheine lebenden 77-Jährigen elektrisierte: Der Kanalbau-Pionier Heinrich Johann Veltmann war sein Großvater.

Rückblick: Vor vielen Jahren hatte der Twister Josef Reinhard in seinem Häuschen am Schwarzen Weg erzählt, was sein Vater um 1890 als Arbeiter beim Kanalbau erlebt hatte. Dabei war auch der Name der Firma gefallen. „Willst du Geld verdienen, musst du Karre schieben“, sagten die Arbeiter beim Ausgraben des neuen Wasserweges. Ein Vorauskommando zog Gräben in das wilde Moor, das der Kanal demnächst durchschneiden sollte, und entwässerte es so. Erst danach konnte der eigentliche Kanalbau beginnen. Die schwere Arbeit zog sich über den ganzen Tag hin – von morgens 6 bis abends 20 Uhr. Die Angaben der täglichen Lohnsumme schwanken zwischen 70 Pfennig und 3 Mark. Zum Vergleich: Ein Liter Schnaps kostete Ende des 19. Jahrhunderts 50 Pfennig, eine Zigarette 1 Pfennig. Von wegen Schnaps! Einer alten Twister Redensart zufolge soll davon so viel getrunken worden sein, wie schließlich Wasser im Kanal floss.

Süd-Nord-Kanal gebaut

Juniorchef der Arbeiter beim Kanalbau in der Gegend von Twist-Adorf war Heinrich Johann Veltmann. In der Gegend zwischen Hesepertwist und Adorf wurde der Süd-Nord-Kanal in den 1890er Jahren beendet. Offenbar war der 1864 in Binnenborg/Neuenhaus geborene Jungunternehmer bei diesen Arbeiten in einer Firma mit der engsten Verwandtschaft verbunden, eben „Annink & Veltmann“. Seine Mutter war eine geborene Annink. In den Jahren vor 1900 dürfte sein Vater noch dem Familienunternehmen vorgestanden haben. Johann Heinrich Veltmann starb 1899 in Altendorf/Nordhorn.

Entwicklung des Emslandes

Auf jeden Fall war der Sohn Heinrich Johann Veltmann weiterhin einer der Pioniere bei der Entwicklung des Emslandes bzw. der angrenzenden Niedergrafschaft Bentheim. Das Emsland- Moormuseum in Geeste hat eine Informationswand zur Moorkultivierung mit Fotos und farbigen Dokumenten gestaltet. Peter Otto Perseke schaut sich die neuen Tafeln mit Interesse an – und siehe da: Auf einem großen Foto steht tatsächlich sein Großvater vor einer Dampfmaschine im Moor. „Das ist Opa als Chef mit seiner typischen Mütze und mit dem Handstock“, erklärt der Enkel stolz. Das Foto hat allerdings mit dem Kanalbau nicht mehr direkt zu tun. Es dürfte einige Jahrzehnte später um 1930 entstanden sein. Immerhin beweist es, dass Heinrich Johann Veltmann der Moorkultivierung auch in den Jahrzehnten nach 1900 verbunden blieb. Der Moor-Pionier starb 1937 in Lingen, er wurde in Nordhorn bestattet. Sein Enkel hofft, dass weitere Einzelheiten aus dem Wirken des Großvaters zusammengetragen werden können.


0 Kommentare