Fotovergleich 1938 und 2017 Als Torfbagger das Emsland veränderten

Von Tobias Böckermann

Stillgelegt sind inzwischen wohl die meisten Torfbagger im Emsland. Im Emsland Moormuseum und in der Fotosammlung Hermann Reichlings sind sie noch zu sehen.Foto: BöckermannStillgelegt sind inzwischen wohl die meisten Torfbagger im Emsland. Im Emsland Moormuseum und in der Fotosammlung Hermann Reichlings sind sie noch zu sehen.Foto: Böckermann

Geeste. Der Torfabbau im Emsland neigt sich immer schneller seinem Ende zu. Vor 79 Jahren hat der Fotograf Hermann Reichling im Groß Heseper Moor noch einen der damals typischen Torfbagger samt Mannschaft fotografiert. Ein ähnliches Modell ist heute im Emsland-Moormuseum zu sehen.

Sieben Männer blicken schweigend in die Kamera, als der Münsteraner Museumsleiter Hermann Reichling auf den Auslöser seiner Plattenkamera drückt. An einem Tag im Mai 1938 unterbrechen sie kurz ihre Arbeit für diesen Moment des Festhaltens. Auch das Förderband des sogenannten „Sodenablegers“ steht still, denn sonst ergäbe sich angesichts der vergleichsweise langen Verschlusszeit der damaligen Kameratechnik ein verwaschenes Bild.

Mehr als zwei Meter tief ragt die sogenannte Eimerleiter in das Bourtanger Moor hinein und fräst sich, wenn sie in Betrieb ist, langsam vorwärts. Die geschnittenen Torfsoden werden nach oben transportiert und entweder dort zum Trocknen abgelegt, vermutlich aber über ein Förderband weitertransportiert und per Moorbahn abgefahren.

Ansgar Becker vom Emsland Moormuseum in Groß Hesepe ist Fachmann auf dem Gebiet der Torfbagger. Ihm kommt die Aufnahme Reichlings ungewöhnlich vor, „zumindest die Datierung“. Denn eigentlich waren Torfbagger der Oldenburger Firma Wielandt, und als solchen hat er den Bagger auf dem Foto identifiziert, „ 1938 kaum noch im Einsatz.“

Zwei Systeme

„Damals hatte sich schon das System Strenge durchgesetzt“, sagt Becker. Denn Bagger aus dem Hause Strenge besaßen einen günstigeren Schwerpunkt, jene von Wielandt legten das Hauptgewicht auf die Eimerleiter und liefen stets Gefahr, ins Moor zu kippen. „Möglicherweise ist das Foto aus der Sammlung Reichling einfach nur falsch datiert. Vielleicht war aber auch tatsächlich noch ein solcher Bagger im Einsatz.“

Die Wochenzeitung „Die Zeit“ kannte wenig später, im Jahr 1947, allerdings auch Vorteile des Wielandt-Systems. Es hinterließ einen schrägen Anschnitt der Torfkante und „keine Wüste“ wie andere Fabrikate. Damals wollte Nachkriegsdeutschland die Torfproduktion deutlich steigern, um so Material für das Heizen von Wohnungen und Brennstoff für die Industrie zu gewinnen. Ein Bagger leistete mit drei Arbeitern eine Jahresproduktion von 12000 bis 15000 Tonnen Torf, was bis zu zehn Hektar Moor entsprach.

Im Emsland Moormuseum kann man im Jahr 2017 zwar keinen Wielandt-Bagger, dafür aber einen von Strenge besichtigen. Dieses aus den 1950er Jahren stammende Modell war mit bauähnlichen Maschinen noch bis vor wenigen Jahren im Emsland im Einsatz. Heute sind sie nicht mehr zu sehen.