Serie Straßennamen Hermann Flensberg Wegbereiter für Twister Siedlungen

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Twist. Die Gemeinde Twist hat Hermann Flensberg mit einer Straßenbenennung gewürdigt. Durch die Vermessung des Twists und die Einteilung des Geländes in Parzellen hat er die Voraussetzung für die 1788 entstandenen Siedlungen Hesepertwist und Rühlertwist geschaffen.

Flensberg (1750 - 1824) war Offizier und „Geschworener Landesingenieur“, Kartograf und Verfasser von landeskundlichen Schriften über das Niederstift Münster und den westfälischen Reichskreis, zu dem bis 1803 das Emsland gehörte. 1770 trat er in das Fürstbischöflich-Münsterische Infanterie-Regiment „Schaumburg-Lippe“ ein.

Leiter der Grenzkommission

Flensberg war von 1772 bis 1788 mit der Vermessung und Festlegung der Grenzen des Niederstifts Münster im Auftrag der Fürstbischöfe Maximilian Friedrich, Reichsgraf von Königsegg-Rothenfels (1708 - 1784) und Maximilian Franz von Österreich (1756 - 1801), befasst. 1778 wurde Flensberg Leiter der Grenzkommission des Fürstbistums Münster bei den Verhandlungen mit den Generalstaaten der Republik der Vereinigten Niederlande auf der Basis des Grenzvergleichs von 1764. Im Grenzvergleich vom 11. Oktober 1784 ist der seitdem mit geringen Abweichungen geltende Verlauf der gesamten Westgrenze des heutigen Landkreises Emsland festgelegt. Basis sind unter Beteiligung von Flensberg erstellte Karten.

Grenzfestsetzung

Von 1780 bis 1787 war Flensberg mit der Grenzfestsetzung zwischen dem Niederstift Münster und dem Herzogtum Oldenburg befasst. 1781 schloss Flensberg seine Vermessungsarbeiten an der Hase in den Ämtern Cloppenburg und Fürstenau ab. Seine Karte wurde zur Grundlage des Grenzabkommens zwischen den Fürstbistümern Münster und Osnabrück zu Groß Arkenstedt vom 31. August 1781.

Er lieferte in einem Brief „über die Localbeschaffenheit des Niederstifts Münster“ an den Osnabrücker Staatsmann Justus Möser (1720 - 1794) eine wirtschaftliche Zustandsbeschreibung dieses Gebiets. Dieses Schreiben wurde 1781 veröffentlicht im „Göttingisches Magazin der Wissenschaften und Litteratur“. Herausgeber des Magazins waren der Universalgelehrte und Professor der Universität Göttingen, Georg Christoph Lichtenberg (1742 - 1799 in Göttingen) und der Schriftsteller und Naturforscher Georg Adam Forster (1754 - 1794).

14 Kolonien

Nach 1784 war Flensberg Mitglied der Kommission, die im Niederstift Münster bis 1788 Ödlandflächen kartierte, und 14 Kolonien bestehend aus 17 Siedlungsplätzen mit 341 Plaatzen anlegte. Ziel war hauptsächlich die Sicherung der inzwischen festgelegten Grenzen in Ödlandgebieten durch Ansiedlungen. Aber es sollte wohl auch der wachsenden Unzufriedenheit im ärmeren Teil der Bevölkerung ein Ventil gegeben werden. Flensberg ist Verfasser eines Plans zur Schiffbarhaltung und Bedeichung der unteren Ems, durch den 1788 Neudörpen entstanden ist.

Moorkultivierung

Trotz der sich rasch ändernden politischen Verhältnisse setzte er sich jahrzehntelang in Büchern und Denkschriften für die Moorkultivierung ein. Er schlug vor, dass die Moorsiedler durch systematische Trockenlegung, Besandung und Düngung des Hochmoors die Voraussetzung für eine Grünlandwirtschaft schaffen sollten. Das Moorbrennen sah er kritisch. Aber ohne eine staatliche Unterstützung war eine solche Umwandlung von Hochmoor in Grünland nicht möglich, erst 100 Jahre später wurde sie mit der Deutschen Hochmoorkultur im Provinzialmoor (heute Gemeinde Twist) verwirklicht.

1792 wurde Flensberg Taktiklehrer für das Militär-Institut in Münster. Seit dem 1799 war er General-Adjutant bei Generalmajor Clemens August von Nagel zur Loburg (1748 - 1828). Mit der Auflösung des Fürstbistums 1803 wurde er pensioniert.

Erschließung des Emslandes

Er befasste sich weiterhin mit der Erschließung des Emslandes, unter anderem in seinem Buch „Westfalen in Hinsicht seiner Lage und deren Folgen“, erschienen 1817. Hierin schildert Flensberg die Wirtschaft der Heidebauern auf dem Hümmling und die Landwirtschaft in den Mooren. In einer langen Fußnote des Buches beschreibt er Beobachtungen beim Deichbau in Nenndorf bei Aschendorf. Hier analysierte er die dort gemachten Funde von Hölzern unter einer dicken Schlickschicht und schließt daraus auf eine Naturkatastrophe, bei der die Nordsee das Land bis in das Gebiet von Nenndorf überflutet hat. Aus der Zusammensetzung der Holzarten folgerte er, dass es seinerzeit ein wärmeres Klima gab als gegenwärtig. Es ist wahrscheinlich die erste archäologische Untersuchung im Emsland auf der Basis naturwissenschaftlicher Erkenntnisse.


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