Tribute-Band nah am Original Purple Rising entfachen „Smoke On The Moor“ in Twist

Von Gerd Mecklenborg

Die Jungs von Purple Rising gaben alles und kamen ihren Vorbildern ganz, ganz nah. Foto: Gerd MecklenborgDie Jungs von Purple Rising gaben alles und kamen ihren Vorbildern ganz, ganz nah. Foto: Gerd Mecklenborg

Twist. Kurz vor dem Konzert der Deep-Purple-Tribute-Band „Purple Rising“ hatte sich vor dem Heimathaus Twist noch eine lange Schlange Kurzentschlossener gebildet, die für ein fast volles Haus beim grandiosen Hardrock-Spektakel sorgten.

Es hat sich gelohnt, denn die deutschen Purples machten ihren großen Vorbildern – als deren wohl beste Covervariante – alle Ehre.

Die Illusion ist schlichtweg perfekt. Majestätisch „thront“ die C3-Hammond-Orgel von John Lord mit zwei rotierenden Leslie-Maschinen auf der fast zu kleinen Bühne, und als die Band mit „Speed King“ powervoll los legt, donnert knackig der Bass von Roger Glover aus den Marshall-Boxen, brillant stechend reiht sich Ritchie Blackmores virtuoses Gitarrenspiel ein und präzise, aber immer nach vorne treibend, geben die Drums von Ian Paice das Tempo vor. Fehlt nur noch die in allen Höhen schallende Stimme von Ian Gillan, dem Frontmann der legendären englischen Rockband, und der lässt sich auch nicht lange bitten und singt sich schnell in Bauch, Mark und Bein der vom ersten Takt an begeisterten Rockfans.

Weltbekannte Rockklassiker

Nur: Es stehen nicht die Deep Purple der frühen 70er auf der Bühne, sondern Andreas König an der Hammond-Orgel, Dominik Stotzem am Bass, Reik Muhs mit seiner Fender Strat Gitarre, Stefan Deissler am Schlagzeug und Sänger Patrick Sühl vorm Mikrofon. In Perfektion werden weltbekannte Rockklassiker mit ekstatischer Dynamik zelebriert, die Reminiszenz ist eine totale. Nach den sehr rockigen Tracks „Stormbringer“, „Knocking At Your Back Door“ und „Bloodsucker“ stimmt Andreas König an der Hammondorgel mit drei ins Mark gehenden Akkorden die erste Gänsehautnummer an. „Child In Time“, Masterpiece und gesangliche Herausforderung für Ian Gillian und natürlich für Patrick Sühl.

Auditorium verbeugt sich

Die Illusion ist auch musikalisch perfekt, das Auditorium verbeugt sich. Mit „Fools“ kommt etwas für echte Purple-Kenner. „Lazy“ kommt obercool rüber und mit „Highway Star“ schicken die fünf Vollblutmucker ihre Fans in die Pause.

Fast schon unheimlich authentisch geht es dann im zweiten Set weiter. Grandios, wie sich Reik Muhs mit der Fender-Strat und Andreas König an der C3-Hammond-Orgel und dem analogen Synthesizer immer wieder die legendären musikalischen Deep-Purple-Duelle liefern. Muhs liefert eine geniale Kombination des Blackmore-Stils mit dem vom Ritchies Nachfolger Steve Morse ab. „Space Truckin‘“ oder „Black Night“ sind die besten Beispiele für diese Instrumentenduelle und eingestreuten Soli, die nicht mehr enden wollen. „Old School“ pur, ganz so wie in den 70ern halt. Das passte und begeisterte.

„Made in Japan“ lässt grüßen

Und dann der Sound: Das legendäre Deep-Purple-Live-Album „Made in Japan“ lässt grüßen. Alle haben es drauf, ganz wie ihre Vorbilder. Ein Sonderlob für Patrick Sühl, der neu in die Band eingestiegen ist, denn der macht tatsächlich Ian Gillian mit seinen Tönen in den höchsten Höhen echte Konkurrenz.

Nach „Black Night“ kommt der Zugabenblock. Das ganze Heimathaus bebt bei „Perfect Strangers“, und bei „Smoke On The Water“ gibt es natürlich kein Halten mehr. Klasse! Ein Abend voller Hardrock-Nostalgie, den die Deep-Purple-Fans so schnell nicht vergessen werden.