Ein Hochmoordorf blüht auf Twist ehrt Hermann Nottberg mit Straßennamen

Von Manfred Fickers


Twist. Ihren Ehrenbürger Hermann Nottberg hat die Gemeinde Twist 2008 mit der Namensgebung der Verbindung zwischen Auf dem Bült und Schwarzer Weg geehrt.

Die Bürgermeister-Nottberg-Straße erinnert an ein „Urgestein der emsländischen Kommunalpolitik“, wie der frühere Landrat Hermann Bröring den von 1946 bis 1981 in Kreistagen tätigen Hesepertwister nannte. Als „kenntnisreich, einfallsreich und hartnäckig bei der Erreichung politischer Ziele“ hat ihn ein anderer langjähriger Weggefährte, der frühere Bundesminister Rudolf Seiters beschrieben. Nottberg war über sein Ehrenamt als Bürgermeister (1948 bis 1976) und Kreistagsmitglied hinaus von 1967 bis 1974 Landtagsabgeordneter.

Als Nottberg am 18. Juli 1911 als Sohn eines Landwirts in Hesepertwist geboren wurde, schien eine solche politische Karriere undenkbar. Der Tod des Vaters 1915 im Ersten Weltkrieg stellte die Familie vor eine existenzielle Herausforderung. Nach dem Abschluss der Volksschule Hesepertwist folgten zwei Jahre an der Landwirtschaftsschule Meppen und eine Fortbildung an der Landvolkhochschule, bevor er den elterlichen Hof mit Flächen in Hesepertwist und Adorf übernahm. Von 1939 bis 1945 war er Soldat, nach seiner Rückkehr aus kurzer Kriegsgefangenschaft engagierte er sich politisch.

Eintritt in die CDU

Als Kreistags- und Gemeinderatsmitglied trat Nottberg 1947 in die CDU ein. 1948 wurde er zum Bürgermeister von Hesepertwist gewählt. Es zeigte sich, dass die kleinen Gemeinden im und am Bourtanger Moor auf sich gestellt mit den notwendigen Veränderungen überfordert waren. Nottberg setzte auf Zusammenarbeit, knüpfte und pflegte Kontakte zu allen Nachbargemeinden in den Kreisen Meppen und Grafschaft Bentheim, sogar mit der niederländischen Gemeente Schoonebeek. Es mangelte an Wohnungen, Straßen, Wasserversorgung, Gesundheitsfürsorge und Einkaufsmöglichkeiten, Schulen waren überfüllt. Die Landwirtschaft der Region war nicht konkurrenzfähig und für die Vertriebenen aus den früheren deutschen Ostgebieten fehlte es trotz der Ölfunde im Emsland und in Schoonebeek an Arbeitsplätzen.

Durch die enge Zusammenarbeit mit den Nachbargemeinden konnten die Fördermöglichkeiten durch den Emslandplan ab 1950 gut genutzt werden. Die Strukturprobleme der Landwirtschaft gingen die Moorgemeinden mit der Gründung des Dränverbandes Twist an, dessen Vorsitzender Nottberg von 1951 bis 1967 war. Mit der Firma Wavin holte Nottberg 1956 Industrie ins Dorf und damit die benötigten Arbeitsplätze. Nebenbei konnten mit den Wavin-Kunststoffröhren der Mangel an sauberem Trinkwasser beseitigt werden.

Gemeindereform

Das Problem mit den kleinen, überforderten Gemeinden war der Landesregierung Niedersachsen bekannt. Sie förderte freiwillige Zusammenschlüsse. Zuerst vereinigten sich 1964 Hesepertwist mit Rühlertwist zur Gemeinde Twist, neuer Bürgermeister wurde Nottberg. 1968 trat Schöninghsdorf zur Gemeinde hinzu. 1974, bei der vom Land durchgesetzten Kommunalreform schlossen sich Adorf und Neuringe aus der Grafschaft Bentheim, Hebelermeer, Rühlermoor und Rühlertwist aus dem Kreis Meppen an. 1976 gab Nottberg das Amt des Bürgermeisters an Josef Egbers ab. Das Überschreiten der gesetzlichen Rentenaltersgrenze, damals 65 Jahre, war für ihn Anlass, seine Ehrenämter nach und nach an jüngere Leute abzugeben.

1972 hatte Nottberg das Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland erhalten. Die Gemeinde Twist ernannte ihren ehemaligen Bürgermeister 1981 zum Ehrenbürger. Josef Egbers hat die Leistung seines Vorgängers bei dessen 90. Geburtstag 2001 auf die Formel gebracht: „Du hast dafür gesorgt, dass aus der armseligen Hochmoorgemeinde ein blühendes Gemeinwesen geworden ist.“ Nottberg starb am 30. Oktober 2006.


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