Konzert mit Jane Lee Hooker und Layla Zoe In Twist wird Bluesrock zur Frauensache

Von Tim Gallandi


Twist. Bluesgetränkten Rock‘n‘Roll in unterschiedlichen Spielarten – von schleppend bis temporeich – haben die Besucher des Twister Heimathauses am Samstag erlebt. Und das im Doppelpack, denn mit Jane Lee Hooker und Layla Zoe & Band knieten sich gleich zwei Combos in die Darbietung eben dieser Musik.

Mal daherfantasiert: Was kommt heraus, wenn man die Energie von Led Zeppelin mit der Wucht von Mountain, der Boogie-Manie von Canned Heat und der Jam-Vernarrtheit von Cream kreuzt – und diese Fusion von Stimmen ergänzen lässt, die durch die Janis-Joplin-Schule gegangen sind? Wer Zeuge des jüngsten Konzertabends in Twist wurde, hätte eine Antwort parat. Oder sogar zwei, denn der Stil beider Bands, die unter dem Titel „Double Trouble“ gemeinsam auf Europatournee sind, lässt sich weitgehend wie beschrieben definieren.

Im Publikum mögen die Männer in der Mehrzahl gewesen sein, auf der Bühne waren sie am Samstag nur zu einem Drittel vertreten, nämlich durch die drei Begleitmusiker Layla Zoes. Ansonsten war der Bluesrock diesmal eine rein weibliche Angelegenheit.

Los ging es mit Jane Lee Hooker. Namentlich verneigen sich die fünf New Yorkerinnen vor Blues-Altmeister John Lee Hooker, musikalisch nennen sie als prägende Einflüsse unter anderen Howlin‘ Wolf und Johnny Winter, dem sie mit dessen „Mean Town Blues“ huldigten.

Mit goldenem Mikrofon

Im Heimathaus umfasste ihr Set überwiegend Stücke ihres 2016 erschienenen Debütalbums „No B!“. Highlights bildeten der geradlinige Rocker „Wade In The Water“ sowie die Muddy-Waters-Nummer „Champagne And Reefer“. Später ließen sie die Fans langer Instrumentalpassagen anerkennend mitnicken, als sich die Leadgitarristinnen Hightop und Tina „T-Bone“ Gorin ein regelrechtes Duell lieferten.

Das Quintett schwelgt offenbar in den 70ern, was sie durch einige Retro- oder sogar Vintage-Accessoires unterstrichen: Ein uralter Fender-Verstärker und der weiße, fransenbesetzte Ständer des goldenen Mikrofons von Sängerin Dana „Danger“ Athens wiesen in die goldene Ära des Bluesrock (oder eher Glamrock).

Facettenreiche Show

Schauwerte hatten anschließend auch Layla Zoe und ihre Band zahlreich parat. Das gründete einerseits in der Präsenz der kanadischen Sängerin: Unermüdlich wirbelte sie über die Bühne, ging hier und da auf Tuchfühlung zum Publikum und ließ beim Rock-Riff von „Pull Yourself Together“ ihre Mähne fliegen wie ein Metalhead in Wacken. Dass sie dazu auch zur Luftgitarre griff, rundete hier die Showeffekte ab. Gegen Ende des Gigs setzte ihr Gitarrist Jan Laacks, der sein Instrument hinter dem Kopf spielte, noch einen drauf.

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Layla Zoe ist Ende 30, hat bislang zehn Alben veröffentlicht und wurde 2016 von der Jury des European Blues Award als beste Sängerin ausgezeichnet. Zu ihren Idolen zählt Janis Joplin, deren Konterfei auf ihrem rechten Unterarm verewigt ist – als eines von vielen Tattoos, die Layla Zoe mit sich herumträgt. Stimmlich ist sie nicht ganz so reibeisenrau unterwegs wie die Hippie-Legende, energiegeladen ist ihr dunkles Timbre gleichwohl.

Musikalisch schlugen sie, Gitarrist Laacks, Christoph Hübner am Bass und Claus Schulte am Schlagzeug manche Haken. Bei „Workhorse“ streute die Band nach Living-Colour-Manier Elemente des Funk ein, mit „Why Do We Hurt“ gab es einen Ausflug ins Countryland. Und „Sweet Angel“, ein Song, den sie für eine 2010 verstorbene Freundin geschrieben hat, zeigte Layla Zoe von einer leisen, melancholischen Seite. Vielfalt und Kurzweil also, die auf den gesamten Konzertabend zutrafen.


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