Vorfahren von Bernard Feringa Emsländer Nobelpreisträger mit emsländischen Wurzeln

Von Carola Alge und Bernd Robben

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cw/bro Twist. Chemie-Nobelpreisträger Bernard Feringa hat deutsche Wurzeln. Nahe Verwandte kommen aus Twist-Hebelermeer.

Der Niederländer Gerard Steenhuis beschäftigt sich seit Jahren insbesondere mit der Entstehungsgeschichte der Ortschaft Barger Compascuum kurz der deutsch-niederländischen Grenze. Dort wurde Feringa als Sohn des Landwirts Geert Feringa und dessen Ehefrau Lies Feringa bekanntlich 1951 geboren. Zu seinen Vorfahren zählt der Moorpionier Johann Gerhard Bekel.

Typisch deutsche Nachnamen

Steenhuis hat sich in bisher zwei Büchern vor allem Familiengeschichten der heutigen Bewohner des niederländischen Dorfes gewidmet. Schon beim ersten Durchblättern der beiden Veröffentlichungen fallen die typisch deutschen Nachnamen vieler Einwohner auf. Auf dem Friedhof in Barger Compascuum trägt weit über die Hälfte der Grabsteine einen deutschen Namen. Der angegliederte frühere Friedhof aus dem 19. Jahrhundert ist ausschließlich mit deutschstämmigen Verstorbenen belegt.

Wehrdienstpflicht schreckte ab

Forschungsergebnisse belegen, dass der Grund für die starke Besiedlung insbesondere von Barger Compascuum durch ehemals benachbarte Emsländer einen einfachen Grund hat: Ab 1866, als Preußen das Emsland von Hannover übernahm, wurde es „ernst“ für die Grenzbewohner. Die dreijährige Wehrdienstpflicht schreckte enorm ab, und man zog in die unbewohnte Gegend nach Holland. Bei der späteren systematischen Erschließung der niederländischen Moorgebiete durch die Fehnmethode fanden sie vergleichsweise gute Arbeitsplätze.

Moorsiedlungen im Emsland

Ganz anders war es in ihren Herkunftsdörfern wie Twist, Rütenbrock und 20 weiteren Moorsiedlungen im emsländischen Raum, die in der Mehrzahl im Jahre 1788 gegründet wurden. Hier wurde mit der sehr viel uneffektiveren Moorbrandkultur gearbeitet, die fast ausschließlich auf den Anbau von Buchweizen angewiesen war. Die bearbeiteten Flächen im unwirtlichen Moor waren schon nach weniger als zehn Jahren verbraucht. Die Menschen mussten weiter ziehen.

In Barger Compascuum gut bekannt

Nobelpreisträger Ben Feringa ist in Barger Compascuum gut bekannt, denn er wurde auf einem Bauernhof im nördlichen Teil des Ortes geboren. Dort wuchs er mit neun Geschwistern auf. Die Hofstelle liegt 700 Meter von der deutsch-niederländischen Grenze entfernt etwa in Höhe der Mitte zwischen den deutschen Orten Fehndorf und Twist-Hebelermeer. Die Mutter des Chemikers stammt aus der Familie Hake, die ihren Ursprung in Hebelermeer hat. Auch väterlicherseits sind deutsche Vorfahren nachzuweisen, wenn auch der Name Feringa ursprünglich auf Groningen hinweist.

„Etwa 80 Prozent der Vorfahren stammen aus dem deutschen Emsland und sind katholisch, eher eine Ausnahme im weitgehend protestantischen Holland“, kommentiert Steenhuis die Abkommenschaft des niederländischen Nobelpreisträgers für Chemie.

Molekülforscher

Für die Entwicklung der kleinsten Maschinen der Welt hatte der Molekülforscher gemeinsam mit Jean-Pierre Sauvage, James Fraser Stoddart und Bernard Feringa den Chemie-Nobelpreis 2016 erhalten. Die drei haben aus nur wenigen Molekülen unter anderem eine Art Lift, künstliche Muskeln und ein Mini-Auto hergestellt. Die Juroren der Königlich-Schwedischen Akademie würdigten die Arbeit der Forscher als „Vordringen in eine neue Dimension der Chemie.“ Feringas Motto: „Sieh zu, dass die Leute Deine Forschung auch begreifen!“


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