Kostenloser Urlaub für die Familie Florian tankt neuen Lebensmut im Zirkushotel Twist

Von Ann-Christin Fischer

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Twist. Seine Mut-Kette hat Florian Schäfer aus Sendenhorst bei Münster selbst auf dem Ponyhof Niers in Twist dabei. Genau wie seine Mütze, denn wenn die Sonne zu sehr scheint, könnte er sich ohne Schutz die Glatze verbrennen. Der Fünfjährige hat Leukämie.

„Gerade geht es ihm gut“, sagt seine Mama Sandra (39) und blickt zu ihrem Sohn. Der hat gerade etwas ganz anderes im Kopf. „Komm, wir holen das Boot“, ruft er Jürgen und Insa Müller-Popken zu. Die beiden sorgen gerade dafür, dass es Florian so gut geht. Und gleichzeitig schenken sie seinen Eltern Sandra und Sven (47) ein bisschen Freizeit.

„Ich kann gar nicht glauben, dass sich jemand so rührend kümmert. Seit Januar hat sich unser komplettes Leben verändert, alles dreht sich“, meint Florians Mutter und erinnert sich an die vergangenen Monate, die die härtesten ihres Lebens waren. Die Münsteraner sind nicht zufällig ins Emsland gekommen. Seit Juli sind sie die achte Familie, die Zeit im Zirkushotel von Heinz Gert und Dini Niers verbringen.

Durch Spenden finanziert

Jürgen Müller-Popken ist Initiator und Organisator des Projekts Zirkuswagen. Was es damit auf sich hat? „Familien mit kranken Kindern können hier einen kostenfreien Urlaub verbringen. Es gibt die, die nach einer Chemo kommen und auch die, die nur noch palliativ bei uns Zeit verbringen. Für uns ist es wichtig, dass die Familien hier ein paar gute Tage verbringen und für einen Moment das vergessen, was sie gerade durchmachen. Alles durch Spenden finanziert“, erklärt Jürgen Müller-Popken.

Florian fährt gerne Kutsche und Boot. Aus Weißtorf bauen sie Häuser, spielen auf dem Hof, erzählen sich Geschichten, grillen und angeln. Es sei ein ganz komisches Gefühl, Florian kurz loszulassen, erzählt seine Mutter. „Seit der Diagnose hängen wir nur noch aufeinander, ich habe meinen Job gekündigt, um für ihn da zu sein.“

Aus dem Kreis des Kümmerns ausbrechen

Die Angst, ihn zu verlieren, sei immer gegenwärtig. Darum haben sie und ihr Mann sich fast Sorgen gemacht, als Florian direkt nach der Ankunft verschwunden war. „Wir wussten, dass er mit Insa und Jürgen weg ist. Aber sogar mehrere Stunden, das war merkwürdig und wir wussten nicht, was wir mit der freien Zeit anfangen sollten.“

Genau das ist ein Teil des Konzeptes von Insa und Jürgen Müller-Popken. „Die Eltern und anderen Geschwisterkinder sollen aus ihrem Kreis des Kümmerns ausbrechen. Wenn sie hier sind, übernehmen wir das.“ Beide kommen aus dem Theaterbereich, dementsprechend verlassen sie auch mit den Kindern die Realität. „Wir bauen Geschichten auf, die die Kleinen begleiten. Es soll ein Abenteuer sein.“

Flucht aus der Routine

Gleichzeitig möchte das Paar eine Sache betonen: „Wir sind keine Therapeuten, keine Ärzte.“ Das Zirkushotel ist eine Flucht aus der normalen Routine. Dafür ist Familie Schäfer sehr dankbar. „Im Alltag kann uns keiner helfen, Freunde haben sich abgewandt und die Besuche von Florians Freunden werden auch weniger. Er verpasst gerade einen Teil seiner Kindheit und das tut sehr weh“, verrät Sandra Schäfer und sagt mit Tränen in den Augen: „Wir hoffen einfach, dass die anderthalbjährige Therapie jetzt hilft.“

Wenn nun alles gut gehe, gelte er in fünf Jahren als geheilt. Zu Hause in Sendenhorst wird sich Florian immer an das Zirkushotel erinnern. An seiner Mut-Kette baumelt nach dem Urlaub eine blaue Perle, in der Mitte ein orangefarbener Punkt. „Das bedeutet, dass es eine gute Erinnerung ist“, sagt der tapfere Junge. Sie lassen ihn die grünen Chemo- und Bluttransfusionen-Perlen kurz vergessen.


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