Ein Denkmal des Widerstands Erinnerung an Paul Lejeune-Jung auf dem Friedhof in Twist

Von Horst Bechtluft

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Twist. Wäre das Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 geglückt, dann wäre Dr. Paul Lejeune-Jung Wirtschaftsminister einer neuen Reichsregierung geworden. Auf dem Friedhof Twist-Bült erinnert ein Gedenkstein an den von den Nazis ermordeten konservativen Katholiken. Warum gerade hier?

Das Denkmal ist Teil einer Grabanlage der Familie des unvergessenen Twister Dorfarztes Dr. Bernhard Brinkmann (1922 – 1985). Dessen Ehefrau Elisabeth war die Tochter von Lejeune-Jung. Ihr Vater gehörte zum erweiterten Kreis der Stauffenberg-Gruppe, die am 20. Juli 1944 das Attentat auf Adolf Hitler verübte.

Lejeune-Jung war Geschäftsführer des Vereins Deutscher Zellstofffabrikanten und von 1924 bis 1930 Mitglied des Reichstages. Er hatte für die Zeit nach erfolgreicher Beseitigung der NS-Diktatur ein wirtschaftspolitisches Konzept entwickelt und war als Minister im Reichskabinett nach Hitlers Entmachtung vorgesehen.

Nach dem Scheitern des Attentats wurde Paul Lejeune-Jung am 11. August 1944 verhaftet. Die Hauptverhandlung gegen ihn und andere vorgesehene Mitglieder einer zukünftigen Reichsregierung fand am 7. und 8. September 1944 vor dem Nazi-Volksgerichtshof statt. Er wurde zum Tode verurteilt und noch am selben Tag zusammen mit fünf anderen Verurteilten in Berlin-Plötzensee in einer Drahtschlinge erhängt. Nachfragen der Familie ergaben später, dass der Leichnam auf Befehl Hitlers im Krematorium Wedding eingeäschert und die Asche an einem unbekannten Ort verstreut wurde.

Widerstand gegten Naziterror

Seine Frau Hedwig Lejeune-Jung geborene Folttmann verstarb 1965 im Haus der Tochter in Twist und wurde auf dem dortigen Friedhof bestattet. Das Denkmal, welches auf ihrem Grab durch den bekannten Bildhauer Paul Brandenburg errichtet wurde, sollte zugleich an den toten Ehemann und an dessen Widerstand gegen den Naziterror erinnern. Der Künstler wählte das Motiv „Jonas, aus dem Walfisch steigend“ als Symbol christlicher Auferstehungs-Hoffnung. Zusammen mit der Erinnerungstafel für Dr. Paul Lejeune-Jung könnte das Denkmal auf dem Twister Friedhof ebenso als ein Symbol der nach 1945 wieder auferstandenen Demokratie betrachtet werden.

Gedenken in Plötzensee

Die heute in Cloppenburg lebende Lehrerin im Ruhestand Rita Moormann, geborene Brinkmann, erinnert sich: „Am Ende ihres Lebens wohnte meine Großmutter noch vier Jahre in meinem Elternhaus in Twist. Als sie starb, war ich 15 Jahre alt. Sie hat nie von den damaligen Ereignissen erzählt. Ich nahm als 19-Jährige zusammen mit meinem Bruder Peter 1969 zum ersten Mal an einer Gedenkfeier in Plötzensee teil. Als ich die Haken in der Hinrichtungsstätte sah, dachte ich: Mein Gott, hier hat man meinen Großvater aufgehängt!“. – 2014 wurde vor dem großväterlichen Wohnhaus in Berlin ein „Stolperstein“ zur Erinnerung an den überzeugten Christen und Widerständler Dr. Paul Lejeune-Jung gesetzt. Eine Erinnerung, die sich auf dem Friedhof Twist-Bült erst auf den zweiten Blick eröffnet.


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