Erdölsucher rütteln und horchen In der Gemeinde Twist wird der Untergrund erkundet

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Twist. Noch bis zum März erkunden Messtechniker den Untergrund im Bereich zwischen der Ems und der niederländischen Grenze, um genauere Erkenntnisse über die hier befindlichen Erdölvorkommen zu erhalten. Betroffen sind Teile der Stadt Meppen und der Gemeinden Geeste und Twist.

Der Auftraggeber, die Engie E & P Deutschland, Lingen, hat den Bürgermeister der Gemeinde Twist, Ernst Schmitz und Ratsmitglieder eingeladen, sich ein Bild von den Arbeiten zu machen . Denn ein großer Teil der Gemeinde Twist wird untersucht, die Messungen finden auch in Wohn- und Gewerbegebieten statt. Im Mittelpunkt der Untersuchungen stehen die Erdölfelder Annaveen, Rühlertwist und Rühlermoor , wo die Engie (bis zum 10. Februar 2016 GdF-Suez E & P Deutschland) zusammen mit dem Partner ExxonMobil in den kommenden Jahren ihre Anlagen erneuern will. Dafür benötigen sie ein genaues Bild des Untergrunds, das mittels der 3D-Seismik-Technik gezeichnet werden soll. Mit diesem Modell können die für den weiteren Betrieb der Ölfelder notwendigen Bohrungen präziser niedergebracht werden.

Der Projektleiter Seismik der Engie, Matthias Körbe, erläuterte die Messtechnik. Schallwellen werden in den Untergrund ausgestrahlt, ihre Reflexionen mit Erdmikrofonen (Geofone) aufgenommen. Aus dem Schallwellenverlauf, können Fachleute in komplexen Berechnungen bis zum Jahresende ein dreidimensionales Modell des Verlaufs der Erdschichten erstellen. Dafür seien im Untersuchungsgebiet gut ein Terabyte (1000000000000 Byte) Datenmenge nötig, die aus circa 8000 Messpunkten gewonnen wird.

Das Messgebiet weist auch für erfahrene Fachleute eine Menge Besonderheiten auf. Es mussten Absprachen mit dem Torfabbaubetrieb Klasmann-Deilmann GmbH getroffen werden, ebenso mit Landwirten und anderen Grundeigentümern. Auf Abstand zu Ställen wird geachtet, um das Vieh nicht zu beunruhigen, sagt Körbe. Naturschutzgebiete, zu denen wiedervernässte Hochmoorstücke gehören, sind bei der Festlegung der Messpunkte ausgespart worden. In stetiger Abstimmung mit den Naturschutzbehörden werden die Aufenthaltsorte von Zugvögeln respektiert. Dennoch muss mit Beginn der Brut- und Setzzeit im März die Messkampagne außerhalb von Siedlungsgebieten abgeschlossen sein. Und das obwohl durch die Regen- und Schneefälle das Wasser auf vielen Äckern und Wiesen steht. Deshalb sind alle froh über trockene Tage.

Dort, wo sich Äcker und Wiesen befinden, werden mit Erlaubnis der Grundeigentümer kleine Sprengladungen von 120 bis 220 Gramm zehn bis 15 Meter tief in den Boden gedrückt. Nach oben hin werden die Löcher mit quellfähigem Ton (Bentonit) abgedichtet, damit nichts herausschießen kann. An der Erdoberfläche wird auf jedem Loch ein Deckel als Wildschutz angebracht, damit sich kein Tier die Beine im Loch brechen kann, erläutert Körbe. Im Messfeld werden Geofone ausgelegt, welche die aus 500 bis 1500 Metern Tiefe reflektierten Schallwellen aufnehmen sollen. Die Aufnahmen werden über Kabel einem Messfahrzeug zugeleitet und aufgezeichnet. Im Bürocontainer im Euro-Industriepark in Meppen gibt es danach eine Kontrolle und Zusammenfassung der Daten vor der Auswertung.

Wo Straßen und Wege vorhanden sind, nutzt man Vibroseismik-Fahrzeuge, die über Rüttelplatten Schallwellen in die Tiefe senden. Zu Beginn eines solchen Vorgangs sind neben den Fahrzeugen Erschütterungen spürbar, die denen von Erdverdichtungsgeräten ähneln. Die Techniker verfügen über solche Fahrzeuge in drei Größen, um auch dort arbeiten zu können, wo es eng ist oder Rücksicht auf Gebäude und gewerbliche Anlagen genommen werden muss.

Die Engie E & P arbeitet beim 3D-Seismik-Projekt mit mehreren Firmen zusammen. Bis zu 135 Arbeitskräfte waren im Gebiet tätig. Die Messungen nimmt die Firma DMT GmbH & Co. KG, Essen, unter der Leitung von Crew Manager Andreas Pekruhl vor. Die Sprengladungen versenkt das niederländische Unternehmen Rossingh Drilling BV, Gieten und die großen 17 Tonnen schweren Vibrotrucks kommen aus Italien von der Geotec SpA, Ravenna.


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