Interview mit Niklas Keiser Razz proben weiter in Schöninghsdorf bei Twist

Von Carola Alge


Twist. Die aus dem emsländischen Schöninghsdorf stammende Band Razz erlebt derzeit einen rasanten Höhenflug. Im Interview erzählt Sänger Niklas Keiser von Fanerlebnissen, musikalischen Wunschpartnern und sozialen Netzwerken.

Fast alle Konzerte ihrer ersten Tour sind ausverkauft, Zusatzkonzerte ebenfalls. Die Tournee sehen die vier Jungs als Dankeschön für ihre Anhänger. „Ohne unsere Unterstützer und Fans würde es uns nicht geben, und wir hätten es nie so weit geschafft“, sagt Sänger Niklas Keiser im Interview. Er wie auch die anderen drei Musiker wohnen noch immer in Schöninghsdorf, dort ist auch weiter der Probenraum.

Hey, Niklas. Die ersten Konzerte Eurer ersten Deutschlandtour habt Ihr gespielt. Wie war es bisher?

Bisher waren alle Konzerte ausverkauft, und die Stimmung des Publikums war wirklich einzigartig. Es hat sehr viel Spaß gemacht und war erstaunlich zu sehen, wie mehrere Songtexte auswendig mitgesungen wurden.

Open air habt Ihr oft gespielt. Jetzt geht es in Klubs. Wie empfindet Ihr die Atmosphäre und Nähe zu Euren Fans?

Es ist definitiv etwas anderes. Aber Klubshows machen genauso viel Spaß wie Festivals. Man hat mehr Nähe zu seinen Fans und weiß, dass sie nur da sind, um uns zu sehen. Wenn dann auch noch viele Konzerte ausverkauft sind, freut man sich umso mehr.

Dankeschön für große Unterstützung

„With Your Hands We’ll Conquer – mit Euren Händen werden wir erobern“, ist Eure erste Tour überschrieben. Der Titel des gleichnamigen Albums stammt aus Eurem Song „Youth „With Your Hands We’ll Conquer – mit Euren Händen werden wir erobern“, ist Eure erste Tour überschrieben. Der Titel des gleichnamigen Albums stammt aus Eurem Song „Youth & Enjoyment“. Er klingt ein bisschen nach einem Dankeschön an eure Fans ...amp; Enjoyment“. Er klingt ein bisschen nach einem Dankeschön an eure Fans ...

Genauso ist es auch gedacht. Ohne unsere Unterstützer und Fans würde es uns nicht geben, und wir hätten es nie so weit geschafft. Deswegen ist es eben ein Dankeschön für die große Unterstützung, die sie uns geben.

Ihr habt auf vielen Festivals gespielt, bevor Euer Album herauskam. Das ist eher ungewöhnlich in der Branche. Trotzdem kamt Ihr super an. Wie erklärt Ihr euch das?

Das ist schwierig. Solche Dinge lassen sich meistens nicht einfach so erklären. Aber vielleicht hatten wir einfach Glück, dass alles passte und unsere Musik bei einigen Leuten gut ankam.

Habt Ihr einen Auftritt in besonderer Erinnerung?

Es gibt einige Auftritte, die man nicht vergisst und die man besonders in Erinnerung behält. Ein Beispiel dafür wäre das Hurricane Festival. Wir sind selber auch Festivalgänger und haben natürlich auch schon vorher dieses Festival besucht. Da es eines der größten Festivals Deutschlands ist, ist es auch immer ein Ziel gewesen, dort einmal zu spielen. Wir haben uns wahnsinnig gefreut, als wir gebucht wurden und die White Stage, auf der wir gespielt haben, während unseres Auftritts prall gefüllt war.

Riesigen Resekt vor Dave Grohl

Gibt es Künstler, mit denen Ihr gern mal auf einem Festival auf einer Bühne spielen würdet?

Na klar. Als Musiker hat man immer Vorbilder und Bands, die man besonders mag. Dave Grohl ist zum Beispiel ein Musiker, vor dem ich riesigen Respekt habe. Eine Tour mit den Foo Fighters wäre eine abgefahrene Sache.

Hattet Ihr musikalische Vorbilder, an denen Ihr Euch orientiert habt?

Ohne Vorbilder funktioniert es meistens nie. Denn man orientiert sich ja immer irgendwo und hat Referenzen. Wir haben viele unterschiedliche Bands, die uns gefallen, zum Beispiel Editors, Foals oder auch Two Door Cinema Club. Es gibt aber auch viele kleinere Künstler, die wir gerne hören.

Lebensgefühl junger Leute

Eure Songs erzählen vom Alltag, vom Lebensgefühl junger Leute. Greift Ihr Ideen für Eure Titel aus dem Leben?

Die Texte haben meistens einen Schlüsselgedanken, der aus dem privaten Leben stammt. Diesen Gedanken führt man dann häufig aus und verschleiert ihn ein wenig.

Wie geht Ihr einen neuen Song an: Kommt zuerst die Musik oder der Text?

Das ist komplett verschieden. Manchmal summt man eine Melodie zu irgendwelchen Akkorden, die einem gefallen, und dann schreibt man einen passenden Text. Manchmal hat man aber auch zuerst einen Refrain oder eine Textzeile, die einem spontan einfällt. Dann sucht man dafür eine Melodie.

Sprechen nicht nur eine Altersgruppe an

Der Altersdurchschnitt Eurer Konzertbesucher dürfte bei etwa Mitte 20 Jahren liegen. Wie kommt Ihr bei älteren Semestern an?

Wir haben bisher die Erfahrung gemacht, dass auch viele ältere Leute unsere Konzerte besuchen. Die ersten zwei bis drei Reihen bestehen häufig aus jüngeren Gästen. Weiter hinten sind aber auch viele Leute zwischen 30 und 50 Jahren vertreten. Es ist schön zu sehen, dass wir nicht nur explizit eine spezifische Altersgruppe ansprechen.

Ihr kommt aus einem kleinen Ort, aus Schöninghsdorf. Wie erklärt Ihr der Welt da draußen, woEuer Zuhause ist?

Das ist gar nicht so schwer. Wenn wir in den Niederlanden spielen, wissen die meisten sowieso grob, wo es liegt. In Deutschland ist es immer üblich, dass wir sagen, dass das Emsland an der holländischen Grenze liegt. Viele Leute wissen dann ungefähr Bescheid. Witzig ist, dass viele Leute auch Meppen noch aus Bundesligazeiten kennen. Das erleichtert die Sache.

Was sagen die Schöninghsdorfer zu Eurem Erfolg?

Ich glaube, da ist kein großer Unterschied zu dem, was andere Leute sagen. Es gibt immer Leute, die sich für uns freuen, und Leute, die es nicht verstehen oder die Musik einfach nicht mögen.

Habt Ihr noch Zeit, Freunde von dort zu treffen?

Na klar. Es ist ja nicht so, dass wir keine Zeit mehr für Freunde haben. Wenn wir am Wochenende mal zu Hause sind, sind wir oft in Meppen, feiern und treffen dort unsere Freunde.

Für Fußball kaum noch Zeit

Drei von Euch haben Fußball gespielt. Bleibt dafür noch Zeit?

Leider nein, da wir am Wochenende häufig unterwegs sind, ist kaum noch Zeit für Fußball, da am Wochenende die meisten Spiele sind. Zumal in der Woche dann auch noch die Probe ansteht.

Neben der Musik habt Ihr alle eine Ausbildung bzw. das Abi gemacht. In welchem Beruf würdet Ihr wohl arbeiten, wenn Ihr nicht Musiker wärt?

Schwierig zu sagen. Musik war schon immer ein Hobby, und wenn wir es nicht quasi schon zu unserem Beruf gemacht hätten, wären wir vielleicht in einem ähnlichen Bereich tätig gewesen. Aber vielleicht wäre das Interesse auch nicht so groß gewesen, wenn es die Band nicht geben würde. Vielleicht wäre die Fußball-Karriere dann weiter vorangetrieben worden.

Ist Schöninghsdorf nach wie vor Euer Wohnort?

Ja, auf jeden Fall unser erster Wohnsitz, da dort auch noch unser Proberaum ist und unsere Familien dort wohnen.

Wie sieht es mit Fan-Belagerungen dort aus?

Das ist alles noch völlig okay. Richtige Fan-Belagerungen gibt es noch nicht.

Besondere Fanstory

Gibt es eine Fanstory, an die Ihr Euch besonders erinnert?

Witzige Geschichte! Wir haben auf unserer Tour jemanden getroffen, der den Refrain von unserem Song „Black Feathers“ auf dem Oberarm tätowiert hatte. Das war auf jeden Fall eine krasse Sache. Dass jemand einen unserer Songs so sehr mag, hätten wir nie gedacht.

Viele Konzerte Eurer Tour sind ausverkauft, Ihr gebt Zusatzkonzerte. Kommt Euch der Erfolg manchmal wie ein Traum vor?

Bisher hält sich das alles noch in Grenzen. Die Tour und unsere Konzerte machen uns immer noch sehr viel Spaß. Aber an einen riesigen Erfolg denkt man nicht wirklich. Dadurch, dass wir noch in einem schönen bescheidenen Örtchen wohnen, hebt man da auch erst mal nicht ab und freut sich einfach nur, diese Chance zu haben.

Reinhören: „Turning Shadows“ von Razz

Fernseherfahrung

Fernseherfahrung habt Ihr auch gesammelt. Am 6. und 7. Januar seid Ihr in „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ zu sehen. Habt Ihr Lust auf mehr?

Die Fernseherfahrung war sehr interessant. Es hat sehr viel Spaß gemacht und war allgemein eine wundervolle Erfahrung. Ob wir Lust auf mehr haben, entscheiden wir spontan. Dabei kommt es auch immer auf das Format an und wie man dort spielt.

Das Musikgeschäft ist schnelllebig. Habt Ihr Angst, von einem Tag auf den anderen nicht mehr anzukommen?

Ich glaube, sobald man sich darüber Gedanken macht, kann man auch direkt aufhören. Man sollte nämlich bei der Musik nie vergessen, warum man es überhaupt angefangen hat. Weil man Spaß daran hat, mit seinen Kumpels Musik zu machen und Auftritte vor Leuten zu spielen. Wenn man sich dann Druck macht, verliert man meiner Meinung nach diese Grundidee.

Der Jahreswechsel ist eine Zeit der Wünsche und Vorsätze. Was habt Ihr Euch für 2016 beruflich vorgenommen?

Auf jeden Fall fleißig an neuen Songs arbeiten, schnellstmöglich wieder ins Studio gehen, neue Songs aufnehmen und noch sehr viele schöne Konzerte und Festivals spielen. Vor allem auch langfristig im Ausland.

Und privat?

Ich habe mir persönlich vorgenommen, dass ich den Fehler bei der Jahreszahl nicht mehr so häufig mache. Ich glaube, jeder kennt das. Man schreibt das Datum auf und schreibt immer noch 2015. Ich nehme mir vor, diesen Fehler seltener zu machen.

Fürchtet Ihr die Maschinerie des Musikbiz, dass man Euch in gewisser Weise vermarktet? Was macht Ihr, um Euch treu zu bleiben?

Nein, es ist wichtig, dass man sich die richtigen Leute um einen herum sucht, die dasselbe Ziel verfolgen. Und wenn man eben nie vergisst, warum man überhaupt Musik macht, bleibt man sich sicherlich auch treu.

Gern Konzerte im Emsland

Wie wichtig ist es Euch, in der Heimat im Emsland Konzerte zu geben?

Wir kommen immer wieder gerne hierher zurück, um Konzerte zu spielen, aber man muss eben auch in Städten spielen, in denen Razz unbekannt ist, um sich auszubreiten und neue Leute auf Razz aufmerksam zu machen.

Was haltet Ihr von sozialen Netzwerken – ist es nötig für den Erfolg, da präsent zu sein?

Meiner Meinung nach gehören soziale Netzwerke wie Facebook oder Instagram gerade in der jetzigen Zeit definitiv dazu, um präsent zu bleiben und die Leute zu binden. Dinge verbreiten sich dadurch natürlich auch viel schneller, und man hat eine viel größere Reichweite als Bands vor 50 Jahren.


Die restlichen Razz-Konzerttermine

04.01.2016 München Ampere

05.01.2016 Köln Yuca

06.01.2016 Göttingen Exil

07.01.2016 Chemnitz Atomino

08.01.2016 Leipzig Moritzbastei

09.01.2016 Berlin (sold out!)

10.01.2016 Berlin Zusatzshow (sold out)

16.01.2016 Braunschweig Eule

17.01.2016 Osnabrück Kleine Freiheit (Zusatzshow)

18.01.2016 Flensburg KRAFTKLUB Support (sold out)

19.01.2016 Zwickau Kraftklub Support (sold out!)

Tickets gibt es unter anderem auf www.fourartists.com/artists/r/razz.html