Kandidatin für Ehrenamtspreis Vera Jaron hilft der therapeutischen Reitgruppe Twist

Von Ann-Christin Fischer

Dr. Vera Jaron (r.) unterstützt Hannes, einem Teilnehmer beim therapeutischen Reiten in Twist, auf dem Pferd zu sitzen. Foto: Ann-Christin FischerDr. Vera Jaron (r.) unterstützt Hannes, einem Teilnehmer beim therapeutischen Reiten in Twist, auf dem Pferd zu sitzen. Foto: Ann-Christin Fischer

Twist. Die Medizinerin Dr. Vera Jaron engagiert sich seit einigen Jahren für die therapeutische Reitgruppe in Twist. „Wir können die Leute aus einem Loch holen“, sagt die Twisterin.

Ganz vorsichtig zieht Hannes seine Beine nach hinten, richtet sich langsam auf. „Komm schon, du kannst das“, muntert ihn Dr. Vera Jaron auf und stützt dabei seine linke Hand. Nach ein paar Sekunden kniet er auf Stute Halina ¬ und ist stolz wie Oskar!

Schon lange ist bekannt, dass es zwischen Pferd und Mensch besondere Beziehungen gibt: Die Tiere können Menschen mit Handicap helfen, ihren eigenen Körper besser zu spüren und die Sinne zu schärfen. Aber die Vierbeiner können ihre Reiter nicht festhalten oder den Rollstuhl in die Halle schieben. Müssen sie auch nicht, denn dafür gibt es Dr. Vera Jaron, Vereinsärztin und Betreuerin von der therapeutischen Reitgruppe in Twist.

Angebot besteht seit 27 Jahren

Seit 27 Jahren gibt es das Gesundheits- und Freizeitangebot, das von den Reiterfreunden Twist und der Kolpingfamilie unterstützt bzw. gefördert wird. Keiner der Teilnehmer muss etwas zahlen, was Jaron sehr wichtig ist: „Ich will hier keinen Kommerz haben. Wir setzen uns ehrenamtlich für die ein, für die wir angetreten sind“, sagt die Medizinerin.

Weiterlesen: 25 Jahre therapeutisches Reiten Twist

Jeden Mittwoch stehen hier die drei Therapiepferde Halina, Bumblebee und Freddy mit vielen Ehrenamtlichen bereit, um Menschen mit Multipler Sklerose, dem Down-Syndrom, autistischen Erkrankungen oder Gehbehinderten schöne Stunden zu bescheren. Herzlich willkommen sind aber auch die anderen Familienmitglieder: „Oft fühlen sich zum Beispiel die Geschwister von Gehandicapten vernachlässigt, aber sie sollen gerne mitkommen. Wir finden hier für jeden Arbeit“, sagt die 62-Jährige und grinst.

Große Fortschritte bei den Teilnehmern

Es gibt eine Rampe, von der Rollstuhlfahrer aufsteigen können. Denn die Ärztin betreut auch das „Haus Soteria“ in Emlichheim. „Die Patienten kommen dann extra mit einem Bulli nach Twist, in dem auch die Rollstühle Platz finden.“ In der Reithalle sind immer mehrere Personen, die schützend nebenher laufen und immer wieder aufmunternde Worte sprechen. Hannes braucht die eigentlich gar nicht. Er ist seit Jahren dabei und weiß, was er kann. „Es ist der Wahnsinn, was hier manchmal passiert. Manche haben noch nie ein Wort gesprochen und dann sitzen sie auf dem Pferd und reden.“

Solche Momente sind es auch, die Dr. Jaron zum Weitermachen bewegen: „Das Ergreifendste war, als ein Blinder zum ersten Mal auf dem Pferd war“, erinnert sie sich und sagt: „Wir können die Leute aus einem Loch holen und das zählt.“

Weiterlesen: Neues Therapiepferd für Reiterfreunde Twist

Dr. Jaron lebt für ihre Reitgruppe, das bestätigt auch der 1. Vorsitzende Ralf Reuvers: „Ohne Vera würde das Ding hier nicht mehr laufen.“ Neben ihrer Tätigkeit engagiert sich die Chirurgin auch im Behindertensportverband Niedersachsen, berät dort Kranke in medizinischen Dingen.

„Es ist eine tolle Arbeit, jede einzelne Stunde genieße ich“, sagt sie zum Abschluss und zwinkert Hannes zu.