Mit Unterdruck gegen Schmerzen Physiotherapeutin bietet in Twist Schröpfen an


amax Twist. Patienten mit immer wiederkehrenden Rücken-, Bauch- oder Kopfschmerzen können sich nun mit dem Alternativheilverfahren „Schröpfen“ in der Physiotherapiepraxis Leoni Töller in Twist behandeln lassen. Ein Verfahren, das in der chinesischen Medizin dem „Aussaugen böser Geister“ diente.

Punktgenau platziert Leoni Töller die Kunststoffgläser auf dem Rücken von Maria Gebbeken, die Stammpatientin in ihrer Praxis ist. Sie leidet seit längerem unter starken Schmerzen im unteren Rückenbereich . Durch gezieltes Aufdrücken ertastet die Therapeutin die Schmerzpunkte, um mit dem Schröpfen zu beginnen. „Mit einer Pumpe wird in den Gläsern ein Unterdruck erzeugt, durch den der Schmerz quasi aufgesaugt wird“, erklärt die 26-Jährige. „Die Durchblutung wird angeregt, wodurch es zu blauen Flecken kommen kann, die aber nach wenigen Tagen verschwinden.“

Schon nach einigen Minuten färbt sich die Haut unter den Gläsern bei Maria Gebbeken dunkelrot. Je stärker der Schmerz, desto dunkler die Färbung. Sie kennt diese Methode schon seit Jahren und für sie ist diese die beste, um gegen die Schmerzen vorzugehen: „Ich habe mich hier bereits letzte Woche schröpfen lassen und war ganz begeistert. Ich fühlte mich gleich viel entspannter, besser durchblutet und schmerzfreier.“

Auch den Druck unter den Schröpfgläsern empfindet sie nicht als unangenehm. „Ein leichter Druck, bei dem sich ein warmes Gefühl auf dem Rücken bildet“, beschreibt sie das Druck-Gefühl.

Massagen, Lymphtapes oder Krankengymnastik gehören seit Praxiseröffnung vor anderthalb Jahren zum festen Angebot, das auch von vielen Patienten in Anspruch genommen. Nach einer Fortbildung im Medizinzentrum Hagen bietet die Physiotherapeutin seit vergangener Woche zusätzlich Schröpfen zur Schmerzbekämpfung an.

Nach etwa 15 Minuten entfernt die Physiotherapeutin die Schröpfglocken und führt abschließend zur Intensivierung eine Schröpfkopfmassage durch, bei der mit Massageöl und ebenfalls mit dem Unterdruck der Glocken noch einmal an den Schmerzen stärker massiert wird. „Man kann sich bis zu drei Mal die Woche schröpfen lassen, meistens verspüren die Patienten aber schon nach dem ersten Mal eindeutige Erfolge“, erklärt Leoni Töller. Das reine Trockenschröpfen kostet zehn Euro und das Schröpfen mit abschließender Schröpfkopfmassage 17 Euro.

Nach etwa einer halben Stunde ist die Behandlung abgeschlossen und Maria Gebbeken kann nach Hause gehen. Und Rückenschmerzen hat sie auch keine mehr.


Heilen mit Vakuum

Schröpfen lässt sich bei sehr vielseitigen Beschwerden anwenden. Es handelt sich um ein naturheilkundliches Verfahren, das seit der Antike genutzt wurde. Mit Schröpfgläsern, die die Form einer Glocke haben, werden die Haut und das darunter liegende Gewebe angezogen und gedehnt. Es entsteht ein Vakuum, so dass sich das Schröpfglas auf der Haut festsaugen kann.

Die Durchblutung wird angeregt. Anhand der Rückenreflexzonen kann damit Einfluss auf die inneren Organe genommen werden. Magenproblemen, Kopfschmerzen, Heuschnupfen oder sogar Depressionen können damit behandelt werden.

Während früher mit Schröpfglocken aus Glas gearbeitet und der Unterdruck mit Hitze erzeugt wurde, arbeitet Leoni Töller mit Kunststoffgläsern und einer Pumpe. So kann sie den Druck selbst regulieren und gegebenenfalls abschwächen oder verstärken, um eine möglichst effektive Schmerzlinderung zu erzielen, die für die Patienten auch nicht zu unangenehm ist.