Chancen für Langzeitarbeitslose Landkreis Emsland ist seit zehn Jahren Optionskommune

Im Jahr 2005 wurden im Emsland etwa 8476 Arbeitslose aus dem SGB-II-Bereich verzeichnet. Heute ist die Zahl auf 2410 gesunken. Foto: dpaIm Jahr 2005 wurden im Emsland etwa 8476 Arbeitslose aus dem SGB-II-Bereich verzeichnet. Heute ist die Zahl auf 2410 gesunken. Foto: dpa

Meppen. Seit nunmehr zehn Jahren gehört der Landkreis Emsland zu den bundesweiten Optionskommunen, die sich als oberstes Ziel setzten, Langzeitarbeitslose wieder auf dem ersten Arbeitsmarkt zu integrieren. Im Jahr 2005 wurden im Emsland 8476 Hartz-IV-Empfänger (SGB II) verzeichnet. Heute ist die Zahl auf 2410 gesunken.

Von Oktober 2005 bis Dezember 2014 betrug der Rückgang der SGB-II-Arbeitslosigkeit im Emsland 63,19 Prozent. „Wir sind deshalb bei der Vermittlung so erfolgreich, weil wir gut vernetzt sind und die persönliche Beratung und Betreuung sehr intensiv ist “, betont Landrat Reinhard Winter und zeigt zum Vergleich die Zahlen auf Landes- und Bundesebene auf: Im selben Vergleichszeitraum sei in Niedersachsen lediglich ein Rückgang um 35,97 Prozent zu verzeichnen. Im Bund waren es 32 Prozent.

Der Anteil der Hilfeempfänger nach dem SGB II an der Gesamtbevölkerung im Emsland betrug im Juni des vergangenen Jahres 5,3 Prozent; niedersachsenweit liege der Landkreis im Vergleich mit anderen Jobcentern damit hinter Vechta (5,2 Prozent) an zweiter Stelle. Einen großen Vorteil sieht der Landrat auch darin, dass zugeteilte Bundesmittel selbstständig eingesetzt werden und somit die Maßnahmen für die Integration der Arbeitslosen eigenständig bestimmt werden. Die SGB-II-Arbeitslosenquote, gemessen an allen zivilen Erwerbspersonen, belief sich im Dezember des letzten Jahres auf 1,4 Prozent. „Damit stehen wir niedersachsenweit an der Spitze“, so Winter.

Neben arbeitsmarktnahen Qualifizierungen bietet der Landkreis soziale Hilfestellungen wie Sucht- und Schuldnerberatung an. „Wir möchten jedem eine Chance geben, eine geeignete Stelle zu finden. Die Fallmanager des Jobcenters stehen in ständigem Kontakt mit den Sachbearbeitern“, erklärt Hans Hannen, Leiter des Jobcenters des Landkreises. Auch Vermittlungshemmnisse spielen eine Rolle, wenn die Vermittlung eines Arbeitnehmers durch persönliche Umstände erschwert wird. „Die Quote kann somit nicht gegen null gehen, denn der Wille und die Motivation des Betroffenen ist ebenso wichtig“, erklärt Martin Gerenkamp, Erster Kreisrat.

Kritisch sieht Hannen, dass der Sozialstatus oftmals an die nächste Generation weitergegeben wird. „Ab dem 13. Lebensjahr versuchen wir in Kontakt mit den Kindern von Langzeitarbeitslosen zu treten, um den Werdegang im Auge zu behalten und frühzeitig die beruflichen Wünsche auffangen zu können.“

Als Kernaufgabe sieht der Landrat auch die Integration von Alleinerziehenden. Die Region Weser-Ems sei bei der Frauenerwerbsquote Schlusslicht in Niedersachsen. „Wir versuchen insbesondere alleinerziehende Mütter zu unterstützen, damit sie ihre Ausbildung nachholen oder sich weiterbilden. Auch das Angebot der Teilzeitarbeit ist möglich. Wir möchten die Betriebe darauf vorbereiten, familienfreundliche Stellen zu schaffen“, so Winter. Auch der Ausbau der Kinderbetreuung im Emsland eröffne neue Möglichkeiten.

Ebenso die seit 2005 zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit umgesetzten Maßnahmen zeigen positive Auswirkungen. Im Dezember 2006 waren noch 626 Personen im Alter unter 25 Jahren arbeitslos (SGB II). 2014 waren lediglich 67 Personen arbeitslos gemeldet.


SGB II regelt die Grundsicherung für Arbeitsuchende:

Das Sozialgesetzbuch II trat 2005 in Kraft und ist im allgemeinen Sprachgebrauch als „Hartz-IV-Gesetz“ bekannt. Es regelt die Förderung von erwerbsfähigen Personen ab 15 und unter 65 Jahren sowie deren Angehöriger, soweit diese ihren Lebensunterhalt nicht aus eigenen Mitteln bestreiten können. Die Neuerung besteht darin, dass vor seinem Inkrafttreten Arbeitslose zeitlich unbegrenzt Arbeitslosenhilfe nach dem SGB III erhielten, die sich an der Höhe des vorher bezogenen Arbeitslosengeldes orientierte. Langzeitarbeitslosen wird das Arbeitslosengeld II zeitlich ebenfalls unbegrenzt gewährt; jedoch umfasst ein Bewilligungszeitraum regelmäßig sechs Monate. Träger der Leistungen sind die Bundesagentur für Arbeit einerseits und die Landkreise und kreisfreien Städte als kommunale Träger.

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